Urbane Mobilität: MCube-Projekt zeigt, wie zwei Münchner Quartiere fit für die Zukunft werden könnten
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Mit rund 56.000 und 69.000 Einwohnern sind Moosach und Schwabing-West so groß wie mittelgroße Städte – dabei sind beide nur Viertel in der bayerischen Landeshauptstadt. „Schwabing-West ist das am dichtesten besiedelte Quartier in München“, erklärt Oliver May-Beckmann, Geschäftsführer des Mobilitäts-Clusters MCube, das aus der TU München heraus geleitet wird.
Ideen mit Bürgerbeteiligung in Moosach und Schwabing-West
Was die beiden Quartiere gemeinsam haben: Sie sind alte Bestandsviertel, die für andere Herausforderungen gebaut worden sind als die heutigen. So stehen Moosach und Schwabing-West stellvertretend für viele Stadtteile, die sich den Veränderungen in Mobilität, Klima und der Lebensweise der Menschen anpassen müssen. „Die Mobilität hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert, aber die Städte in ihrer Grundstruktur nicht“, sagt Benedikt Boucsein, Professor für Urban Design an der TU München. Es gebe viel mehr Autos als vor 50 Jahren, viel mehr Menschen würden sich im Raum bewegen, aber die Straßen seien gleich breit geblieben. „Das heißt, wir haben einen viel größeren Mobilitätsdruck“, macht Boucsein deutlich. Seine Professur leitet das Projekt MOSAIQ, das als eines der großen Innovationsprojekte bei MCube angesiedelt ist und sich mit der Quartiersentwicklung beschäftigt. Beispielhaft in begrenzten Projektgebieten in den Stadtteilen Moosach und Schwabing-West.
„Wir haben einen viel größeren Mobilitätsdruck.“
Dort wurden die Bewohner in den vergangenen Monaten aufgefordert, sich zu beteiligen, Ideen einzubringen, Problemzonen aufzuzeigen, Wünsche zu äußern. Wie können die Viertel sich den Herausforderungen der Zukunft stellen, nicht nur die Mobilität betreffend, sondern auch das Klima? In Briefkästen konnten sie ihre Ideen einwerfen, an Info-Würfeln gab es jederzeit Input und Gespräche. In Workshops haben die Forschenden zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern diese Ideen weiterentwickelt zu durchführbaren Konzepten. Die Beteiligung der Bevölkerung sei dabei außergewöhnlich hoch gewesen, sagt May-Beckmann. „Das Spannende sind nicht die einzelnen Maßnahmen, sondern wo sie herkommen und wie sie umgesetzt werden“, erklärt er. Die wenigsten Menschen seien kommunal so aktiv, um Anträge zu stellen. Bei MOSAIQ aber hätten sie die Möglichkeit, ihre Umgebung unkompliziert mitzugestalten.
Sechs temporäre Projekte in den Quartieren
Eine Jury entschied schließlich, welche drei vielversprechenden Projekte jeweils in den beiden Quartieren nach Genehmigung temporär in diesem Sommer umgesetzt werden sollen. Dabei geht es um die Erweiterung von Gehwegen an einer Kreuzung, wo die Gemeinschaft sich mehr Begegnung wünscht, eine veränderte Fußwegquerung, eine Begegnungsoase oder modulare Grünelemente, die die Aufenthaltsqualität steigern sollen. „Das ist jetzt von den Maßnahmen her nichts, wo man sagen würde, das hat man noch nie gemacht“, sagt Boucsein. „Aber das ist für mich als Stadtplaner nicht verwunderlich, weil die meisten Sachen in unserer Disziplin gab es schon mal.“ Wichtig seien für ihn Treffpunkte in der Nachbarschaft, um die lokale Gemeinschaft zu stärken. „Ich glaube, das ist ein wichtiges Zukunftsthema.“
„Wir machen das nicht singulär für den urbanen Raum.“
Die Veränderungen in Moosach und Schwabing-West sollen keine Theorieübung bleiben. „Nur so kann man tatsächlich über das Thema Verhaltensveränderung, Mobilitätsveränderung, Quartiersveränderung einen Fortschritt schaffen und es wirklich erlebbar machen“, sagt May-Beckmann. Aus den Erkenntnissen der Praxisphase soll ein Leitfaden erstellt werden, der auf andere Stadtteile oder Städte angewandt werden kann. Die meisten Kommunen könnten so etwas nicht stemmen, hätten aber großes Interesse, etwas zu verändern. „Wir machen das nicht singulär für den urbanen Raum, sondern wir wollen ja Prozesse, Wege und Ideen entwickeln, die in größeren und kleineren Städten repliziert umgesetzt werden können“, erklärt er. Schon bei früheren Projekten hätte es viele Nachfragen von kleineren Städten gegeben. „Das ist absolut transferierbar.“
Stadtoasen als Begegnungsorte
Und wie sich Bürgerbeteiligung auswirken kann, zeigt ein vorangegangenes Projekt zur Quartiersentwicklung. In der Au hat sich nach der temporären Umsetzung eine Bürgerinitiative gegründet, die bewirkt hat, dauerhaft einen Begegnungsort, eine Stadtoase zu installieren. Vielleicht schaffen das auch die Bewohner von Moosach und Schwabing-West, um ihre Viertel fit für die Zukunft zu machen. Für eine bessere Mobilität, weniger Hitze-Orte, mehr Aufenthaltsqualität und Begegnung.
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