Simbabwe: Im Tiergarten Afrikas
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Der Himmel ist wolkenverhangen, als wir im Lake Mutirikwi Recreational Park ankommen, einem Erholungs- und Safaripark im Südosten Simbabwes. Der 1960 gegründete Park entstand, nachdem eine Reihe von Flüssen zu einem riesigen künstlichen See aufgestaut worden waren: dem Lake Mutirikwi.
Er dient dazu, die Farmen im Lowveld, einem Tiefland im Süden Simbabwes, mit Wasser zu versorgen, berichtet Ranger Patridge Marimbe, der uns auf unserem Game Drive durch den Park begleitet. „Schon bevor der Park geschaffen wurde, gab es hier Kudus, Zebras und Impalas“, berichtet Marimbe, „aber auch Flusspferde und Krokodile.“ Andere Tiere wie Giraffen, Büffel oder Breitmaulnashörner wurden erst nach der Gründung des Parks hierhergebracht.
Auf dem Weg zum Seeufer verrät Marimbe spannende Details über die Giraffen, von denen es rund 20 im Park gibt. „Giraffen schlafen im Stehen – und sie gebären auch im Stehen. Ihre Zunge ist 45 bis 50 Zentimeter lang und ihr Herz ist elfmal so groß wie das eines Menschen. Es muss so groß sein, damit es das Gehirn trotz des langen Halses mit genügend Sauerstoff versorgen kann“, erklärt Marimbe.
„Giraffen schlafen im Stehen – und sie gebären auch im Stehen.“
Burchell-Zebras und Kaffernbüffel
Giraffen sehen wir an diesem Tag nicht, aber in einiger Entfernung taucht eine Gruppe Zebras auf. Wir halten an und fotografieren. Die Tiere, die etwa 80 Meter von uns entfernt sind, beäugen uns, grasen aber weiter.
„Das hier sind Burchell-Zebras, also Steppenzebras und keine Bergzebras“, weiß Patridge Marimbe. Während sich die Zebragruppe links von unserem Geländewagen befindet, sehen wir auf der rechten Seite eine Büffelherde. Etwa 100 Kaffernbüffel leben hier im Park. „Wir haben Glück“, betont der Ranger, „denn die Büffel sieht man nicht oft.“
Im Gegensatz zu den Zebras fühlen sie sich von uns schnell gestört und ergreifen die Flucht. Dadurch wird der Weg für uns frei, noch näher an den See heranzukommen. Dort sehen wir verschiedene Wasservögel, aber auch eine Nashornkuh, die zusammen mit ihrem Baby am Ufer auf Futtersuche ist.
Insgesamt leben rund 30 Breitmaulnashörner im Lake Mutirikwi Recreational Park. Normalerweise sind sie in kleinen Gruppen von fünf bis sieben Tieren unterwegs. Doch heute sehen wir nur das Mutter-Kind-Duo.
„Nashörner sind 16 Monate lang trächtig“, erläutert Marimbe. „Dieses Baby ist etwa einen Monat alt und wiegt 150 Kilogramm – als es auf die Welt kam, war es etwa 40 Kilogramm schwer. Seine Mutter hingegen wiegt rund zwei Tonnen“, präzisiert der Ranger.
Von der Rinderfarm zur Game Lodge
Der Lake Mutirikwi Recreational Park ist ein Tierschutz- und Erholungspark, der auch Übernachtungs- und Campingmöglichkeiten zu erschwinglichen Preisen bietet. Jagen und Fischen sind im Park streng verboten. Insgesamt 15 Ranger sind angestellt, um dies zu kontrollieren – und um den Besuchern die Tierwelt des Parks näherzubringen.
