Ein schläfriger Mann gähnt hinter dem Lenkrad eines Autos.

Müdigkeit am Steuer: So lässt sich gefährlicher Sekundenschlaf verhindern

3 min

14.06.2024Thomas Schreiner

Aktualisiert am: 31.07.2026

Vor allem auf längeren Fahrten mit dem Auto, zum Beispiel auf der Reise in den Urlaub, kommt es auf die Fitness von Fahrerin oder Fahrer an. Wer sich bereits müde und erschöpft hinter das Steuer begibt, setzt nicht nur sich, sondern auch seine Mitfahrenden und andere Verkehrsteilnehmer einem unnötigen Risiko aus.
 

Ihr Browser unterstützt keine SVGs.

ARCD bei Google bevorzugen


Lange Autofahrten gehören für viele zum Urlaub dazu. Kilometer um Kilometer geht es über Autobahnen und Landstraßen, das Ziel rückt näher – und irgendwann werden die Augen schwer. Gerade dann ist Durchhalten keine gute Strategie. Denn Müdigkeit am Steuer kann sich schleichend entwickeln und unvermittelt in Sekundenschlaf übergehen. 

Das Problem: Den Moment, in dem der Körper tatsächlich einschläft, nehmen Autofahrer häufig gar nicht mehr bewusst wahr.

Sekundenschlaf: Wenige Augenblicke können reichen

Ein kurzer Moment ohne Kontrolle über das Fahrzeug kann schwerwiegende Folgen haben. Bei 130 km/h legt ein Auto bereits in drei Sekunden deutlich mehr als 100 Meter zurück. Wer in dieser Zeit ungewollt einschläft, fährt diese Strecke praktisch im Blindflug.

Das Tückische am Sekundenschlaf: Müdigkeit lässt sich zwar häufig wahrnehmen, das eigentliche Einschlafen aber nicht zuverlässig vorhersehen. Wer glaubt, den kritischen Moment noch rechtzeitig zu bemerken, wiegt sich deshalb in falscher Sicherheit.

Diese Warnzeichen sollten Autofahrer ernst nehmen

Der Körper sendet meist deutliche Signale, bevor die Konzentration nachlässt und der Sekundenschlaf droht. Solche Signale sind zum Beispiel:

  • häufiges Gähnen
  • schwere oder brennende Augen
  • häufiges Blinzeln
  • Schwierigkeiten, die Augen offen zu halten
  • Frösteln oder plötzliches Kältegefühl
  • Konzentrationsprobleme
  • Tunnelblick
  • Schwierigkeiten, die Spur sauber zu halten
  • fehlende Erinnerung an die vergangenen Kilometer

Wichtig: Wer bereits deutliche Müdigkeitsanzeichen bemerkt, sollte nicht darauf warten, dass ein guter Rastplatz „irgendwann“ kommt. Besser ist es, die nächste sichere Möglichkeit zum Anhalten anzusteuern.

 

Müdigkeit am Steuer: Was jetzt wirklich hilft

Pause machen und schlafen

Die wirksamste Maßnahme gegen akute Müdigkeit ist Schlaf. Wer beim Fahren müde wird, sollte deshalb möglichst bald einen geeigneten Rastplatz ansteuern.
Als Faustregel gilt: Nach etwa zwei Stunden Fahrzeit sollte eine Pause eingelegt werden. Bei längeren Reisen empfiehlt es sich, die Fahrt von Anfang an in überschaubare Etappen zu unterteilen.
Schon ein kurzer Schlaf von etwa 15 bis 20 Minuten kann helfen, frische Energie zu tanken. Anschließend bringen einige Minuten Bewegung an der frischen Luft den Kreislauf zusätzlich in Schwung. Eine schnelle Tankpause ist nicht ausreichend. Wer müde ist, braucht tatsächlich Zeit zur Erholung.

Kaffee kann helfen – aber Schlaf nicht ersetzen

Kaffee oder ein anderes koffeinhaltiges Getränk kann ergänzend eingesetzt werden. Allerdings setzt die Wirkung des Koffeins nicht unmittelbar ein. Deshalb ist es nicht sinnvoll, einen Espresso zu trinken und anschließend sofort weiterzufahren.
Sinnvoller ist es, einen Kaffee vor einem kurzen Schlaf zu trinken. Wenn die Fahrt danach fortgesetzt wird, setzt meist auch die anregende Wirkung des Koffeins ein. Kaffee ist allerdings kein Ersatz für ausreichenden Schlaf. Wer grundsätzlich übermüdet ist, sollte nicht versuchen, sich mit koffeinhaltigen Getränken über eine lange Strecke zu retten.

