Winterreifen auf mit Schnee bedeckter Fahrbahn.

Winterreifen richtig wechseln: Die wichtigsten Tipps für Autofahrer

3 min

21.09.2026Wolfgang Sievernich

Winterreifen wechseln, aber worauf kommt es an? Alpine-Symbol, Profiltiefe, Reifenalter und Reifendruck sind entscheidend. Seit 2024 reicht die reine M+S-Kennzeichnung bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr aus.
 

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Wenn die Temperaturen sinken, steht für viele Autofahrer der Wechsel auf Winterreifen an. Wer den Räderwechsel selbst erledigt, sollte nicht nur auf den richtigen Zeitpunkt achten. Auch Profiltiefe, Reifenalter, Schäden, Laufrichtung, Reifendruck und Reifenkennzeichnung sind für die Sicherheit entscheidend. Besonders wichtig ist das Alpine-Symbol: Seit dem 1. Oktober 2024 reicht eine reine M+S-Kennzeichnung bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr aus.

 

Verunfallter Pkw im Schnee.
Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen unterwegs ist und in einen Unfall gerät, muss mit Bußgeld, Punkten und weiteren finanziellen Folgen rechnen. Foto: stock.adobe.com/© Rico Löb

Situative Winterreifenpflicht in Deutschland

In Deutschland gibt es keine Winterreifenpflicht für einen festen Zeitraum. Es gilt eine situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte müssen geeignete Reifen montiert sein. Das gilt für alle vier Räder. Auch geeignete Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol erfüllen die Vorgabe.

Die Faustregel „O bis O“ – Oktober bis Ostern – ist lediglich eine Orientierung. Maßgeblich sind die tatsächlichen Straßenverhältnisse. Wer bei winterlichen Bedingungen mit nicht geeigneten Reifen fährt, muss mit einem Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Bei einem Unfall drohen zudem finanzielle Konsequenzen, da die Leistung der Voll- und Teilkaskoversicherung anteilig, in besonders schweren Fällen sogar vollständig gekürzt werden kann. 

Sicht auf Reifenflanke.
Das Produktionsdatum lässt sich an der DOT-Nummer auf der Reifenflanke ablesen. Foto: stock.adobe.com/© Photo Builder

Winterreifen prüfen: 
Profiltiefe, Alter und Schäden

Vor der Montage sollten Winterreifen gründlich kontrolliert werden. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe. Der ARCD empfiehlt für Winterreifen jedoch mindestens 4 Millimeter, da ausreichend Profil vor allem bei Schnee, Schneematsch und Nässe für Grip und Fahrsicherheit wichtig ist.

Auch das Reifenalter sollte berücksichtigt werden. Mit zunehmendem Alter kann die Gummimischung aushärten und spröde werden. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt der ARCD einen Austausch von Winterreifen nach acht Jahren, auch bei noch intaktem Profil. Das Produktionsdatum lässt sich an der DOT-Nummer auf der Reifenflanke ablesen. Die letzten vier Ziffern geben Produktionswoche und -jahr an: „0918“ steht beispielsweise für die 9. Kalenderwoche 2018.

Vor dem Winterreifenwechsel müssen die Reifen zudem auf Risse, Beulen, Schnitte und Fremdkörper untersucht werden. Auch ein schleichender Druckverlust kann auf einen Schaden hindeuten.

 

Alpine-Symbol auf einem Reifen.
Das Alpine-Symbol zeigt drei Berggipfel mit einer Schneeflocke. Foto: Continental

Alpine-Symbol: 
Diese Kennzeichnung ist entscheidend

Beim Blick auf die Reifenflanke sollten Autofahrer vor allem auf das Alpine-Symbol achten. Es zeigt drei Berggipfel mit einer Schneeflocke. Bei winterlichen Straßenverhältnissen müssen die Reifen dieses Symbol tragen, um als vorgeschriebene Winterbereifung zu gelten.

