Erfahrungen von E-Campern: Von Pionieren, Fahrkomfort und Ladeweile

Elektrisch im Fährhafen: Der Tesla Model X von Familie Vogel mit Wohnanhänger auf dem Weg nach Korsika. Foto: Cécile Vogel

Drei Familien erzählen von ihren Erfahrungen mit E-Auto und Wohnwagen am Haken.

Routiniert mit Tesla Model X: Der Weg ist das Ziel

Es ist eine stattliche Strecke – 18000 Kilometer haben René und Cécile Vogel aus Seuzach bei Winterthur in der Schweiz schon elektrisch mit Wohnwagen am Haken innerhalb Europas zurückgelegt. Ausschlaggebend war bei der fünfköpfigen Familie die Installation einer Solaranlage 2013. „Als wir gesehen haben, wie viel Energie die Sonne jährlich liefert, war der nächste Schritt das Elektroauto“, erzählt René Vogel über den Einstieg in die Elektromobilität zwei Jahre später. Und seine Frau fügt hinzu: „Wir möchten unseren Kindern eine saubere Umwelt hinterlassen und dazu gehört für uns auch die Nutzung eigener Sonnenenergie.“ 2017 zog die Familie zunächst mit Zelt in der Dachbox nach Korsika zum Campen los, mit Umstieg auf das Model X von Tesla im folgenden September dann auch mit dem Wohnwagen (Adria Adora 573). „Als klar war, dass unser Model X eine Anhängerkupplung und auch die Power zum Ziehen hat, war uns sofort klar, dass wir vom Zelt auf einen Wohnwagen wechseln. Wir hatten nie Zweifel und mussten nur zusätzliche Spiegel kaufen, ansonsten war alles dabei“, sagt Cécile Vogel. Für die Vogels ist das Model X aufgrund des Platzangebots die perfekte Familienkutsche, denn sie bringen sogar drei Kindersitze nebeneinander auf die Rückbank. „Wir fühlen uns als Camper auch der Natur verpflichtet, alles sauber halten und auch nicht mit Abgasen vergiften, ist uns wichtig. Wir sind leise und da wir selbst an einer Hauptstraße wohnen, schätzen wir das sehr“, fügt sie hinzu.

Reichweite halbiert
Den beladenen 7,7 Meter langen Wohnwagen mit 1800 Kilo packt das Fahrzeug gut, wobei sich René Vogel sicher ist, dass es eher auf die aerodynamische Form als auf das Gewicht ankommt. „Natürlich hat sich mit der Anhängelast die Reichweite fast halbiert auf knapp 300 Kilometer, meistens machen wir jedoch Strecken um die 200 Kilometer. Der Verbrauch mit Wohnwagen liegt hier bei rund 33 kWh/100 Kilometer“, erzählt der Leiter Informatik am Landesmuseum in Zürich, dem Nationalmuseum der Schweiz. Die Ladestopps von 20 bis 40 Minuten Dauer, welche die Vogels meist an den Tesla-eigenen Ladestationen einlegen, passten zum Reiseverhalten der Familie, denn für die drei Kinder seien ohnehin regelmäßige Pausen nötig. Die erforderlichen Stopps plane der Bordcomputer des Autos ein. „Wir verändern es nur dahingehend, dass wir die Strecke bis zum Laden herabsetzen und selber noch nachrechnen, wo wir am besten nachladen“, erzählt Cécile Vogel. Zur Mittagszeit sei das oft ein Ladepunkt an einem Restaurant. Längere Trips plane die Familie vorab mit Websites wie www.abetterrouteplanner.
com. „Je leerer die Batterie, umso größer die Ladeleistung, wobei wir uns meistens im Bereich zwischen 15 und 80 Prozent bewegen“, sagt René Vogel.