Frische Luft und Bewegung: 
gut für die Pause, nicht als Dauerlösung

Ein geöffnetes Fenster, kalte Luft oder lautere Musik können kurzfristig dafür sorgen, dass man sich etwas wacher fühlt. Echte Müdigkeit beseitigen diese Maßnahmen jedoch nicht.
Wer bereits gegen das Zufallen der Augen ankämpft und nur noch mit Musik oder Frischluft versucht, sich wachzuhalten, hat einen entscheidenden Punkt erreicht: Die Fahrt muss unterbrochen werden. Müdigkeit lässt sich nicht dauerhaft mit Willenskraft überwinden.

Ausgeschlafen starten statt Müdigkeit „wegfahren“

Die beste Strategie gegen Müdigkeit am Steuer beginnt bereits vor der Abfahrt. Wer nach einer kurzen Nacht, einem langen Arbeitstag oder einer anstrengenden Feier direkt ins Auto steigt, startet mit einem erhöhten Risiko.

Auch wenn man gerne den Staus im Reiseverkehr tagsüber entgehen möchte, gilt vor allem bei einer Urlaubsfahrt: Nicht um jeden Preis möglichst früh losfahren, sondern möglichst fit. Eine zusätzliche Stunde Schlaf ist für die Verkehrssicherheit wichtiger, als eine Stunde früher am Urlaubsort zu sein.

Lange Urlaubsfahrten besser in Etappen planen

Wer mehrere hundert oder gar mehr als tausend Kilometer bis zum Urlaubsziel zurücklegen muss, sollte nicht nur auf eine möglichst kurze Fahrzeit schauen. Regelmäßige Pausen gehören zur Reiseplanung. Eine Pause ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung. Bei besonders langen Strecken kann eine Zwischenübernachtung sinnvoll sein. Das vermeidet unnötigen Zeitdruck und macht die Anreise selbst zu einem Teil der Reise. 

Auch ein Fahrerwechsel kann die Belastung reduzieren. Allerdings sollte der Wechsel nicht erst erfolgen, wenn der erste Fahrer bereits stark übermüdet ist. Wer merkt, dass die Konzentration nachlässt, sollte möglichst frühzeitig reagieren.

Müdigkeit am Steuer ist kein Problem nur auf der Urlaubsfahrt

Das Thema Sekundenschlaf betrifft nicht nur lange Autobahnfahrten. Auch auf kurzen Strecken kann gefährlicher Sekundenschlaf auftreten – etwa nach einer kurzen Nacht, einem langen Arbeitstag oder bei Schichtarbeit.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat DVR weist darauf hin, dass Müdigkeit unter anderem durch Schlafmangel, Schlafstörungen, bestimmte Medikamente, lange Belastungen und monotone Fahrstrecken begünstigt werden kann. Auch Erkrankungen, die mit erhöhter Tagesschläfrigkeit einhergehen, können eine Rolle spielen.

Wer regelmäßig trotz ausreichender Schlafdauer ungewöhnlich müde ist oder während des Fahrens häufig gegen das Einschlafen ankämpfen muss, sollte die Ursache ärztlich abklären lassen.

Die wichtigsten Regeln gegen Sekundenschlaf

  • Ausgeschlafen starten: 
    Wer bereits müde ist, sollte die Abfahrt verschieben oder zunächst schlafen.
  • Nach etwa zwei Stunden Pause machen: 
    Regelmäßige Unterbrechungen helfen, Ermüdung gar nicht erst zu groß werden zu lassen.
  • Warnzeichen ernst nehmen: 
    Schwere Augenlider, Gähnen, Konzentrationsprobleme oder Erinnerungslücken sind klare Warnsignale.
  • Bei Müdigkeit anhalten: 
    Ein kurzer Schlaf von 15 bis 20 Minuten kann die beste Sofortmaßnahme sein.
  • Kaffee nur ergänzend nutzen: 
    Koffein kann unterstützen, ersetzt aber keinen Schlaf.
  • Nicht auf Musik oder Frischluft verlassen: 
    Solche Maßnahmen können höchstens kurzfristig anregen.
  • Lange Strecken realistisch planen: 
    Pausen, Fahrerwechsel und gegebenenfalls eine Zwischenübernachtung gehören zur Reiseplanung.

ARCD-Newsletter

Bleiben Sie immer informiert!

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und erhalten Sie informative Beiträge und hilfreiche Tipps rund um Mobilität und Reise direkt in Ihr Postfach.

Außerdem warten attraktive Aktionen und Gewinnspiele auf Sie.
 Wir freuen uns darauf, Sie als Abonnenten willkommen zu heißen!

 

Jetzt anmelden