Komm, ich zeig dir meine Stadt
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In 16 deutschen Städten wurde während des langen Corona-Lockdowns ungeduldig mit den Füßen gescharrt. Denn hier warteten ehrenamtliche Greeter sehnlichst darauf, endlich wieder Gäste empfangen zu können. Aktuell präsentieren sich Augsburg, Berlin, Bonn, Bremen, Darmstadt, Düsseldorf, Freiburg, Fulda, Görlitz, Hamburg, Kassel, Mainz, Mannheim, München, Stuttgart und Wuppertal auf der Website der Deutschland-Greeter, die wiederum Mitglied der International Greeter Association sind.
Greeter sind Begrüßer
Die englische Terminologie lässt es schon erahnen: Die Greeter-Bewegung hat ihren Ursprung in den USA, genauer gesagt in New York. Hier gründete Lynn Brooks bereits im Jahr 1992 die Big Apple Greeter. Die Mission der Mitglieder: Gäste aus nah und fern zu empfangen und ihnen die besten Ecken der Metropole zu zeigen – und das ganz individuell. Dieser persönliche Charakter kommt auch in dem Begriff Greet (deutsch: Begrüßung) zum Ausdruck, mit dem eine solche Tour seither bezeichnet wird.
Auch die deutschen Greeter haben sich diese und weitere Prinzipien der Greeter-Bewegung zu eigen gemacht. Seit dem Frühsommer dürfen sie nun wieder Gästen „ihre“ Stadt zeigen. Dabei agieren sie als Ehrenamtliche, das Angebot ist generell kostenlos. Teilnehmer sollten keine professionelle Touristenführung mit historischen Daten und Jahreszahlen erwarten, sondern individuelle Geschichten und Einblicke in das alltägliche Leben. Schließlich wollen die Greets nicht zuletzt den kulturellen Austausch fördern. In der Regel dauern sie etwa zwei Stunden und werden zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln absolviert. Die Teilnahme empfiehlt sich zum Beispiel für Alleinreisende, Freunde, die zusammen unterwegs sind, Paare und Familien; allerdings ist die Gruppengröße auf sechs Personen beschränkt, um mit allen in Dialog treten zu können.
Selbst Greeter werden?
Wer Lust auf einen Greet hat, kann über die Website der Deutschland-Greeter eine Tour in der Stadt seines Interesses buchen. Hier finden sich auch Informationen für alle, die selbst als Greeter aktiv werden oder eine Greeter-Gruppe in ihrer eigenen Stadt gründen möchten.
Dr. Hans Peter Reiffert ist seit sechs Jahren Mitglied der Darmstadt-Greeter. Im Kurzinterview gibt er Einblick in seine ehrenamtliche Arbeit.
Herr Dr. Reiffert, wie sind Sie zur Greeter-Bewegung gekommen?
„Für einen Hamburg-Besuch blätterte ich 2015 über die ersten Google-Seiten mit den üblichen Stadtführungsangeboten hinaus und fand so die Hamburg-Greeter. Bei dem individuell abgesprochenen und persönlich zugeschnittenen Greet in der neuen Hafencity wurde mir klar, dass ein solches Greeter-Angebot auch zur ehemaligen Residenzstadt und heutigen Wissenschaftsstadt Darmstadt passen würde. Seitdem gehört die Suche, ob es am Zielort Greeter gibt, für mich zur Vorbereitung jeder Reise.“
Was reizt Sie daran, Gäste durch „Ihre“ Stadt zu führen?
„Wir sind in Darmstadt ungefähr zehn ehrenamtlich Aktive, die für individuelle Gruppen bis zu sechs Personen einen Spaziergang zum allgemeinen Überblick gestalten können, aber wir alle haben auch unsere Spezialgebiete. Diese Greets sind uns die liebsten, denn egal ob es um das ‚grüne‘, das ‚literarische‘‚ das ‚historische‘, das ‚künstlerische‘ oder das ‚wissenschaftliche‘ Darmstadt geht, mit den thematisch interessierten Gästen kommt man besonders intensiv ins Gespräch und lernt so nicht nur neue, in den allermeisten Fällen sehr nette Leute kennen, sondern erweitert auch den eigenen Horizont. Und das reizt mich.“
Gibt es ein Greet-Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
„Greet-Anfragen von der Website www.darmstadt-greeters.de laufen per Mail bei mir ein und ich schicke sie in der Gruppe weiter, damit sich Interessenten für den Greet melden können. Auf die Anfrage nach einem französischen Greet an einem Silvestermorgen gab es keine Rückmeldung. Ich bot an, den Greet gemeinsam mit meiner Französisch sprechenden Frau zu übernehmen. Am Treffpunkt fanden wir eine internationale Gruppe (Franzosen, Engländer, Spanier) vor, die zur Hochzeit eines französischen Studenten der TU nach Darmstadt gekommen war und am Abend Polterabend feiern wollte. Die Bräutigammutter hatte den Greet zur Beschäftigung ihrer Gäste organisiert. Es wurde ein kommunikationsintensiver Spaziergang bei sehr kaltem, aber trockenem Wetter, der auf Einladung der Mutter in einem Café mit alkoholischen Vorbereitungen auf den Polterabend fröhlich und erfolgreich endete.“
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