26.01.2024 Stefan Gruber

So wird der Skiurlaub günstig(er)

Wintersportler gehen in die Knie – in dieser Saison vor allem der Preise wegen. Das Krisen-Triple Corona, Krieg und knappe Energie hat die Kosten explodieren lassen. Wir stellen Möglichkeiten zum Sparen vor.


Der warme Oktober 2023 trieb den Wintersportlern die Schweißperlen auf die Stirn – nicht nur der Temperaturen wegen. Die angekündigten Preise für Skipässe brachten sie mächtig ins Schwitzen. Zwischen sieben und zwölf Prozent liegen sie über den Vorjahrestarifen, manche Gebiete gehen sogar noch deutlich darüber hinaus. Teuerstes Resort in Österreich ist im Winter 23/24 der Arlberg.

Das Tagesticket schlägt hier mit 75 Euro zu Buche. Ein sattes Plus von 15 Prozent ruft die Skiwelt Wilder Kaiser auf (69 Euro). Im weltgrößten Skiverbund, Dolomiti Superski, kostet die Tageskarte 80 Euro, in der Schweiz erklimmt Zermatt mit 100 Euro den Gipfel. Wird der Winterurlaub unbezahlbar?
 

Familien treffen die Preissteigerungen beim Skifahren besonders hart. Die Nutzung von Angeboten, Flexiblität und gute Planung können helfen, die Kosten trotzdem überschaubar zu halten. Foto: Andre Schönherr media

Ein Experte hat kürzlich ein düsteres Bild gemalt. „Skifahren wird nie wieder ein Massensport sein“, erklärte Giorgio Munari der italienischen Zeitung La Stampa. Der Geschäftsführer von Monterosa Ski – das Unternehmen betreibt Pisten im Aostatal und dem Piemont – sieht vor allem die großen Resorts unter Zugzwang. Hier sei die Preissteigerung am deutlichsten spürbar. Kleinere Gebiete dagegen hätten weniger Kosten für Betrieb und Wartung. Eben die haben sich seit dem Krieg in der Ukraine vervierfacht, rechnete er vor. Wo also bleiben dem Wintersportler noch Möglichkeiten, die anfallenden Ausgaben für den geliebten Ausflug in den Schnee zu reduzieren?

Kleine Gebiete werden interessant

Wer sich von der Formel „Mehr Pistenkilometer = mehr Spaß“ verabschiedet, kann viel Geld sparen. Klar, die fünf Abfahrtskilometer in Mitterdorf im Bayerischen Wald sind nun nicht wirklich vergleichbar mit dem Arlberg (302 km). Dafür werden pro Tag aber auch „nur“ 33 Euro fällig. Am Großen Arber (11,5 km) sind es 39 Euro, am Feldberg im Schwarzwald (30 km) kostet das Ticket 42 Euro. Und wie wäre es mal mit Tschechien? Keilberg (Klínovec), das größte Pistenareal im Erzgebirge, ist etwa für Sportler aus Ostdeutschland schneller erreicht als eine Alpendestination. 31,5 Abfahrtskilometer stehen zur Verfügung, der Tag kostet 44 Euro. Auch kleinere Resorts in den Alpen können eine Spar-Alternative sein. Der Skitag in Hinterstoder (40 km) ist für 55 Euro zu haben, in der Almwelt Lofer (46 km) sind es 45 Euro.

Muss es immer ein ganzer Tag sein?

Der Preisschock kommt spätestens an der Liftkasse: Der oft genutzte Sechs-Tages-Pass für eine vierköpfige Familie bringt die Kreditkarte zum Glühen. Im Hochzillertal, wo Kinder schon überdurchschnittlich günstig unterwegs sind, zahlen Mama, Papa und zwei Kids (bis sechs Jahre) schlappe 1.011 Euro. Dabei werden die Tickets oft gar nicht ausgenutzt. Mal ist das Wetter nicht optimal, mal will man ausschlafen, mal verspricht ein Ausflug in die Loipe oder auf die Rodelbahn Abwechslung. Wer den Liftpass nach seinem Tagesprogramm wählt (dann aber den ständig neuen Weg zur Liftkasse in Kauf nimmt), kann sparen. Viele Bergbahnen bieten nicht nur Vormittags- und Nachmittagskarten an, sondern auch Zeittickets (zwei bis fünf Stunden) wie im Hallenbad.

Angebote der Skigebiete nutzen

Ein genauer Blick auf die Preislisten verrät: Angebote sind durchaus zu finden. Die Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal zum Beispiel locken mit fünf Prozent Ermäßigung für alle Mitglieder im MyMountainClub. Die Registrierung ist kostenlos. Senioren erhalten nicht selten vergünstigte Tickets (etwa Dachstein West, Sulden, Großer Arber), Ski amadé schenkt ihnen in der Zeit von Saisonbeginn bis 23. Dezember sowie vom 29. März bis 7. April sogar einen Sechs-Tages-Skipass – bei Übernachtung vor Ort. Im Stubaital fahren Kinder bis zehn Jahre in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen kostenlos. „Dieses Angebot gilt bei uns während der gesamten Saison, und zwar schon ab dem Tagespass“, erklärt Reinhard Klier, Vorstand der Stubaier Gletscherbahn. „Wir müssen etwas tun, um die Jugend auch in Zukunft für den Wintersport zu begeistern.“

Nicht immer sollte man sich aber vom weit verbreiteten Marketing-Sprech der Bergbahnen in die Irre leiten lassen. „Jugendliche bis 15 Jahre frei“ verkündet etwa die Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental vollmundig. Das Angebot gilt allerdings nur in der Vor- und Nachsaison, zudem muss ein Elternteil dafür einen Drei-Tages-Pass (!) ordern. Mit schulpflichtigen Kindern dürfte ein langes Skiwochenende aber meist kaum realisierbar sein.
 

