Fahrbericht: Abarth 500e – Auf der Suche
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Während viel Ingenieurskunst gefragt ist, um Verbrennern hohe Drehfreude und Dynamik verheißende Leistungskurven anzuzüchten, spurtet heute fast jedes Elektromobil aus dem Stand wie der Blitz nach vorne. Einmal den Fuß aufs Fahrpedal, und ab geht die Post. Es ist wohl kein leichtes Los, in diesen Zeiten ein Abarth zu sein. Weshalb, zeigt der Blick auf den „frisierten“ 500e.
Abarth, der 1949 gegründete Hersteller mit dem Skorpion im Logo, steht seit jeher für Sportwagen und Autos mit sportlicher Attitüde, meist auf Fiat-Basis. Den putzigen 500 macht Abarth als 595 und 695 zur weit über 200 km/h schnellen Krawallkugel – und ist inzwischen auch in der Welt der E-Mobilität angekommen, wo aber jedes Vehikel schon sein maximales Drehmoment ab dem Start bereitstellt.
Genau hier liegt die Herausforderung: Braucht man im Elektrozeitalter noch eine so emotional aufgeladene, stark von der motorsportlichen Historie lebende Marke wie Abarth? Und kann sie mehr sein als eine Ausstattungsvariante mit Alcantara-Bezügen auf Sportsitzen und Lenkrad?
Paroli dem Verbrenner?
Ausgangspunkt ist auch hier der Fiat 500, in der elektrischen Variante. Mit ihm teilt sich der Abarth 500e den 294-Kilo-Akku mit 37,8 kWh nutzbarer Kapazität (brutto: 42,2 kWh), der bis zu 85 kW Ladeleistung aufbietet. Der hauptsächliche Unterschied liegt in der viel höheren Antriebsleistung von 113 kW/155 PS und dem um 15 auf 235 Nm gesteigerten Drehmoment. Wichtiger als die 155 km/h Spitze ist für das Renommee des Flitzers, ob er einem Abarth-Verbrenner fahrdynamisch Paroli bieten kann. Trotz rund 350 Kilo zusätzlich auf den Rippen spricht der Hersteller von mehr Agilität als im 595 oder 695. Fast ausgeglichener Gewichtsverteilung, niedrigerem Schwerpunkt, mehr Radstand und Spurweite soll Dank sein. Auch im Landstraßenüberholsprint von 60 auf 100 km/h soll der Abarth 500e eine Sekunde flotter sein.
Nachprüfen konnten wir das nicht, als wir in der vollausgestatteten Top-Variante Turismo (42.990 Euro) unterwegs waren. Aber auf welligem Asphalt einsamer oberbayerischer Nebenstraßen klebte der in Poison Blue (700 Euro) gefärbte Renner förmlich an der Fahrbahn. Selbst bei zügiger Gangart blieb der Verbrauch mit unter 17 kWh laut Bordcomputer vergleichsweise moderat. Gut so, denn mit 253 Kilometern Reichweite nach WLTP kommt der Turismo auf seinen großen 18-Zoll-Rädern nicht allzu weit, ohne nachzuladen. Wer sich bei der flinken Fahrt frischen Wind im Cockpit wünscht, greift zur Cabrio-Variante. Für 3.000 Euro Aufpreis gibt es den Abarth 500e auch mit zurückschiebbarem Stoffdach zwischen den Dachholmen.
Geschlossen oder offen, der Fahrspaß stimmt. Doch symbolisch für die Suche Abarths nach einem Platz in der Elektrowelt mag der Soundgenerator der Turismo-Ausstattung gelten. Als Ersatz für einen Auspuff plärrt er heißeres Verbrennerfauchen in die Landschaft. Elektro-like ist das nicht, aber immerhin abschaltbar. Ob das die eingefleischte Fangemeinde, die Abarthisti, vom Fahren mit Strom überzeugt, bleibt abzuwarten.
Technische Daten Abarth 500e
| Motor: | E-Motor, 114 kW/155 PS, 235 Nm |
| Antrieb, Getriebe | Front, Ein-Gang automatisch |
| 0–100 km/h, Spitze: | 7,0 s, 155 km/h |
| Normverbrauch: | 17,1–18,8 kWh, 0 g CO2/km lokal* (WLTP) |
| Länge x Breite x Höhe: | 3,67 x 1,68/1,90 x 1,52 m |
| Radstand, Wendekreis: | 2,32 m, 9,4 m |
| Kofferraum: | 185–550 l |
| Leergewicht, Zuladung: | 1.410–1.435 kg, 370–385 kg |
| Anhängelast: | keine |
| Stützlast, Dachlast | keine/50 kg |
| Akkukapazität, Reichweite: | 42,2 kWh, 242–265 km (WLTP) |
| Preis ab: | ab 37.990 Euro |
* entspricht 72–79 g CO2/km gemäß dt. Strommix 2021 geschätzt lt. Umweltbundesamt: 420 g CO2/kWh
Impressionen
Alle Fotos: Thomas Schreiner
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