Wie Steinschläge moderne Assistenzsysteme gefährden: Risiken, Folgen und notwendige Maßnahmen
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Was hat ein kleiner Steinschlag in der Windschutzscheibe mit Assistenzsystemen zu tun? Mehr als man denkt.
Moderne Windschutzscheiben:
Von Glas zu Hightech-Bauteilen
„1980 hatte eine Autoscheibe zwei Funktionalitäten – heute sind es bis zu 28“, sagt Thomas Lottko, Experte für Fahrerassistenten bei Carglass. Diente die Frontscheibe lange nur dem Schutz vor Wind und Wetter und der Stabilität der Karosserie, integrieren moderne Scheiben viele technische Komponenten im Glas: Antennen, Heizelemente, Akustikschichten, Infrarot- und UV-Filter, Kommunikationsmodule sowie Kameras und Sensoren.
Warum Assistenzsysteme eine perfekte Sicht benötigen
Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalte- und Notbremsassistent oder Regen- und Lichtsensoren greifen auf Kameras und Sensoren zu, die meist hinter der Windschutzscheibe auf Höhe des Innenspiegels in einem Sensorblock sitzen. Für eine zuverlässige Funktion benötigen diese eine klare, verzerrungsfreie Sicht sowie eine präzise Ausrichtung zum Fahrzeug und zur Fahrbahn.
Wie Steinschläge die Sensorik und Kameras beeinträchtigen
Ein Steinschlag oder Riss im Sensorbereich gefährdet die Wahrnehmungsfähigkeit: Die Kamera liefert schlechtere Bilder, die Systeme erfassen die Umgebung nicht mehr korrekt. Gerade bei kamerabasierten Assistenzsystemen wie Notbrems- und Spurhalteassistent sowie dem adaptiven Tempomat ist aber besondere Sorgfalt gefragt.
Gefährliche Fehlfunktionen durch minimale Abweichungen
„Schon minimale Winkelabweichungen können dazu führen, dass Fahrbahnmarkierungen oder Abstände falsch erfasst werden“, sagt Lottko. Noch problematischer wird es, wenn mehrere Sensoren gleichzeitig von einer fehlerhaften Kalibrierung betroffen sind. Dann steigt das Risiko fehlgeleiteter Assistenzsysteme deutlich an und kann im Extremfall – etwa durch unpräzise Spurführung oder eingeschränkte Notbremsfunktion – zum Unfall führen.
Warum Reparaturen im Sensorbereich verboten sind
Damit es nicht so weit kommt, schreibt der Gesetzgeber vor, dass die Windschutzscheibe bei Schäden im Sensorbereich ersetzt werden muss. Reparaturen sind unzulässig. „Selbst eine fachgerecht reparierte Stelle könnte minimale optische Verzerrungen verursachen, die die Kamera als Störung interpretiert“, erklärt Lottko. Auch Kratzer oder Alterungsspuren können die Sensorik irritieren und einen Austausch nötig machen.
Warnsignale im Cockpit richtig deuten
Warnmeldungen im Cockpit liefern Autofahrern Hinweise auf Probleme, etwa Symbole oder die Info zu eingeschränkt verfügbaren Assistenzsystemen. Auch grundloses Piepsen des Spurhalteassistenten, falsche Abstandswarnungen oder ein ausbleibender Notbremseingriff sind Warnzeichen. „Manche Systeme schalten sich auch komplett ab“, warnt Lottko. In diesen Fällen sollten Autofahrer unbedingt eine Fachwerkstatt aufsuchen.
Austausch und Kalibrierung: So läuft der Prozess heute ab
Während früher eine beschädigte Windschutzscheibe schnell ersetzt wurde, beginnt der Prozess heute mit einer Diagnose am Tester. Erst wenn alle Systeme ausgelesen und Fehlercodes geprüft sind, darf die Scheibe getauscht und die Sensorik nach Herstellervorgaben kalibriert werden.
Statische und dynamische Kalibrierung erklärt
Je nach Hersteller folgt eine statische Kalibrierung in der Werkstatt oder eine dynamische während der Fahrt – oft sogar beides. „Präzise positionierte Targets dienen der Fahrzeugfrontkamera als Referenzpunkte; die Software gleicht die Bilder mit den Soll-Werten ab“, erklärt Lottko den Prozess in der Werkstatt. Auf der Straße wird die Kamera dagegen anhand realer Fahrbahnmarkierungen kalibriert.
Warum die Komplexität weiter steigt
Dass die zunehmende Komplexität der Scheiben und damit verbundener Werkstattaufwand die Kosten künftig weiter steigen lassen, ist für den Carglass-Experten absehbar. Seit Mitte 2024 sind alle neuen Fahrzeuge serienmäßig mit kamerabasierten Assistenzsystemen ausgestattet; bis 2027 sollen 59 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands damit ausgerüstet sein. Hinzu kommen Entwicklungen wie autonomes Fahren, Elektronik und immer komplexere Softwaresteuerungen, die die Anforderungen an Reparaturen zusätzlich erhöhen.
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„Ich erinnere mich noch daran, wie ein Frontscheibenwechsel in nur einer Stunde erledigt war. Das ist lange her.“
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