Ford EcoBoost Motor in der Ansicht.

Zahnriemen im Ölbad: Diese Motoren sind besonders anfällig – worauf Gebrauchtwagenkäufer achten sollten

3 min

28.07.2026Wolfgang Sievernich

Der Zahnriemen im Ölbad sollte Kraftstoff sparen und länger halten als herkömmliche Systeme. Doch bei zahlreichen Motoren kommt es zu vorzeitigem Verschleiß – bis hin zum Motorschaden. Welche Modelle betroffen sind und worauf Käufer achten müssen.
 

Ihr Browser unterstützt keine SVGs.

ARCD bei Google bevorzugen


Warum der Zahnriemen im Ölbad überhaupt entwickelt wurde

In der Zeit vor dem Durchbruch der Elektromobilität setzten die Autohersteller alles daran, den CO₂-Ausstoß ihrer Verbrennungsmotoren zu senken. Neben kleineren Triebwerken mit geringerem Hubraum („Downsizing“) entstanden zahlreiche technische Lösungen, um Reibung und Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Eine davon war der Zahnriemen im Ölbad.

So funktioniert der Zahnriemen im Ölbad

Anders als ein herkömmlicher Zahnriemen läuft er nicht trocken außerhalb des Motors, sondern direkt im Motoröl. Das Öl schmiert den Riemen permanent, verringert Reibung und Laufgeräusche und senkt so Kraftstoffverbrauch und CO₂-Ausstoß. Gleichzeitig versprachen die Hersteller längere Wartungsintervalle und eine höhere Lebensdauer – auch als Alternative zu den damals häufig störanfälligen Steuerketten. 

Vorzeitiger Verschleiß: Warum das Konzept Probleme bereitet

In der Praxis erwies sich das Konzept jedoch vielfach als anfällig. Bei Motoren verschiedener Hersteller – darunter Ford, Fiat, Peugeot, Citroën, DS, Opel, Honda und Volkswagen – verschleißen die im Öl laufenden Zahnriemen teilweise deutlich früher als erwartet.

 

Motoröl wird in einen Motor geschüttet.
Gebrauchtwageninteressenten sollten vom Verkäufer Nachweise verlangen, dass das Fahrzeug stets Motoröl nach Herstellerspezifikation erhalten hat. Foto: stock.adobe.com/© photoiron

Falsches Motoröl beschleunigt den Verschleiß

Eine der Hauptursachen ist gealtertes oder ungeeignetes Motoröl. Entscheidend ist nicht allein die richtige Viskosität, etwa 5W-30, sondern vor allem die vom Hersteller vorgeschriebene Öl-Freigabe, die im Laufe der Jahre teilweise angepasst wurde. Maßgeblich ist deshalb stets das freigegebene Motoröl nach aktueller Herstellerspezifikation. 

Fahrzeuge im Stau.
Häufige Kurzstreckenfahrten belasten den Motor. Wird dieser nach wenigen Kilometern wieder abgestellt, gelangen unverbrannter Kraftstoff und kondensierte Feuchtigkeit ins Motoröl. Foto: stock.adobe.com/© Kadmy

Kurzstrecken setzen dem Zahnriemen besonders zu

Ein weiterer Grund für vorzeitigen Verschleiß liegt in ungünstigen Betriebsbedingungen. Vor allem häufige Kurzstreckenfahrten belasten den Motor: Wird er bereits nach wenigen Kilometern wieder abgestellt, ohne seine Betriebstemperatur erreicht zu haben, gelangen unverbrannter Kraftstoff und kondensierte Feuchtigkeit ins Motoröl. Das verdünnt das Öl und verändert seine chemischen Eigenschaften. Dadurch altert der Zahnriemen schneller: Er verliert an Elastizität, wird porös, bildet Risse und kann aufquellen. Lösen sich dabei Abriebpartikel, können sie Ölsiebe und Ölkanäle verstopfen. In der Folge sinkt der Öldruck, wodurch Turbolader und andere Motorkomponenten Schaden nehmen können. Reißt der Zahnriemen schließlich, droht ein kapitaler Motorschaden, wenn Kolben und Ventile aufeinandertreffen. Die Reparatur ist teuer und kann – je nach Alter des Fahrzeugs – sogar den Zeitwert des Autos übersteigen.

Diese Motoren und Hersteller sind besonders betroffen

Als besonders anfällig gelten die PureTech-Dreizylinder-Benziner des Stellantis-Konzerns. Sie wurden zwischen 2013 und 2024 millionenfach in Modellen von Peugeot, Citroën, DS, Opel, Fiat und Jeep verbaut sowie im Rahmen einer Kooperation auch von Toyota eingesetzt. Ebenfalls als problematisch gelten die weit verbreiteten EcoBoost-Benzinmotoren von Ford, die seit 2012 in hohen Stückzahlen produziert wurden. Auch der Volkswagen-Konzern ist betroffen – allerdings nicht beim Steuertrieb. Hier treibt ein im Öl laufender Zahnriemen die Ölpumpe an. Betroffen sind TDI-Dieselmotoren der Baureihen EA189 (vor allem 1.6 TDI, Baujahre 2008 bis 2015) und EA288 (überwiegend 2.0 TDI, seit 2012) der Marken Audi, Volkswagen, Škoda und Seat.
 