„Bei uns brauchen die Kinder genauso viele Stopps wie das Auto. Die Reichweite genügt uns vollauf“, sagen René und Cécile Vogel mit ihren Kindern Nik, Lio und Noé aus Seuzach bei Winterthur in der Schweiz. Foto: Familie Vogel

Laden in Schweden
Positiv überrascht von einer Vielzahl an Ladestationen war die Familie 2019 bei ihrer siebenwöchigen Rundreise durch Schweden. Einkaufszentren mit 70 Ladepunkten seien keine Seltenheit gewesen.
Schwieriger gestaltete sich das Laden in Italien: In Varazze sei die Ladestation 2021 auf dem Dach einer Parkgarage noch mit Höhenbeschränkung eingerichtet gewesen. Deshalb mussten die Vogels im Yachthafen den Wohnwagen abkoppeln. Während einer das E-Auto lud, vertrieb sich der Rest der Familie im Yachthafen die „Ladeweile“ und genoss ein schnelles Eis. „Aber wir mussten uns schon mit Händen und wenigen Brocken Italienisch erklären, dass wir nicht vorhaben, hier zu übernachten“, erzählt Cécile Vogel. Das tun sie lieber auf Campingplätzen, bevorzugt mit Lademöglichkeit. Jedoch treffen sie immer wieder auf Betreiber, die der Meinung sind, sie würden beim Laden das Stromnetz zum Absturz bringen. Häufig erregt die Schweizer Familie mit ihrem Gespann Aufsehen und genießt die netten Gespräche. Zeigen zu können, dass es funktioniert, mit E-Auto und Wohnwagen zu verreisen, finden sie gut. Und so sind sie glücklich mit ihrer Urlaubsform. „Wir möchten es nicht anders haben“, sind sie sich einig.

Begeistert mit Audi E-tron Quattro 55: Eine Art Pionier sein

Die begeisterten Erzählungen zum elektrischen Fahren von seinem Bruder, der ein Tesla Model S besitzt, machten Michiel van Dijk neugierig. 2019 war die Auswahl an E-Autos, die seinen 1800-Kilo-Wohnanhänger ziehen dürfen, jedoch noch nicht so groß. Verunsichert von unterschiedlichen Erfahrungsberichten, lieh er sich beim Händler einen Audi E-tron, um ihn mit seinem Wohnanhänger (Hobby Premium 540UFE) auf die Probe zu stellen. Schnell war für den Niederländer klar: „Im Moment ist das beste Zugfahrzeug ein Elektroauto. Das liegt am schweren Gewicht des Autos und am Drehmoment. Es ist auch sehr leise und es gibt keine Schaltmomente“, sagt er. Zudem seien die richtige Einstellung und eine soziale Verantwortung nötig, die er als Großhändler für industrielle Versandverpackungen besitze: „Es passt zu unserer Vision, nachhaltig mit unserem Planeten umzugehen.“
Er genieße es, eine Art Pionier zu sein. „Es macht Spaß, mit dieser großen schweren Kombination lautlos auf einen Campingplatz zu fahren“, erzählt Michiel van Dijk. Und es gebe immer genügend Gesprächsstoff. Zwar schafften es die Van Dijks wegen der Covid-19-Pandemie elektrisch noch nicht bis Italien oder Südfrankreich, wo sie vorher gerne die Sommerferien verbrachten, doch machten sie mit ihrem E-Camping-Gespann mehrmals Urlaub in den Benelux-Ländern.

Etwa alle zwei Stunden lädt Michiel van Dijk für 20 Minuten seinen Audi E-Tron Quattro 55 auf, wenn der Hobby Premium 540UFE dranhängt. Am liebsten an solchen Durchfahrladestationen ohne abkuppeln zu müssen. Foto: Van Dijk

Das Spiegelproblem
Die Fahrassistenten funktionierten während der Urlaubsfahrten auch mit dem Wohnwagen dahinter bestens. „Ich neige dazu, den Spurhalteassistenten auszuschalten. Denn unerwartete Lenkbewegungen des Autos harmonieren nicht mit dem Caravan dahinter“, erzählt er. Fragen hätten die virtuellen Außenspiegel des Audi aufgeworfen. Mit diesen sehe er genauso viel wie mit den sonst üblichen Wohnwagen-Aufbauspiegeln. Aber ob die Polizei gleicher Meinung ist? Mittlerweile hat er eine Lösung gefunden: universelle Spiegel aus den 80ern, die er zur Sicherheit an den vorderen Kotflügeln anbringt.

