Wildwechsel im Herbst: Warum Autofahrer in der Dämmerung besonders aufmerksam sein sollten
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Wildwechsel gehört zu den alltäglichen Risiken im Straßenverkehr. Besonders in den Herbstmonaten sollten Autofahrer jedoch verstärkt mit Reh, Hirsch und Wildschwein auf der Fahrbahn rechnen. In der Dämmerung sind viele Wildtiere auf Nahrungssuche. Zudem fällt die Paarungszeit verschiedener Arten, darunter Rot- und Damwild, in die Monate September bis November.
Für Autofahrer bedeutet das: Vor allem in den frühen Morgen- und Abendstunden ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Das Unfallrisiko ist insbesondere außerorts auf Land-, Kreis- und Bundesstraßen erhöht – etwa an Feld- und Waldrändern sowie innerhalb von Waldgebieten. Taucht plötzlich ein Tier im Scheinwerferlicht auf, ist die richtige Reaktion entscheidend.
Herbst und Dämmerung:
Besonders aufmerksam bei Wildwechsel
Im Herbst treffen mehrere Faktoren aufeinander: Die Tage werden kürzer, sodass Berufs- und Pendlerverkehr häufiger in die Dämmerung fällt. Gleichzeitig sind viele Wildtiere zu diesen Zeiten aktiv. Sie verlassen ihre Rückzugsgebiete zur Nahrungssuche und überqueren dabei auch Straßen.
Bei verschiedenen Wildarten kommt im Herbst zusätzlich die Paarungszeit hinzu. Rot- und Damwild beispielsweise sind von September bis November in der Brunft. Dadurch können sich Tiere anders als gewohnt bewegen und Straßen häufiger queren.
Autofahrer sollten deshalb insbesondere auf Strecken durch Wald- und Feldgebiete jederzeit mit Wild rechnen. Wo ein Tier auftaucht, können weitere folgen. Auch wenn zunächst nur ein einzelnes Reh oder Wildschwein zu sehen ist, sollte die Geschwindigkeit reduziert und bremsbereit weitergefahren werden.
Verhalten nach dem Wildunfall
- Unfallstelle sichern
- Polizei/Rettungsdienst informieren
- Tier nicht berühren
- Unfallort und Fahrzeug fotografieren
- Wildunfallbescheinigung von Polizei, Jagdpächter oder Förster ausstellen lassen
- Vor Beseitigung der Wildspuren Kfz-Versicherer kontaktieren
Wildunfall: Warum Ausweichen gefährlich werden kann
Taucht ein Tier plötzlich vor dem Fahrzeug auf, reagieren viele Autofahrer reflexartig und versuchen auszuweichen. Das kann jedoch zu einem Kontrollverlust führen. Untersuchungen der Björn-Steiger-Stiftung zeigen, dass Ausweichmanöver häufig im Straßengraben, an einem Baum oder an einer Böschung enden.
Wie schwer die Folgen ausfallen, hängt dabei auch von der Umgebung der Straße ab. Im freien Gelände, beispielsweise auf einem Feld, kann ein Ausweichmanöver ohne Überschlag vergleichsweise glimpflich enden. Deutlich gefährlicher ist es, wenn das Fahrzeug seitlich gegen einen Baum prallt oder über eine Böschung geschleudert wird. In solchen Fällen können die Unfallfolgen erheblich schwerer ausfallen und im schlimmsten Fall tödlich sein.
Bei Wild auf der Fahrbahn: Bremsen statt ausweichen
Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Björn-Steiger-Stiftung, empfiehlt deshalb, bei Wild auf der Fahrbahn möglichst stark zu bremsen und die Spur zu halten. „Jede moderne Fahrzeugkarosserie hält einen Frontalaufprall mit einem Reh oder einem Hirsch ohne weiteres aus. Gurt und Airbag verhindern schwere Verletzungen“, erklärt Brockmann. Der Ausweichreflex sei aber beim Menschen tief verankert und lasse sich nur durch gezieltes Fahrsicherheitstraining reduzieren.
Für die Verkehrssicherheit lautet die Empfehlung daher: Vollbremsung, Spur halten und nicht ausweichen.
Wichtig zu wissen:
ARCD-Clubhilfe bei Tierschaden
- ARCD-Mitglieder erhalten in den ersten drei Mitgliedsjahren bis zu 100 Euro Erstattung ihrer tatsächlichen Reparaturkosten
- Ab dem 4. Jahr bis zu 300 Euro
- Nach Abzug eventueller Versicherungsleistungen übernimmt der ARCD bis zu 50 Prozent der verbleibenden Schadensumme
Crashtest:
Ausweichmanöver bei 80 km/h kann zum Überschlag führen
Welche Folgen ein Ausweichmanöver haben kann, hat die Björn-Steiger-Stiftung in einem Crashtest untersucht. Dabei wurde ein Pkw mit 80 km/h nach einem Ausweichmanöver in einen Straßengraben gelenkt. Die Folge: Das Fahrzeug verhakte sich im Graben und überschlug sich. Für die Insassen hätte die Gefahr schwerer Verletzungen – darunter Wirbelsäulenverletzungen, Knochenbrüche und innere Organschäden – bestanden.
Der Crashtest verdeutlicht, dass nicht nur die Kollision mit einem Wildtier ein Unfallrisiko darstellt. Auch ein Ausweichmanöver kann an Straßen mit Gräben, Böschungen oder Bäumen schwere Folgen haben.
Angepasste Geschwindigkeit kann Unfallfolgen reduzieren
Neben dem Verhalten bei einem unmittelbar auftauchenden Tier spielt die Geschwindigkeit eine wichtige Rolle für die Schwere eines Wildunfalls. „Ein Wildunfall läuft bei 80 oder 90 km/h anders ab als mit 120“, erklärt Brockmann.
Nach Angaben der Björn-Steiger-Stiftung zeigen Auswertungen von Unfalldaten, dass Autofahrer teilweise schneller fahren, als es die jeweilige Verkehrssituation erlaubt. Manchmal wird dabei auch das geltende Tempolimit überschritten. Wildwechsel-Warnschilder und Geschwindigkeitsbegrenzungen können zwar auf eine erhöhte Gefahr hinweisen. Entscheidend ist jedoch, dass Autofahrer ihre Geschwindigkeit tatsächlich an die Sicht- und Straßenverhältnisse anpassen.
Gerade bei Dunkelheit und Dämmerung bedeutet das: Tempo reduzieren, aufmerksam fahren und jederzeit bremsbereit sein.
Im Herbst bei Dämmerung mit Wildwechsel rechnen
Wer das Risiko eines Wildunfalls reduzieren möchte, sollte insbesondere im Herbst und in der Dämmerung aufmerksam fahren. Auf Straßen durch Wald- und Feldgebiete ist jederzeit mit plötzlich auftauchendem Wild zu rechnen.
Entscheidend für die Verkehrssicherheit sind eine angepasste Geschwindigkeit und ausreichende Aufmerksamkeit. Taucht ein Tier unvermittelt auf der Fahrbahn auf, gilt nach den Empfehlungen der Unfallforschung: bremsen, Spur halten und nicht ausweichen.
So lässt sich insbesondere das Risiko vermeiden, durch ein Ausweichmanöver die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren und an einem Baum, einer Böschung oder in einem Straßengraben zu verunfallen.
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