So prüfen Sie einen Zahnriemen im Ölbad 
beim Gebrauchtwagen

Ob das eigene oder ein ins Auge gefasstes Gebrauchtfahrzeug einen potenziell problematischen Zahnriemen besitzt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei den PureTech-Motoren von Stellantis genügt meist ein Blick durch den Öleinfülldeckel: Mit einem einfachen Messwerkzeug lässt sich schnell erkennen, ob der Riemen bereits aufgequollen ist. Beim 1.0-VTEC von Honda ist der Riemen ebenfalls sichtbar, ein entsprechendes Messwerkzeug gibt es jedoch nicht. Aufwendiger ist die Kontrolle bei Ford, weil dafür der Ventildeckel demontiert werden muss. Bei Volkswagen ist der Eingriff am größten: Hier muss der Motor teilweise zerlegt werden. 
 

Mechaniker repariert einen Motor.
Um auch nach Ablauf der Neuwagengarantie Kulanzchancen zu wahren, sollten Kunden eine lückenlose Wartungshistorie nachweisen können. Foto: stock.adobe.com/© Kannapat

Kulanz und Garantie: Wann Hersteller für Schäden aufkommen

Bislang hat nur Stellantis ein umfassendes Kulanzprogramm aufgelegt und die Garantie für betroffene Motoren auf bis zu zehn Jahre oder 180.000 Kilometer erweitert – vorausgesetzt, sämtliche Wartungsvorgaben wurden durchgehend eingehalten und dokumentiert. Bei den übrigen Herstellern werden Kulanzanträge in der Regel im Einzelfall geprüft. „Bei Kulanz reagieren die Hersteller allergisch, sobald Wartungsvorgaben nicht eingehalten werden“, warnt Martin Weiss, Leiter der Fahrzeugbewertung bei der Deutschen Automobil Treuhand (DAT). 

So erhöhen Käufer ihre Chancen auf eine Kostenübernahme

Um die Chancen auf eine Kostenübernahme zu wahren, sollten Prüfung und Reparatur möglichst bei einem Vertragshändler erfolgen. Da es Fälle gibt, in denen Zahnriemen trotz eingehaltener Wartungsintervalle vorzeitig verschlissen sind, sollten Kaufinteressenten gezielt nach Fahrzeugen suchen, bei denen der Riemen nachweislich geprüft oder vorsorglich ersetzt wurde. 
 

Mann zeigt mit dem Daumen nach unten.
Einzelne Händler könnten den Ankauf bestimmter Modelle ablehnen. stock.adobe.com/© New Africa

Beeinflussen die Probleme den Wiederverkaufswert?

Einen übermäßigen Wertverlust der betroffenen Modelle kann der DAT-Experte bislang nicht erkennen. Preisabschläge hätten – je nach Marke und Nachfrage – meist andere Ursachen. Selbst in der VW‑Dieselkrise setzten spürbare Wertverluste erst ein, als mögliche Fahrverbote für Euro5‑Diesel öffentlich diskutiert wurden. Möglich sei allerdings, dass einzelne Händler den Ankauf bestimmter Modelle ablehnen, weil sie mit diesen Fahrzeugen bereits schlechte Erfahrungen oder finanzielle Verluste gemacht hätten, sagt Weiss. 
 

Gebrauchtwagen: Darauf sollten Käufer unbedingt achten

Gebrauchtwagenkäufer sollten bei Motoren mit dem Zahnriemen im Ölbad also besonders auf eine lückenlose Wartungshistorie achten. Fehlen Nachweise, weist das Scheckheft Unstimmigkeiten auf oder leuchten Warnlampen, ist Vorsicht geboten – auch wenn der Preis verlockend erscheint. Gleiches gilt bei ungewöhnlichen Motorgeräuschen, die auf Schäden hindeuten können.

 

Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf

Wer ein betroffenes Modell kaufen möchte, sollte besonders auf folgende Punkte achten:

  • Lückenlose Wartungshistorie prüfen
  • Nachweise über Ölwechsel und die vorgeschriebene Ölspezifikation verlangen
  • Zustand des Zahnriemens in einer Fachwerkstatt prüfen lassen
  • Motoröl auf Abrieb oder Partikel kontrollieren
  • Warnleuchten und Hinweise auf zu niedrigen Öldruck ernst nehmen
  • Beim Kaltstart auf ungewöhnliche Motorgeräusche achten
  • Öleinfüllstutzen auf Verschlammung oder Ablagerungen prüfen
  • Mögliche Reparaturkosten vor dem Kauf einkalkulieren
ARCD Mitarbeiter Wolfgang Sievernich.

„In der ARCD-Autokaufberatung sind uns diese Problemmotoren bereits mehrfach begegnet. Kaufinteressenten sollten Wartungsnachweise deshalb sorgfältig prüfen. Auch nach dem Kauf ist erhöhte Aufmerksamkeit nötig: Wartungsintervalle besser vorziehen und den Zahnriemen regelmäßig kontrollieren. Wer diesen zusätzlichen Aufwand scheut, sollte den Kauf gut überdenken.“

Wolfgang Sievernich


ARCD-Newsletter

Bleiben Sie immer informiert!

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und erhalten Sie informative Beiträge und hilfreiche Tipps rund um Mobilität und Reise direkt in Ihr Postfach.

Außerdem warten attraktive Aktionen und Gewinnspiele auf Sie.
 Wir freuen uns darauf, Sie als Abonnenten willkommen zu heißen!

 

Jetzt anmelden

Kategorien