Wenn Senioren in bestimmten Zeiträumen buchen, können sie in einigen Skigebieten ordentlich beim Liftpass sparen. Foto: Ski amadé

Frühzeitige Buchung der Skipässe

Ein zweischneidiges Schwert ist die frühzeitige Buchung der Skipässe. Das in Amerika weit verbreitete Modell findet auch in Europa zusehends Gefallen, vor allem bei Bergbahnen. Der Gast allerdings legt sich vorzeitig fest. Andererseits wird das Quartier für den Winterurlaub schon mal ein Jahr im Voraus gebucht, warum sollte man also nicht auch Vergünstigungen für den Skipass in Anspruch nehmen? Das lange Anstehen an der Kasse erspart man sich beim Online-Kauf zudem. Bis zu 33 Prozent Frühbucherbonus versprechen zum Beispiel die Bergbahnen Nauders, am Kaunertaler Gletscher sind es bis zu 30 Prozent. Die Preise werden tagesaktuell berechnet.
 

Frühbucherrabatte beim Online-Skipass-Kauf gewähren immer mehr Skigebiete. Bei den Bergbahnen Nauders sind es bis zu 33 Prozent. Foto: TVB Tiroler Oberland-Nauders/Rudi Wyhlidal

Das Prinzip des Dynamic Pricing, das von den Flugpreisen bekannt ist, wenden immer mehr Skigebiete an. Je nach Wetter, Saison, Wochentag, Nachfrage und Buchungszeitpunkt variieren die Preise, zum Beispiel im Ötztal sowie in Österreichs größtem Skiverbund Ski amadé. Hier kostet der Sechs-Tages-Pass in der Hochsaison 370,50 Euro. Online (rechtzeitig) vorab gebucht, ist er ab 315 Euro zu haben. Immerhin fünf Prozent Rabatt gewährt Dolomiti Superski, wenn der Skipass mindestens zwei Tage vorab online gebucht wird.
 

Der Tages-Skipass im weltgrößten Verbund Dolomiti Superski kostet im Januar 2024 stolze 80 Euro. Immerhin fünf Prozent Rabatt gibt es beim Online-Kauf vorab. Foto: wisthaler.com

Veränderte Wahl der Quartiere

Zugegeben: So ein morgendlicher Start aus einem Ski-in-Ski-out-Hotel hat schon was: Nach dem opulenten Frühstück werden die Schuhe im warmen Skikeller in aller Ruhe angezogen, ein paar Schritte weiter wartet der Lift. Dieser Komfort war schon immer etwas teurer, mittlerweile sprengt er aber schnell mal das Budget. Unter 150 Euro pro Tag und Person findet sich in einem 4-Sterne-Hotel etwa in Obertauern in der Hochsaison kaum ein Bett, 200 Euro aufwärts sind keine Seltenheit.

Da kann man schon mal über – günstigere – Alternativen nachdenken. Auch in 2- und 3-Sterne-Häusern kann der müde Skifahrer seine strapazierten Waden zur Ruhe betten, die Wellness-Erholung nach dem Wedelspaß fällt dann halt etwas knapper aus (oder ganz weg). Auch Jugendherbergen, Alpenvereinshäuser oder Budget-Hotels kommen zum Sparen in Betracht. Die Explorer-Kette zum Beispiel betreibt mittlerweile zehn Sporthotels in den Alpen. Skipisten liegen immer in der Nähe – wenn auch nicht vor der Hoteltüre. Dafür kostet die Nacht (mit Frühstück) „nur“ rund 80 Euro. Auch hier werden die Preise tagesaktuell berechnet.

Wer kein Problem damit hat, frühmorgens 20 Minuten mit dem Auto zum Lift zu fahren, kann noch mehr sparen. Beispiel Arlberg: In St. Anton, Lech oder Warth findet sich ein Zimmer mit Frühstück auch in der einfachen Privatpension (Hochsaison) selten unter 50 Euro. Wenige Kilometer nördlich schmelzen die Preise wie der Schnee in der Frühjahrssonne. Im 24 Kilometer entfernten Elbigenalp im Lechtal ist ein 3-Sterner (mit Frühstück) für 64 Euro zu haben – sogar über Silvester (!).
 

Die Ski am Urlaubsort im Sportgeschäft auszuleihen, ist eine bequeme, aber nicht unbedingt sparsame Variante. Günstiger ist es, zu Hause gebrauchte Bretter bei einem Skibasar zu kaufen. Foto: Ski amadé

Kleidung und Ski gebraucht kaufen

Bleibt als letzter großer Kosten-Posten die Kleidung, eventuell auch Ski und Schuhe. Wer in Cortina d’Ampezzo über den Corso Italia flaniert, will vermutlich im neuesten Outfit einer Edelmarke glänzen. Es geht aber auch preiswerter – für Erwachsene wie Kinder. Internetbörsen wie Vinted (ehemals Kleiderkreisel), Kleinanzeigen oder „Will haben“ (Österreich) sind voll von feschen Klamotten, die ihren Zweck auf der Piste allemal erfüllen. Ähnliches gilt für Ski – wobei der Online-Gebrauchtkauf hier eher mit Vorsicht zu genießen ist. Der Skibasar eines örtlichen Skiclubs könnte die sicherere Wahl sein. Experten werfen hier vor dem Verkauf meist einen fachkundigen Blick auf die Ware. Aber mittlerweile greifen eh immer mehr Wintersportler zur Mietvariante. Ab etwa 100 Euro sind die flotten Bretter für eine Woche zu haben.

Alle Preise: Stand 22. Januar 2024

Titelfoto: Andre Schönherr media


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