Mobilität mit grünem Gewissen – Wie kommen wir möglichst umweltfreundlich ans Urlaubsziel?

Die Fernzüge der DB sind bereits fast ausschließlich mit Strom unterwegs. Die Quellen sind zu 100 Prozent ökologisch. Fotomontage: stock.adobe.com/© Alx, Deutsche Bahn AG/Volker Emersleben

Im vierten Teil unserer Serie über Nachhaltigkeit im Tourismus geht es um einen Bereich, der untrennbar mit dem Reisen ­verknüpft ist: die Mobilität.

Wer den Urlaub nicht unmittelbar vor der eigenen Haustür – etwa als Wanderer oder Radfahrer – beginnt, wird zwangsläufig Transportformen nutzen, welche die Umwelt unterschiedlich stark belasten. Das Umweltbundesamt (UBA) zeigt in einem aktuellen Vergleich exemplarisch, welche Treibhausgas-Emissionen die wichtigsten Verkehrsmittel des Personenverkehrs in Deutschland durchschnittlich erzeugen (siehe Grafik). Der CO2-Ausstoß wird dabei in Gramm pro Personenkilometer (g/Pkm) angegeben.
Hier sticht der Pkw gleich hinter dem Flugzeug mit den höchsten Werten hervor (154 g/Pkm) – eine wenig erfreuliche Bilanz, zumal die Autoanreise in Zeiten von Corona von vielen Urlaubern wieder bevorzugt wird. Und ein klarer Hinweis darauf, dass alternative Antriebe einen noch viel zu geringen Anteil an der deutschen Pkw-Flotte haben. Da wir in Auto&Reise jedoch fortlaufend über entsprechende Modelle und Entwicklungen berichten, soll der ­Fokus in diesem Beitrag auf Bahn, Bus und Flugzeug liegen.

 

Grafik: ARCD

Bahn: Zug um Zug grüner

Mit einem CO2-Ausstoß von 29 g/Pkm schneidet der Eisenbahnfernverkehr bei der Klimafreundlichkeit mit am besten ab. Während im Schienennahverkehr laut Bundesverkehrsministerium (BMVI) Dieselantriebe noch weit verbreitet sind und nur knapp zwei Drittel aller Zugkilometer elektrisch zurückgelegt werden, sind es auf der Langstrecke fast 100 Prozent. Und: Der Strom für den Fernverkehr kommt seit 2018 komplett aus ökologischen Quellen.
Bis 2038, so die DB, soll der gesamte Bahnstrom zu 100 Prozent grün sein. Um fossile Energieträger schrittweise zu ersetzen, baut das Unternehmen auf neue ­Kooperationen. Aktuelle Beispiele: ein Zehnjahresvertrag ab 2023 mit dem staatlichen norwegischen Energieunternehmen Statkraft über jährlich fast 190 Gigawattstunden Ökostrom aus dem ­Wasserkraftwerk Mågeli in Südnorwegen. Ebenfalls ab 2023 und mit einer Laufzeit von zehn Jahren kommen jährlich mehr als 90 Gigawattstunden Wasserkraft aus dem Schwarzwald sowie 2022 und 2023 rund 40 Gigawattstunden Ökostrom pro Jahr aus dem Windpark in Hohen Pritz in Mecklenburg-Vorpommern.
Für Reisende, die auch am Urlaubsort umweltfreundlich mobil sein wollen, sind die E-Carsharing-Dienste und das Fahrradleihsystem „Call a Bike“ der DB interessant.

Der E-Carsharing-Dienst Flinkster ermöglicht es Bahnreisenden, auch am Urlaubsort umweltfreundlich unterwegs zu sein. Foto: Deutsche Bahn AG/Timo Volz

Busse: effektiv, aber diesellastig

Linienfernbusse (29 g/Pkm) und sonstige Reisebusse (36 g/Pkm) schlagen sich bei der personenbezogenen Treibhausgas-Bilanz ebenfalls vergleichsweise gut. Der Bundesverband Deutscher ­Omnibusunternehmer (BDO) rechnet auf seiner Website vor, dass der „Flottenverbrauch eines Reisebusses oder Fernbusses bei einer realistischen Auslastung von 60 Prozent (…) bei nur 1,4 Liter ­Diesel pro 100 Kilometer und Fahrgast“ liegt.
Aus diesem Zitat wird aber auch deutlich: Busse sind auf der Langstrecke bislang fast ausschließlich mit Dieselantrieb unterwegs. Flächendeckende Innovationen sind aus der coronagebeutelten Branche wohl vorerst nicht zu erwarten. Es bleibt bei Leuchtturmprojekten, die vor allem von Flixbus betrieben werden. So setzt der Branchenführer seit Juli 2021 zwischen Amsterdam und Brüssel sowie Stockholm und Oslo erstmals Busse mit Biogas-Antrieb ein. Bereits 2018 wurden Pilotprojekte mit vollelektrischen Fahrzeugen in Deutschland, Frankreich und den USA gestartet. Ein Wasserstoff-Fernbus ist bei Flixbus ebenfalls in Planung.

Flixbus setzt aktuell auf zwei Strecken Biogas-Busse ein. Auch Strom- und Wasserstoff sind bei dem Branchenführer ein Thema. Foto: Ivecobus

Airlines: verzögerter Abflug

„Fliegen ist die umweltschädlichste Art, sich fortzubewegen“, so Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes bis Ende 2019. Mit 214 g/Pkm produziert der Flugzeugverkehr im ­Inland den höchsten CO2-Ausstoß unter den Verkehrsmitteln.
Krautzbergers Zitat stammt von einem Kongress im November 2019, bei dem das UBA mit einem Kreis von Experten ein Konzept für einen umweltfreundlicheren Luftverkehr entwickelte. Zu den wesentlichen Forderungen gehörten die Verlagerung von innerdeutschen Flügen auf die Schiene und die Förderung von klimaneutralen Kraftstoffen.
Fast zwei Jahre später fällt die Bilanz eher ernüchternd aus. So verweist etwa die Lufthansa zwar auf kontinuierliche Investitionen in moderne und besonders treibstoffeffiziente Flugzeuge, zum Beispiel den Airbus 320neo. Auch den Ausbau des intermodalen Transports treibt die Airline voran und stellte zuletzt im Juni 2021 den Kurzstreckenflug Nürnberg-München ein. Bei der Erzeugung nachhaltiger Flugkraftstoffe (sogenannte Sustainable Aviation
Fuels, SAF) liegt ihr Fokus auf Kerosin auf Basis von Reststoffen, holzartiger Biomasse und erneuerbarer elektrischer Energie (Power-to-Liquid, PtL). Im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen reduziert heutiges SAF die CO2-Emissionen um bis zu 80 Prozent. Doch die Lufthansa bremst die Erwartung auf einen baldigen Einsatz mit dem Verweis auf fehlende Grundvoraussetzungen. „Dazu ­zählen vor allem eine gesicherte Qualitätsspezifikation, Nachhaltigkeit in der Produktion und den Versorgungswegen und natürlich Wirtschaftlichkeit“, so das Unternehmen.
Umweltbewussten Urlaubern bleibt also bis auf Weiteres nur der Weg der CO2-Kompensation, die Nutzung der Schiene als Alter­native – und die Devise, möglichst selten zu fliegen.

Mit besonders treibstoffeffizienten Flugzeugen wie dem Airbus 320neo will die Lufthansa ihre CO2-Bilanz verbessern. Foto: Oliver Roesler
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