Besonders bei älteren Winter- und Ganzjahresreifen lohnt sich deshalb ein Blick auf die Seitenwand. Seit dem 1. Oktober 2024 ist die Übergangsfrist für Reifen mit ausschließlich M+S-Kennzeichnung abgelaufen. Reifen, die nur das M+S-Zeichen tragen, dürfen bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch sowie Eis- oder Reifglätte nicht mehr als vorgeschriebene Winterbereifung verwendet werden. Die Übergangsregelung betraf vor allem Reifen, die vor dem 1. Januar 2018 produziert wurden.

Das Alpine-Symbol bietet eine standardisierte Aussage über die Wintertauglichkeit eines Reifens. Für die frühere M+S-Kennzeichnung gab es keine vergleichbaren einheitlichen Prüfkriterien. Reifen mit Alpine-Symbol müssen dagegen einen definierten Bremstest auf Schnee bestehen.

Das Zeichen ist dennoch kein umfassendes Qualitätssiegel. Fahreigenschaften hängen auch von Reifenmodell, Profiltiefe, Alter, Reifendruck und den jeweiligen Straßenverhältnissen ab.

Das M+S-Zeichen ist allerdings nicht grundsätzlich verboten. Es kann weiterhin zusätzlich auf dem Reifen stehen. Entscheidend ist bei winterlichen Straßenverhältnissen das Alpine-Symbol.

Beim Kauf und vor der Montage sollten Autofahrer deshalb folgende Punkte prüfen:

  • Alpine-Symbol auf der Reifenflanke
  • DOT-Nummer und Produktionsdatum
  • mindestens 4 Millimeter Profiltiefe als Empfehlung des ARCD
  • Risse, Beulen, Schnitte und Fremdkörper im Reifen
  • vorgeschriebene Reifengröße, Traglast und Geschwindigkeitsindex 

     

Wagenheber unter einem Auto.
Der Reifenwechsel sollte auf festem, ebenem und möglichst trockenem Untergrund erfolgen. Foto: stock.adobe.com/© Christian Schwier

Winterreifen selbst wechseln: 
Radschrauben richtig anziehen

Wer den Winterreifenwechsel selbst vornimmt, sollte auf einem festen, ebenen und möglichst trockenen Untergrund arbeiten. Der Wagenheber darf nur an den vom Fahrzeughersteller vorgesehenen Aufnahmepunkten angesetzt werden.

Besonders wichtig sind die Radschrauben. Sie müssen mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen werden. Zu locker angezogene Schrauben können dazu führen, dass sich das Rad während der Fahrt löst. Zu fest angezogene Schrauben können dagegen Schrauben und Gewinde unnötig belasten.

  • Wagenheber nur an den vorgesehenen Punkten ansetzen.
  • Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
  • Schrauben über Kreuz anziehen.
  • Festen Sitz nach den Herstellervorgaben kontrollieren; häufig wird eine Kontrolle nach 50 bis 100 Kilometern empfohlen.

Laufrichtung der Winterreifen beachten

Bei der Montage muss die Laufrichtung der Winterreifen stimmen. Ein Pfeil mit „Rotation“ oder „Direction“ zeigt die vorgeschriebene Drehrichtung an. Bei asymmetrischen Reifen weist „Outside“ auf die Außenseite hin.

Eine falsche Montage kann die vorgesehenen Fahreigenschaften und die Wasserverdrängung des Profils beeinträchtigen.

Reifendruck und RDKS kontrollieren

Nach dem Räderwechsel sollte der Reifendruck geprüft werden. Die Herstellerangabe findet sich meist an der B-Säule der Fahrertür, an der Tankklappe oder in der Betriebsanleitung. Der Druck sollte möglichst bei kalten Reifen kontrolliert werden. Zu hoher oder zu niedriger Luftdruck kann Fahrverhalten, Bremsweg und Reifenverschleiß beeinflussen.

Auch das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) kann beim Winterreifenwechsel eine Rolle spielen. Beim direkten RDKS messen Sensoren den Luftdruck im Reifen. Werden Winterräder mit eigenen Sensoren montiert, müssen diese je nach Fahrzeug erkannt oder angelernt werden. Beim indirekten RDKS wird der Druck über Veränderungen der Raddrehzahlen überwacht. Nach dem Wechsel kann eine Neukalibrierung erforderlich sein. Einzelheiten stehen in der Betriebsanleitung.

 

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