Planung per App
Bei der Planung verlasse er sich auf die Routenplaner-App
„A Better Routeplanner“, die auch Wetter und Verkehr berücksichtigt, und die Fahrzeugdatenanalyse-App „Tronity“ mit den aktuellen Verbrauchsdaten. Und natürlich auf die Verfügbarkeit der Schnellladestationen. Diese hätten sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren explosionsartig vermehrt. „Der Nachteil ist, dass die meisten davon nicht für Pkw mit Anhänger ausgerüstet sind“, beobachtet van Dijk. „In den Niederlanden klappt es bei FastNed oft, mit dem Wohnwagen dahinter zu laden. Auch bei einer beachtlichen Anzahl an Shell-Ladepunkten kann der Wohnwagen angehängt bleiben.“ Den Wohnanhänger abkoppeln beim Laden müsse man dagegen meist bei Ionity, Allegro und Tesla. Schwierig werde es, wenn eingeplante Schnellladestationen nicht funktionieren. Neulingen rät er deshalb: „Planen Sie immer genug Spielraum ein, damit Sie noch Aktionsradius für eine weitere Option haben.“ Eine Ladestation am Campingplatz sei wünschenswert. „Ich habe schon mehrmals nach einem extra Stromanschluss gefragt. Eine für den Wohnwagen und eine für das Auto. Das lädt natürlich nicht so schnell wie ein 11- oder 22-kW-Heimlader, aber immer noch genug, um am nächsten Tag zum Schnelllader oder Supermarkt zu fahren“, berichtet er.

„Die Gewichtsdifferenz zwischen PKW und Caravan ist im Vergleich zu Kombinationen mit Verbrennungsmotor viel größer. Das Auto ist zu Recht der Boss und der Wohnwagen folgt, denn das Auto ist viel schwerer als der Wohnwagen. Der Fahrkomfort ist daher perfekt und jedem zu empfehlen“, sagen Joyce und Michiel van Dijk mit ihren Teenagern Veerle, Alex und Cas aus Hilvarenbeek bei Tilburg in den Niederlanden. Foto: van Dijk

Weite Reise gen Meer
Im Sommer steht nun endlich die erste weite Fahrt für die
E-Camping-Familie in die rund 1100 Kilometer entfernte Bretagne in Frankreich an. Acht bis neun Haltepunkte hat Michiel van Dijk fürs Laden schon eingeplant. „Lieber öfter auf 80 Prozent aufladen als seltener auf 100 Prozent“, hat er die Erfahrung gemacht, denn bis 80 Prozent erfolge das Laden mit 150 kW schneller als bei den verbleibenden 20 Prozent. Sein Auto kennt er mittlerweile auch im Zusammenspiel mit dem Wohnwagen sehr gut. Und so fühlt er sich bestens vorbereitet auf die lange Fahrt. Auch wenn die Reichweite des E-tron mit Wohnwagen von 300 km um rund 40 Prozent sinkt. „Das kann einen am Anfang ziemlich nervös machen“, sagt er. Sobald sich der Durchschnittsverbrauch auf den Gespannbetrieb eingepegelt habe, könne er sich wieder auf den Bordcomputer verlassen.