Im Chishakwe, einer privaten Safari-Ranch, die Teil des Savé Valley Conservancy ist, ist das anders. Dort wurde eine ehemalige Rinderfarm, die zu Spitzenzeiten 21.000 Tiere zählte, Anfang der 90er-Jahre in eine Game Lodge umgewandelt. „Der Auslöser für die Neuausrichtung war eine große Dürre im Jahr 1991, bei der die meisten Rinder starben“, berichtet Mark Jansen, ein junger Simbabwer, der die Besucher der Farm betreut, insbesondere Teilnehmer an Fotosafaris oder Jagdtouristen.
„Es ist umstritten, welches Land die größte Elefantenpopulation der Welt hat – Botswana oder Simbabwe. Denn die Tiere überqueren häufig die Grenze, sie schwimmen zum Beispiel durch den Sambesi“, erläutert Jansen. Insgesamt gibt es in Simbabwe etwa 100.000 Elefanten, bis zu 4.000 leben hier im Savé Valley Conservancy.
Baobab-Bäume und Felsmalereien
Es dauert nicht lange, bis wir bei unserem Game Drive auf die erste Gruppe Elefanten treffen. Die Tiere sind nur wenige Meter von uns entfernt auf der Suche nach grünen Blättern – doch ein Großteil der Bäume ist vertrocknet.
Während vor allem kleinere, dünnere Bäume durch Elefanten bedroht sind, sind die riesigen, jahrhundertealten Baobab-Bäume nicht gefährdet. Einer der größten und prächtigsten Affenbrotbäume, den Mark Jansen uns zeigt, ist nach seinen Angaben mindestens 1.800 Jahre alt. Ein weiterer Baobab-Baum ist hohl, sodass wir sogar hineinklettern können.
Auf dem Gelände der Safari Lodge finden sich darüber hinaus Höhlen mit Felsmalereien und eine Forschungsstation für Wildhunde. Ganz in der Nähe unserer Cottages grasen Warzenschweine – und der kleine Swimmingpool, über den die Lodge verfügt, wird in der Regenzeit jeden Morgen von den Rangern genau kontrolliert. Sie wollen sichergehen, dass sich kein Krokodil aus dem Fluss Savé dorthin verirrt hat.
Ruinenstadt mit Weltkulturerbe-Titel
Neben der Tierbeobachtung in Reservaten und Nationalparks verfügt Simbabwe auch über archäologische Sehenswürdigkeiten: Ein echtes Highlight ist die historische Ruinenstadt Great Zimbabwe. Sie geht zurück auf eine alte afrikanische Hochkultur, die ihre Blütezeit vom 11. bis zum 15. Jahrhundert hatte.
Die imposanten Ruinen bestehen aus Überresten einer Festung und einer Zeremonienstätte, die auf einem Hügel liegen, und aus weiteren Ruinen im Tal. Besonders beeindruckend ist das im Tal gelegene Great Enclosure, das von einer über 250 Meter langen Steinmauer umgeben ist.
Seit 1986 gehören die Ruinen von Great Zimbabwe zum UNESCO-Weltkulturerbe, doch überlaufen ist die Sehenswürdigkeit selten. Damit eignet sie sich bestens zur entschleunigten Abrundung des Besuchs der beiden Parks.
ARCD-Reiseservice Simbabwe
Anreise:
- Die meisten Umsteigeflüge nach Harare, Bulawayo oder Victoria Falls führen über Südafrika oder Äthiopien.
Einreise:
- Einreisevisa mit einer Gültigkeit von 30 Tagen werden an den internationalen Flughäfen sowie an den Landesgrenzen gegen Gebühr ausgestellt.
Unterkunft/Aktivitäten: :
- Aktivitäten im Chishakwe: www.chishakwesafaris.com
- Lake Mutirikwi Recreational Park: https://zimbabwetourism.net/portfolios/lake-mutirikwi-recreational-park
Reisezeit:
- Die Trockenzeit von Mai bis Oktober eignet sich besonders gut für Tierbeobachtungen.
Infos:
„Ich habe schnell gemerkt, dass Simbabwe auch kulturell viel zu bieten hat. Die Ruinen von Great Zimbabwe haben mich besonders beeindruckt.“
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