Honda WN7 im Test: So fährt sich Hondas erstes Elektromotorrad

3 min

14.08.2026Andy Schwietzer

Die Honda WN7 ist Hondas neues Elektromotorrad. Im Test zeigt sie viel Fahrspaß, souveräne Leistung und eine alltagstaugliche Reichweite – offenbart aber auch Schwächen.

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„Geräusch ist letzten Endes nur eine fehlerhafte Konstruktion“, mäkelte einst der britische Automobilpionier Henry Royce. Dieser Satz ploppt in meinen Kopf auf, als ich mit der WN7 in den Verkehr starte. Ab dem ersten Meter erfreut sie mit souveräner und dabei flüsterleiser Leistungsentfaltung (100 Nm!). 

Honda WN7 stehend von der Seite auf einem Feldweg
Gut zu erkennen ist die zentrierte Massenverteilung mit dem schwarz verkleideten, mittragenden Akkupack in der Chassis-Mitte. Foto: Andy Schwietzer

Honda WN7 überzeugt mit Handling und Ergonomie

In Verbindung mit der für Honda typischen, exzellenten Ergonomie und der dank gut zentrierter Massen vorbildlichen Ausgewogenheit des immerhin 217 Kilo wiegenden Motorrades begeistert mich der Umgang mit der Maschine. Subjektiv schlucken Massenzentrierung und die gelungene Lenkgeometrie einen Zentner Gewicht. Dazu kommt eine eingängige Bedienung und Menüführung, wobei auch die Position der Bremsen mit der Hinterradbremse als Fußbremse rechts Umsteigern von anderen Motorrädern entgegenkommt. Eine elektronische Rangierhilfe für Vorwärts- und Rückwärtsfahrt ist auch an Bord.

Fahrmodi und Rekuperation: So fährt sich die Honda WN7

Vier Fahrmodi und die Stärke der Rekuperation können am linken Lenkerende gewählt werden. Traktionskontrolle und ABS bleiben stets im Eingriff. Die Heizgriffe ab Werk sind eine willkommene Ergänzung. In den Fahrmodi „Standard“ und „Eco“ dürften sich bei Nutzung voller Rekuperation und bei Einhaltung der Tempolimits in der Tat deutlich über 100 Kilometer Praxisreichweite ergeben. Unsere knapp 50 Kilometer messende Testrunde bei Temperaturen um die 30 Grad knabberte nur ein gutes Drittel der Akku-Kapazität (9,3 kWh) an.

Elektromotorrad für Stadt und Landstraße

Als „nacktes“ Motorrad soll die puristisch-schmucklose WN7 die erste elektrische Honda einer zukünftigen Modellpalette werden und sich in der Stadt und auf mittleren Überlandstrecken zu Hause fühlen. 

In der sommerlichen City ist die pure Auslegung ohne Wind- und Wetterschutz willkommen, noch dazu strahlt die Honda nicht wie ein Verbrenner Wärme an den Fahrer ab. So wird der Ritt auf der WN7 zum Genuss, ist doch in einer Allee Vogelgezwitscher zu hören und wenige Minuten später können auf Landstraßen freudvoll-dynamisch Kurven genommen werden. Ein erstklassiges Detail ist der Sekundärantrieb über Riemen auf das einseitig aufgehängte Hinterrad.

Wo die Honda WN7 Schwächen zeigt

Doch es findet sich auch Wasser im Wein, was angesichts der selbstbewussten Preisgestaltung (ab 14.780 Euro zzgl. Überführungskosten) Kopfschütteln erzeugt. Billige Gummischläuche finden sich an der Bremsanlage anstelle langlebiger Stahlflexteile. Das vor Schmutz und Dreck kaum geschützte Federbein ist von der billigsten Sorte ohne einstellbare Dämpfung. Auch die Gabel lässt sich nicht justieren und beide Federelemente sind deutlich überdämpft, folglich viel zu straff für Solobetrieb.

Ein Mann fährt auf einer Honda WN7.
In der Seitenansicht gut zu erkennen ist der kurze Sitzpolster-Stummel für den Sozius – unbequem. Foto: Foto: Stephan Lindloff

Soziusbetrieb wiederum dürfte unerquicklich werden: Das Soziuspolster der für den Fahrer sehr guten Bank ist zu klein, die Rasten sind viel zu hoch angebracht. Das hintere Schutzblech ist nur ein Kennzeichenhalter; der Dreck durchfahrener Pfützen landet auf dem Rücken der Passagiere. Ein Hauptständer wird spätestens bei einer Reifenpanne oder bei Wartungsarbeiten vermisst. Nicht mal das benötigte Ladekabel hat einen Stauplatz; eine andere Gestaltung der Tankattrappe oder des Hecks hätte so einen Fauxpas vermieden. Und wieder zitiere ich Henry Royce: „Kleinigkeiten schaffen Perfektion, aber Perfektion ist keine Kleinigkeit!“ Immerhin bietet die WN7 einen CCS-Ladeanschluss für den Halt unterwegs am Schnelllader. Honda gibt hierzu eine Ladezeit von 30 Minuten an, um den Akku von 20 auf 80 Prozent zu füllen.

Ein Mann sitzt auf einer Honda WN7.
Die WN7 überzeugt als erstes großes elektrisches Motorrad von Honda mit tadellosem Fahrverhalten, offenbart aber Schwächen im Detail. Foto: Stephan Lindloff

Honda WN7 im Test: Viel Potenzial, aber nicht ohne Schwächen

Wo Licht ist, ist auch Schatten: Alles, was elektrisch oder elektronisch ist, überzeugt an der WN7 ebenso wie das feine Handling und die vorbildliche Ergonomie. Ihre Schwächen liegen bei lieblosen Details oder konstruktiven Versäumnissen wie dem fehlenden Platz für das Ladekabel. Denn markiert die Honda WN7 einen ambitionierten Start in die richtige Richtung, der im Alltag aber einigen Enthusiasmus erfordert. 

„Eines der ausgefeilten Elektromotorräder was Massekonzentration, lenkgeometrische Auslegung und Kultur der Triebwerksabstimmung angeht. Die gute Fahrbarkeit wird durch zu grobe Federelemente getrübt, die Nutzung in der Freizeit wird erschwert durch den fehlenden Platz für das Ladekabel. Bitte weiterentwickeln; es zeigt in die richtige Richtung!“

Andy Schwietzer


Technische Daten Honda WN7

MotorElektro: 11,2 kW/15 PS und 18 kW/24,5 PS (Kurzleistung 50 kW/68 PS), 100 Nm
Sitzhöhe800 mm
Gewicht217 kg 
Spitze120 und 130 km/h
Akku-Kapazität9,3 kWh (349,44 Volt)
Reichweite lt. Hersteller 154 und 140 km (WMTC)
Preis ab14.780 € (zzgl. 629 € Überführung)


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