VW Caddy Maxi California 2.0 TDI: Schwierige Mischung

100 Kilo Dachlast schafft der Caddy. Anstelle der California-Ausstattung könnte auch ein Dachzelt als Schlaf-Alternative für den Urlaub dienen. Foto: Thomas Schreiner

California. Wer in einem VW mit diesem Namen unterwegs ist, den umweht immer ein leichter Hauch von Freiheit und Abenteuer. Und sei es nur die Illusion auf der morgendlichen Fahrt ins Büro, jederzeit einfach abzubiegen und nicht vor Sonnenuntergang anzuhalten. Denn wenn California auf einem Auto draufsteht, lässt sich darin spontan übernachten.

Zuwachs in der Familie

Bei der fünften Generation des Caddy hat VW auch die Camping-Version des Hochdachkombis in den Kreis der Cali­fornia-Familie aufgenommen. Was ihn von den deutlich größeren T6.1 California und Grand California erheblich unterscheidet, ist die Anzahl der Schlafplätze. Mehr als zwei Personen können im Camper-Caddy nicht nächtigen. Womit wir schon beim Kern unseres Testwagens wären.

Während der Caddy an sich häufig als Familienkutsche dient, wird er in der Urlaubsvariante zum Pärchen-Auto. Auf der im Innenraum ausklappbaren Liegefläche (1,98 x 1,07 m) haben zwei Erwachsene Platz. Das dreiteilige, in Z-Form faltbare Tellerfedergestell schafft ausgeklappt und in Verbindung mit der Kaltschaummatratze ein bequemes Lager. Ein Baby könnte sich gerade noch in die Mitte kuscheln.

Etwas umständlich gestalten sich die Vorbereitungen zum Aufbau des Bettes. Der höhenvariable Fahrersitz muss dafür nicht nur nach vorne, sondern auch ganz nach oben gestellt werden, damit er näher ans Lenkrad rückt. Nur dann ist nach Vorklappen der Sitzlehne genug Platz, um die Liegefläche zu entfalten. Selbst in der von uns gefahrenen Maxi-Version mit langem Radstand.

Sehr praktisch ist dafür eine Neuerung im Fond-Bereich: Die Rückbanklehne ist für die Schlafstellung umzuklappen. Allerdings lässt sich die ganze Rückbank auch ausbauen und sie kann auf Reisen zu Hause bleiben. Als Unterbau für die Liegefläche wird sie nicht benötigt, denn diese stützt sich auf zwei stabilen Streben an extra dafür geschaffenen Aufnahmen in den B-Säulen ab – eine clevere Lösung.

Im Detail unpraktisch

Wer zu zweit reist, kann also getrost auf die Rückbank verzichten und den vorhandenen Raum stattdessen für sperriges Gepäck nutzen. Das ist gut, denn im Kofferraum selbst bleibt dafür nicht mehr viel Platz. Erst recht nicht, wenn der massive Kasten der Mini-Einbauküche bestellt wurde. Die kostet 1.654,10 Euro, ist fest mit dem Fahrzeug verschraubt und ermöglicht eine Zulassung als Wohnmobil. Im Alltag wird die Miniküche allerdings zum Handicap, weil viel Stauraum für Einkäufe oder andere Transportgüter verloren geht. Da helfen auch die 35 Zentimeter mehr Laderaumlänge nicht, die der Caddy Maxi California ab rund 35.000 Euro gegenüber der Variante mit kurzem Radstand bietet. Ebenfalls zu Lasten des Kofferraums geht ein sperriger Behälter unter der Liege, in dem sich zwei Campingstühle und ein Tisch verstecken. Typisch California, aber solches Mobiliar ließe sich platzsparender verstauen.

Fummelig wird es bei der Verdunkelung für die Nacht. An die Fenster kommen flexible Gardinen, serienmäßige Stautaschen verdecken die Seitenscheiben im Laderaum. Dem feststehenden Panorama-Glasdach (1.023,40 Euro) fehlt aber ein Rollo. Mit einer Stoffbahn und zelt­ähnlichem Gestänge wird es mühsam verhängt – ein Geduldsspiel. Statt ins Glasdach ist Geld besser in LED-Scheinwerfer (850,85 Euro) investiert.

Tadellos ist hingegen der Pkw-ähnliche Fahrkomfort, der Turbodiesel mit 90 kW/122 PS und manueller Schaltung dient als angemessene Antriebskombination. Mit fünf Litern Praxisverbrauch trafen wir punktgenau die WLTP-Norm.

Ohne Stromzugang von außen und ohne Frischwasserreservoir bleibt der Caddy jedoch ein minimalistischer Camper-Kompromiss, in dem das California-Konzept scheinbar an Grenzen gerät. Es entsteht der Eindruck, als wolle VW hier etwas zu viel. Und es gibt eine Alternative: der „normale“, einige Tausender günstigere Caddy mit Zubehör von Ausbauspezialisten

Daten VW Caddy Maxi California 2.0 TDI

Motor: 2,0-l-Vierzylinder-Turbodiesel, 90 kW/122 PS, 320 Nm bei 1.600–2.500/min

Antrieb, Getriebe: Front, Sechsgang manuell

0–100 km/h, Spitze: 11,6 s, 187 km/h

Norm-/Testverbrauch: 5,0 (WLTP)/5,0 l D

CO2-Ausstoß Norm/Test: 133 (WLTP)/133 g/km

Länge x Breite x Höhe: 4,95 x 1,86/2,10 x 1,84 m

Radstand, Wendekreis:  2,97 m, 12,1 m

Kofferraum: 1.720–3.105 l

Leergewicht, Zuladung:  1.785 kg, 655 kg

Anhängelast: 1.500 kg

Stützlast, Dachlast: 70 kg, 100 kg

Tankinhalt: 60,9 l

Typklassen KH/VK/TK: 17/20/20

Kfz-Steuer pro Jahr: 269 Euro

Grund-, Testwagenpreis: 37.431,45 Euro, 8.553,19 Euro

Modell verfügbar ab: 35.027,65 Euro

Auswahl Basis-Serienausstattung: Sieben Airbags, Abbiegeassistent, Ausweichunterstützung, Multikollisionsbremse, Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, aktiver Spurhalteassistent, Tempomat, Multifunktionsanzeige Plus, Vordersitze höhenverstellbar, Außenspiegel elektrisch einstell- und beheizbar, Dachreling, Schiebetüren links und rechts, Dreier-Sitzbank in der zweiten Sitzreihe, Bett mit Liegefläche (1,98 x 1,07 m) im Kofferraum zusammenklappbar, ­Innenraum-Verdunkelung durch Stoffgardinen und Stautaschen (Seitenfenster Laderaum)

Die Miniküche umfasst einen ­ausziehbaren einflammigen Gaskocher und darunter eine Schublade für Geschirr und Besteck. Fotos: Thomas Schreiner
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