Fahrbericht: Volvo ES90 – Eine vollelektrische Chauffeurlimousine
3 min
Volvos neues Fließheckmodell ES90 ist etwas für Reisende mit Hang zu Leistung und Genuss. Im aktuellen PS-starken Elektrozeitalter, zu dem sich Volvo konsequent bekennt, rollt jetzt die erste vollelektrische Limousine des schwedischen Autobauers unter den Fittichen des chinesischen Geely-Konzerns zu den Händlern.
Design und Abmessungen: Volvo ES90 setzt auf elegante Zurückhaltung
Der Volvo ES90 streckt sich mit glatten fünf Metern Länge einen Tick weiter als etwa der Mitbewerber Mercedes EQE. Im Prinzip könnte die Karosserie von nahezu jedem Hersteller stammen. Die coupéhafte Linie wirkt zweifellos elegant, hat aber außer dem Markenemblem und dem mittlerweile bekannten Thors-Hammer-Tagfahrlicht keine wesentlichen Volvo-Erkennungszeichen. Auffällig unauffällig ist die nahezu glattgebügelte Außenhaut.
Minimalistischer Innenraum: Skandinavisches Design trifft digitale Bedienung
Im Inneren herrscht aufgeräumte Klarheit. Das Cockpit ist geschmackvoll, wie man es von einem Volvo erwartet: reduziert eingesetzte Knöpfe und Tasten auf dem Lenkrad. Ansonsten wird auf dem hochkant an der Mittelkonsole platzierten Bildschirm gewischt und getippt. Alternativ werden Anweisungen per Sprachsteuerung erteilt.
Wer in einem Volvo mit Spitzenanspruch sitzt, schaut besonders auf Details oder etwaige Schwächen. Zum Beispiel, dass es weder vorne noch hinten oberhalb der Türen Haltegriffe gibt. Sind die wirklich aus der Mode gekommen? Wunderschön mutet indes eine sogar hintergrundbeleuchtete Holzdekor-Bahn entlang der Armaturentafel an – ohne protzig zu wirken. Der feine Sinn für skandinavisches Design ist bemerkenswert.
Komfort im Fond: Viel Beinfreiheit macht den ES90 zur Chauffeurlimousine
Im Fond eröffnen sich unendliche Weiten vor allem für die Beinfreiheit – kein Wunder bei einem Radstand von 3,10 Meter. Der Volvo ES90 ist eine echte Chauffeurlimousine. Spürbar hoch wegen der darunter angeordneten Batterien ist der Kabinenboden, was einerseits das Ein- und Aussteigen bequemer macht; andererseits sitzt man mit etwas angewinkelten Beinen auf dem Gestühl. Ein wenig mehr Oberschenkelauflage wäre hinten hilfreich. Die drei Kopfstützen in der zweiten Reihe vermitteln absolute Sicherheit, sichtmäßig kollidieren sie jedoch ebenso wie die Köpfe von drei Mitreisenden im Fond mit der flachen Heckscheibe. Da kann sich der Mensch am Steuer beim Rangieren nur auf die Rückfahrkamera konzentrieren.
Der Kofferraum in Mittelmaß ist über die große Heckklappe perfekt zu beladen, sofern es keine allzu klobigen Gepäckstücke sind. Denn das coupéhaft abgeschrägte Dach fordert in Sachen Ladehöhe natürlich seinen Tribut.
Fahrleistung im Test: Heckantrieb mit 245 kW/333 PS überzeugt im Alltag
Zu einer ersten Testfahrt stand der Hecktriebler mit 245 kW/333 PS bereit. Die Leistung lässt sich geschmeidig portionieren, vermittelt auch mehr als ordentlichen Schub. Erst bei Tempo 180 wird abgeregelt – eine mittlerweile umfassende Volvo-Philosophie, die offenbar keine Kaufzurückhaltung hervorruft. Sehr angenehm lässt sich der ES90 im One-Pedal-Modus bewegen – mit starker Rekuperation bis zum Stillstand. Absolut empfehlenswert! Ebenfalls für Lobeshymnen geeignet: Das auf Wunsch erhältliche adaptive Luftfahrwerk löst das Versprechen der richtigen Balance zwischen Komfort und Straffheit ein. Irgendwie ist der ES90 gediegen und lässt sich entspannt bewegen. Verblüffend: Jegliches Lauern nach chinesischen Spielereien, wie sie im Land der aufgehenden Sonne in vielen Fahrzeugen weit verbreitet sind, löst sich in Nichts auf.
Verbrauch und Reichweite: Realität bei Kälte weicht von WLTP-Angaben ab
Noch ein Wort zu Reichweite und Laden: Die fürs gefahrene Modell Single Motor Extended Range angegebenen maximalen 651 Kilometer hätten wir bei Temperaturen um den Gefrierpunkt definitiv nicht erreichen können. Der Bordcomputer wies nach ausführlichen Touren im gemischten Stadt-Land-Verkehr einen Durchschnittsverbrauch von 22 kWh/100 Kilometer aus. Laut WLTP sollen es zwischen 15,9 und 18,5 kWh sein. Unter diesen Bedingungen wären somit nicht mehr als gut 400 Kilometer machbar gewesen.
Schnellladen mit 800-Volt-Technik: Kurze Ladezeiten für die Langstrecke
Dank 800-Volt-Technik und 310 kW maximaler Ladeleistung benötigt die 88-kWh-Batterie an einer entsprechend leistungsfähigen Säule 22 Minuten von 10 bis 80 Prozent Ladung. Diese Zeit schaffen auch die beiden Allrad-Ausführungen mit 335 kW/456 PS oder 500 kW/680 PS (je maximal 350 kW). Deren Reichweite mit 106 kWh großem Akku beträgt unter Idealbedingungen bis zu 700 Kilometer.
Den in China gebauten Volvo ES90 gibt es als Hecktriebler ab 71.490 Euro oder in Twin-Motor-AWD-Version in zwei Leistungsstufen als Allradler ab 81.590 Euro – ein ordentlicher Preisaufschlag, da die beiden Allradausführungen mindestens die zweite (von drei) Ausstattungsstufe „Plus“ erfordern.
„Ich halte den Volvo ES90 für eine perfekte Begleitung auf der Langstrecke. Das unaufgeregte Dahingleiten in der Fünf-Meter-Yacht zeigt einmal mehr, wie gut die Chinesen und Schweden miteinander Autos entwickeln können – kleine Schwächen sind menschlich.“
Technische Daten Volvo ES90
| Motoren | Elektro:245 kW/333 PS, 480 Nm; 335 kW/456 PS, 670 Nm; 500 kW/680 PS, 870 Nm |
| Normverbrauch | 15,9–18,5 kWh/100 km, 0 g CO2/km (WLTP) |
| L x B x H | 5,00 x 1,94/2,12 x 1,55 m |
| Kofferraum | 424–1.427 l |
| Zuladung | 490–500 kg |
| Anhängelast | 1.600–2.000 kg |
| Stützlast | 100 kg |
| Akku-Kapazität | 88 oder 102 kWh |
| Reichweite lt. Hersteller | bis zu 651 oder 700 km |
| Preis ab | 71.490 € |
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