China tritt auf die Bremse
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Tesla rüstet ab, außer bei der Leistung: Das neue Model Y ist auch in einer abgespeckten Standard-Version erhältlich – mit Stoff- statt Ledersitzen, kleineren Rädern und ohne schicke LED-Leuchtbänder an Front und Heck. Bei den Fahrleistungen indes muss niemand Verzicht üben. Selbst mit der kleinsten Motorisierung leistet das Model Y 220 kW/299 PS. In gut sieben Sekunden geht es ab von 0 auf 100 km/h.
Alltagsautos, die beschleunigen wie es früher nur Sportwagen konnten: Da ist Tesla keine Ausnahme. Seit Jahren steigt die Motorleistung von Neuwagen auf zuletzt durchschnittlich 212 PS. Bei batteriebetriebenen Pkw ist der PS-Boom besonders markant. Plug-in-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge verfügen häufig über eine besonders hohe Antriebsleistung, die meist weit über das hinausgeht, was Autofahrer im Alltag benötigen.
Warum immer stärkere Elektroautos zum Sicherheitsrisiko werden
China will diesem Wettrüsten nun etwas entgegensetzen und die Leistung von Neuwagen drosseln. Die Pläne sehen vor, dass Pkw nach dem Start zunächst mit reduzierter Leistung anfahren. Um Unfälle zu vermeiden, sollen Autos künftig mindestens fünf Sekunden brauchen, um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen.
Fünf, sechs oder sieben Sekunden sind immer noch extrem schnell. Dennoch seien die Pläne immerhin ein Ansatz, um den Leistungswahn bei Neuwagen einzugrenzen, sagt Helmut Holzapfel vom Zentrum für Mobilitätskultur in Kassel. Denn die hohen PS-Zahlen bei Elektroautos seien tatsächlich ein großes Problem für die Verkehrssicherheit. Weil die Stromer besonders leise fahren, sind sie für Fußgänger und Radfahrer deutlich schlechter wahrnehmbar.
Extreme Beschleunigung: Das eigentliche Problem moderner E-Autos
Es gab Zeiten, da waren 1,6 Liter Hubraum und 75 PS Standard. Diese Autos musste man noch kuppeln und schalten, um Drehzahlen abzurufen. Bei Elektroautos steht die ganze Bandbreite an Leistung sofort bereit. „Deshalb lassen sie jeden anderen Wagen beim Ampelstart an der Kreuzung stehen“, sagt Forscher Holzapfel. „Für Dritte heißt das: Diese Autos sind gefährlich.“ Etwa wenn Fußgänger fünf Sekunden benötigen, um eine Straße zu überqueren. Gut motorisierte E-Autos beschleunigen indes schon in zwei Sekunden auf Tempo 50. Da bleibt kaum Zeit, die herannahende Gefahr überhaupt wahrzunehmen.
Software statt PS-Wettrüsten: So könnte die Beschleunigung begrenzt werden
Dabei sind Elektroautofahrer am Rasen oft nicht interessiert. Hohe Geschwindigkeiten auf der Autobahn lassen die Reichweite stark schmelzen. Um den Akku zu schonen, fahren viele E-Mobilisten freiwillig Richtgeschwindigkeit (130 km/h) – auch Halter von leistungsstarken Modellen.
Anders sieht es dagegen bei der rasanten Beschleunigung aus. Diesen Kick wollen sich viele Elektro-Fahrer offenkundig nicht nehmen lassen. Dabei wäre die „Ampelraserei“, wie es Verkehrsforscher Helmut Holzapfel nennt, mit technischen Mitteln eingrenzbar. Etwa mit einer Software im Fahrzeug, die Beschleunigungsorgien im Stadtverkehr unterbindet. Zugutekommen würden derartige Regelungen auch der Effizienz. Weil Neuwagen immer größer und schwerer werden, erhöhen die Hersteller die PS-Zahl, damit die Fahrzeuge weiter standesgemäß bewegt werden können.
China setzt auf Verbrauchsgrenzen für Elektroautos
Anreize für Autokäufer könnten hier helfen, sich lieber für kleinere, effizientere Modelle zu entscheiden anstatt für große sprit- beziehungsweise stromfressende Modelle. Länder wie Frankreich bestrafen stark übergewichtige Neuwagen mit einer hohen Kfz-Steuer. Aber auch China plant neue Regelungen. Im wichtigsten Automarkt der Welt sollen Neuwagen nicht nur bei der Leistung gedrosselt werden. Auch Effizienzvorgaben sind frisch eingeführt worden. Seit 2026 gelten für Elektromodelle verbindliche Obergrenzen für den Stromverbrauch, gestaffelt nach Leergewichtskategorien. Für Pkw mit einem Leergewicht von zwei Tonnen sind beispielsweise maximal 15,1 Kilowattstunden pro 100 Kilometer vorgesehen. Modelle, die darüber liegen, fallen aus der staatlichen Förderung und werden so schwer verkäuflich.
Die Grenzwerte bemessen sich am chinesischen CLTC-Zyklus, der weniger fahrdynamisch geprägt ist und deutlich geringere Verbrauchswerte ergibt als der bei uns übliche WLTP-Zyklus. Eine einfache Umrechnungsformel gibt es nicht. Laut Experten legen Vergleichszahlen nahe, dass 15,1 kWh gemäß CLTC etwa 17,5 bis 19 kWh nach WLTP-Norm entsprechen sollen.
Sind Leistungs- und Verbrauchslimits auch in Deutschland denkbar?
Sind solche Verbrauchsgrenzen ein Modell auch für den heimischen Markt? Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) reagiert ablehnend. Die Hersteller hätten bereits Fahrzeuge mit hoher Fahrzeugeffizienz und niedrigem Stromverbrauch auf dem Markt, sagt eine VDA-Sprecherin. Diese Effizienz steigere sich durch Forschung und Innovation. Das mache „weitere, überbordende Regulatorik“ unnötig. Ein Beschleunigungslimit lehnt der Lobby-Verband ebenfalls ab. Statistiken zeigten, dass Unfälle aus dem Anfahren heraus nur selten aufträten. Grundsätzlich leiste zudem eine vorausschauende Fahrweise einen erheblichen Beitrag zur Verkehrssicherheit.
„Ich teste oft Neuwagen mit viel Leistung. Das bringt Fahrspaß, doch braucht man 200 PS und mehr im Alltag? Ich finde: Eher nicht.“
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