Erwartungsvoll mit Polestar 2: Nachhaltig Urlaub machen

Beruflich beschäftigte sich Marc Hüther, Geschäftsführer bei einem Fachverlag für Energiethemen, schon länger mit dem Thema E-Mobilität und fuhr bereits einige Elektroautos testweise. Mit dem Polestar 2 mit einem 78 kWh großen Akku und einer Leistung von 300 kW fand er im vergangenen Jahr dann ein Modell mittlerer Preisklasse, das dank größerer Anhängelast von 1500 kg auch als Zugfahrzeug in Frage kommt. Und so bestellte er den Neuwagen mit ausklappbarer Anhängekupplung, um damit auch seinen Wohnwagen, einen Eriba Touring Triton 430 mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 1300 Kilo, zu ziehen. „Zum einen wollen wir schon gerne so nachhaltig wie es geht Urlaub machen, also in der Regel lieber mit dem Auto und Wohnwagen als mit dem Flugzeug. Zum anderen sind wir auch neugierig und wollten das gerne ausprobieren“, erzählt er von seinen Beweggründen.

Zeit und Urlaub hatten in der letzten Saison nur für eine Wochenendtour ins 150 Kilometer entfernte Mendig in der Eifel mit dem Polestar 2 und Wohnwagen ausgereicht und so probierten die Hüthers das Electric Camping erst einmal auf einer kürzeren Distanz aus. Gerade in der Stadt beobachtete Marc Hüther einen sehr hohen Verbrauch mit Wohnwagen am Haken, auf der Autobahn ging dieser dann aber zurück. Insgesamt kamen die Camper auf 26 kWh/100 km. Zum Vergleich erzählt Marc Hüther: „Wir haben im Sommer bei warmen Temperaturen ohne Wohnwagen und einer moderaten Fahrweise schon einen Verbrauch von weniger als 20 kWh/100 km geschafft, damit kommt man mit dem Polestar fast 400 Kilometer weit.“

Um Erfahrung zu sammeln, zog Marc Hüther den Eriba Touring Triton 430 zur Werkstatt und zum Unterstellplatz mit dem Polestar 2. Foto: Katja Hüther

Komplexe Vorbereitung
Als entspannt bezeichnet er das Fahren mit dem Elektroauto, auch wenn Camper Reisegeschwindigkeiten um die 100 km/h ohnehin gewohnt seien. Ein paar Assistenzsysteme des Polestar 2 wie der Totwinkelassistent funktionierten mit Wohnwagen nicht. Und Marc Hüther beobachtete: „Man beschäftigt sich automatisch etwas mehr mit dem aktuellen Verbrauch, Ladestand und Reichweite sind ja auch ständig im Display. Die Reichweite und die Planung sind auf jeden Fall immer ein Thema, da werden wir uns weiter vorsichtig rantasten und Reisezeiten großzügig planen.“
Für die Reise an den Lago Maggiore in der Schweiz im vergangenen Jahr hatten sie sich für das noch vorhandene Verbrenner-Familienauto, einen Touran, entschieden. „Sicherheitshalber“, wie er sagt, um wegen der Corona-Reisebestimmungen in einem Rutsch nach Hause zu kommen.
Das soll in diesem Jahr anders werden: Die Duisburger wollen die Reise noch einmal mit dem Polestar 2 unternehmen und jede Nacht auf einem anderen Campingplatz übernachten. „Es stellt uns schon vor Herausforderungen, das zu planen“, berichtet er. Drei verschiedene Ladekarten, die jeweils andere Tarife bei den Ladenetzwerken erlauben, besitzt er. „Man hantiert also bei der Planung immer mit mehreren Apps und Routenplanern“, erzählt Hüther. Mit der Planung steigt die Vorfreude. Und so sind die beiden in diesem Jahr neugierig auf weitere Erfahrungen bei ihren geplanten E-Camping-Reisen in die Schweiz, nach Marburg und Ostfriesland.

„Beim Camping ist man immer sehr mit derNatur verbunden und versucht alles im Einklang mit der Natur an Seen, am Meer oder inWäldern zu machen. Wenn man das mit einer emissionsarmen Fortbewegung verknüpfen kann, passt das einfach", sagen Katja und Marc Hüther mit Hund Luna aus Duisburg. Foto: Katja Hüther
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