Marder im Motorraum

Marderbiss am Auto verhindern: Tipps, Technik und wirksame Abwehrgeräte

3 min

17.04.2026Wolfgang Sievernich

Wenn im Frühjahr die Steinmarder auf Partnersuche gehen, erhöht sich die Zahl der Marderschäden an Autos sprunghaft. Was dahintersteckt, wie man vorbeugt und welche Technik die Hersteller einsetzen.

Wer im Frühjahr schmutzige Pfotenabdrücke auf der Karosserie bemerkt, hat meist einen Steinmarder zu Besuch gehabt. Der Kulturfolger lebt mitten unter uns, ruht tagsüber in Schuppen oder auf Dachböden und geht nachts auf Nahrungssuche. „Viele Marderbesuche führen aber gar nicht zu Schäden am Auto“, sagt Susann Parlow, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Aktion Fischotterschutz e. V. Häufig nutzen die Tiere den Motorraum nur als Versteck – Jungtiere auch als Spielplatz. 

Marder reagieren in der Paarungszeit aggressiv auf den Duft von Rivalen

„Junge Steinmarder untersuchen, ähnlich wie kleine Kinder, alles mit ihren Zähnen“, so Parlow. Dabei kann schon mal etwas beschädigt werden. Problematisch wird es erst, wenn männliche Tiere in der Paarungszeit (Juni bis August) den Duft eines Rivalen wahrnehmen und diesen durch wildes Beißen zu entfernen versuchen. Besonders betroffen sind dabei Pkw, die über Nacht an unterschiedlichen Orten abgestellt werden. 

Marder kommen durch kleinste Löcher im Motorraum

Die Tiere ganz vom Motorraum fernzuhalten, sei laut Parlow nicht möglich: „Marder kommen durch 4 mal 4 Zentimeter große Löcher.“ Bei Verbrennern ist der Motorraum unten meist offen; auch an Radkästen gibt es genügend Ritzen, durch die Marder problemlos gelangen. Bürsten an beweglichen Bauteilen wie Lenkwellen könnten helfen, seien aber bei zu weichem Material oft wirkungslos. 

Autohersteller sichern Kabel und Schläuche teilweise gegen Marderbiss

Immerhin sichern die Hersteller einzelne Bauteile: So werden etwa Glasgewebeschläuche am Katalysator mit Metallspiralen und einer Aluminiumschicht verstärkt, zudem kommen Umwicklungen oder besonders robuste Leitungen zum Einsatz. Ein umfassenderer Schutz scheitert jedoch häufig an den Kosten oder am fehlenden Interesse der Autoindustrie – schließlich profitieren Werkstätten von entsprechenden Reparaturen, meint Parlow. 

Autofahrer können den Motorraum selbst mardersicher machen

Wem das zu wenig ist, der muss selbst aktiv werden. Ungeschlitzte Hartplastik‑Wellschläuche aus dem Baumarkt etwa schützen Kabel zuverlässig, müssen aber mühsam über die Leitungen gezogen werden. Damit die Kabel beim Biss des Marders innerhalb des Schlauchs wegrutschen können, sollte der Durchmesser deutlich größer gewählt werden. Da der Platz im Motorraum jedoch knapp bemessen ist, lassen sich viele Bereiche nachträglich nur eingeschränkt oder gar nicht schützen.

Kehrschaufel mit Besen unter einem Auto.
Bereits der menschliche Geruch an einem Gegenstand wie einer Kehrschaufel unter dem Motorraum kann ausreichen, um Marder abzuschrecken. Allerdings muss er regelmäßig aufgefrischt werden. Foto: Wolfgang Sievernich

Menschlicher Geruch schreckt Marder nachhaltig ab

Den Umstand, dass der Mensch als größter Feind des Marders gilt, kann man sich zunutze machen, indem Gegenstände am oder im Fahrzeug mit menschlichem Geruch versehen werden. Mit getragenen Kleidungsstücken bestückte Netze oder mit Haaren gefüllte Socken im Motorraum wirken ebenso wie ein unter dem Fahrzeug platzierter Handfeger. Nachteil: Der Geruch muss regelmäßig aufgefrischt werden. Der oft empfohlene Hasendraht unter dem Motorraum hilft laut Parlow nur, wenn er täglich berührt wird. Der Draht allein schreckt Marder nicht ab; sie überwinden auch Zäune mühelos. 

Marderabwehrgerät im Motorrraum
Im Handel angebotene Marderabwehrgeräte, wie im Bild von K&K, vertreiben Marder mit Elektroschocks aus dem Motorraum. Foto: K&K Handelsgesellschaft

Mit Elektroschocks lassen sich Marder vertreiben

Ultraschallgeräte erwiesen sich in Tests ebenfalls als wenig wirksam: „Nach sechs bis acht Wochen gewöhnen sich die Tiere an das Geräusch und erkennen, dass keine Gefahr davon ausgeht.“ Deutlich effektiver sind Hochspannungs‑Abwehrgeräte im Motorraum: Streift der Marder die dort montierten Metallplättchen, erhält er einen kurzen, aber ungefährlichen Stromschlag. 

Nach dem Marderbiss sollten Autofahrer eine Motorwäsche vornehmen

Wichtig: Nach einem Marderschaden an Kabeln oder Schläuchen schützt nur eine gründliche Motorwäsche vor weiteren Besuchen, da sie die Duftspuren der Tiere zuverlässig entfernt.

ARCD-Clubhilfe bei Marderschaden

Wann zahlt die Kfz-Versicherung bei Marderschaden?

Die Teilkaskoversicherung übernimmt meist Schäden durch Marderbisse am Auto. Die Vollkasko auch Folgeschäden wie Kurzschluss- oder Motorschäden. Die Kfz-Haftpflicht kommt dafür nicht auf.

Wie bezuschusst der ARCD Schäden durch Marderbiss?

Bezuschusst wird die Reparatur von durch Marderbiss entstandene Schäden.

ARCD-Mitglieder erhalten in den ersten neun Mitgliedsjahren bis zu 40 Euro Erstattung ihrer tatsächlichen Reparaturkosten.

Ab dem 10. Jahr bis zu 70 Euro

Beispielrechnung

10 Jahre ARCD-Mitgliedschaft

Selbstbeteiligung der Kfz-Teil- oder Vollkasko – 150 Euro

Clubhilfe-Zuschuss des ARCD – 70 Euro

Wie lässt sich die ARCD-Clubhilfe beantragen?

Antrag per Telefon (09841/409719), E-Mail (clubhilfe@arcd.de) oder Post (ARCD e. V., Postfach 440, 91427 Bad Windsheim)

Meldefrist: bis zu ein Jahr nach Schadeneintrittsdatum

Bearbeitung und Erstattung: wenige Tage

Welche Nachweise erforderlich sind, lesen Sie auf www.arcd.de/clubhilfe

ARCD Mitarbeiter Wolfgang Sievernich.

Wolfgang Sievernich

Ich rate, die Motorwäsche von Fachleuten vornehmen zu lassen, 
um Schäden an der Elektrik zu vermeiden.


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