Ein Radfahrer ist gestürzt und liegt auf dem Boden.

Fahrrad richtig bremsen: Warum viele Radfahrer gefährliche Fehler machen

3 min

24.08.2026Jessica Blank

Viele Radfahrer bremsen falsch. Eine Studie zeigt gefährliche Wissenslücken. Warum die richtige Bremstechnik Leben retten kann.
 

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Dass viele Fahrradfahrer gar nicht genau wissen, welcher Hebel welche Bremse auslöst, zeigt eine aktuelle Studie der Hochschule Pforzheim. Wir erklären, wie durch ABS, Kombibremse und richtiges Bremsen Unfälle und Stürze reduziert werden könnten.

Welche Fahrradbremse gehört wohin?

Welches Rad bremst der linke Bremshebel eines Fahrrads ab? Bei einer Studie des Institute for Smart Bicycle Technology (ISBT) der Hochschule Pforzheim konnte nur ein Drittel der 1.000 befragten Radfahrerinnen und Radfahrer diese Frage korrekt beantworten: Der linke Bremshebel ist in Deutschland der Vorderradbremse zugeordnet. „Erschreckend“ findet das Professor Jürgen Wrede, der das Projekt KombiABS leitet und zudem ARCD-Vizepräsident ist. Selbst Vielfahrer, die jährlich mehr als 5.000 Kilometer auf dem Rad zurücklegen, hätten nur zu 57 Prozent richtig geantwortet. 
 

Der linke Bremshebel eines Fahrrads.
Hätten Sie es gewusst? Der linke Bremshebel bedient in Deutschland die Vorderradbremse des Fahrrads. Foto: stock.adobe.com/rotoGraphics

Studie: Viele Radfahrer kennen ihre Bremsen nicht

Große Unwissenheit herrscht der Studie zufolge auch beim Verhalten bei starken Bremsungen: Über die Hälfte der Befragten antwortete falsch oder war sich unsicher. „Viele Leute trauen sich nicht, richtig zu bremsen, und verschenken dadurch Bremsweg, weil sie Angst haben vor Blockieren oder Überschlag“, erklärt Prof. Wrede. Um diese Situationen bei Schreck- oder Notbremsungen zu entschärfen, hat er in vorangegangenen öffentlich geförderten Forschungsprojekten mit seinen Studierenden und Bosch Ebike Systems ein Antiblockiersystem entwickelt, das bereits auf dem Markt ist. Nun wird am ISBT in Pforzheim an der Kombibremse geforscht, die das ABS sinnvoll ergänzen soll. Bei diesem Bremssystem können Vorderrad- und Hinterradbremse mit einer Hand betätigt werden. Unabhängig von der Bremshebelbetätigung wird die maximale Verzögerung erreicht. Um das zu erforschen, unterstützt die gemeinnützige ARCD-Verkehrssicherheits-GmbH das Projekt und finanzierte das Versuchsträger-S-Pedelec. 

Warum falsches Bremsen den Bremsweg verlängert

Dass sich Radfahrer nicht trauen, richtig zu bremsen, beobachtet auch Polizeihauptmeister Tim Budaker bei den Fahrradstreifen in Ansbach. „Wenn wir Fahrradfahrer oder gerade Pedelecfahrer anhalten, dann sieht man oft, dass sie die letzten paar km/h, den letzten Schwung teilweise gar nicht richtig anhalten können“, erzählt Budaker. Die Fahrer würden dann noch im Abbremsen regelrecht vom Rad springen. Der Polizist empfiehlt, sich mit dem Bremsverhalten des eigenen Fahrrads oder Pedelecs am besten im Schonraum vertraut zu machen und sich auch mal langsam an eine Vollbremsung heranzutasten. Außerdem sei es natürlich wichtig, regelmäßig zu checken, ob das Rad noch verkehrssicher ist und die Bremsen in Ordnung sind.

Vorder- und Hinterradbremse richtig kombinieren

Die meisten Bremsfehler kennen Budaker und seine Kollegen von der Fahrradgruppe der Ansbacher Polizei aber in Kombination mit überhöhter Geschwindigkeit, Witterung und schwierigen Straßenverhältnissen. „Das ist ein Zusammenspiel von überhöhter Geschwindigkeit und falschem Bremsverhalten. Dann wird es schnell gefährlich. Da muss man das Bremsen entsprechend anpassen“, sagt Budaker. Auch er bestätigt, dass Radfahrer oft nur die hintere Bremse und nicht die vordere benutzen würden, aus Angst sonst über den Lenker zu gehen. „Deswegen bremsen manche nur mit der Hinterradbremse, was auch nicht sinnvoll ist, sondern nur die Verwendung beider Bremsen.“ Als groben Grundsatz empfiehlt er, zu 70 Prozent vorne und zu 30 Prozent hinten abzubremsen. Das sei aber immer individuell an die Verkehrssituation anzupassen. 
 

Ein junger Mann fährt auf dem Versuchsträgerfahrrad.
Viele Radfahrer bremsen falsch. Eine Studie zeigt Wissenslücken bei der Bremstechnik und erklärt, wie richtiges Bremsen Unfälle verhindern kann. Foto: ISBT HS Pforzheim

Kombibremse und ABS: 
Mehr Sicherheit für Fahrrad und Pedelec

In diesem Verhältnis greift auch die Kombibremse. „Wenn ich nur mit der Hinterradbremse bremse, habe ich eine begrenzte Verzögerung. Das Gewicht wird nach vorne verlagert und das Hinterrad stark entlastet“, erklärt Wrede. Je nach Situation und Steigung werde die Situation noch verschärft und dann komme die Hinterradbremse bei hohem Reibwert schnell an die Verzögerungsgrenze. „Und diesen Nachteil würde die Kombibremse beheben.“ In Kombination mit dem ABS, das das Blockieren des Vorderrads und das Abheben des Hinterrads verhindert, würden gefährliche Situationen entschärft werden. Empfehlenswert wäre eine Kombibremse mit ABS daher besonders für Alltagsradler. 

Polizei gibt Tipps für sicheres Bremsen im Alltag

Polizist Tim Budaker würde eine solche Technik sehr begrüßen: „Alles, was die Verkehrssicherheit erhöht, ist aus Sicht der Polizei ideal. Je weniger Unfälle wir haben, desto zufriedener sind wir.“ Er empfiehlt Radlern, sich mit der Technik bei Bremsübungen vertraut zu machen, appelliert aber auch daran, bei Unsicherheit mal abzusteigen und zu schieben. Auch regelmäßige Pausen seien wichtig, um mit klarem Kopf auf dem Rad reagieren zu können.
 

Auto und Reise Autorin Jessica Blank.

„Ich habe erst erlebt, wie zwei junge Pedelecfahrer bei einer starken Bremsung über den Lenker gingen, zum Glück ging es gut aus.“

Jessica Blank


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