Vergangenheit trifft Zukunft: Stufenlose CVT-Getriebe von Bosch für E-Autos

Bosch entwickelt das CVT4EV-Modul für vielfältige Einsatzzwecke in E-Autos. Durch die stufenlose Übersetzung sollen weiche Schaltvorgänge und das typische harmonische Fahrverhalten gewährleistet bleiben. Foto: Bosch

Volles Drehmoment bereits aus dem Stand – damit sammeln Elektromotoren auf jeder Probefahrt Punkte. In der Disziplin Spurtstärke lassen E-Autos die Konkurrenz mit Verbrennungsmotor hinter sich. Aber wie steht es um die Alltagstauglichkeit des Elektroantriebs? Genau dieser Frage gehen Entwickler des Automobilzulieferers Bosch nach. Ihr Ziel: Im Jahr 2025 soll ein stufenloses CVT-Getriebe für Elektrofahrzeuge (CVT4EV) marktreif sein.

Leistung und Effizienz

Das Leben eines Autos besteht bekanntlich nicht nur aus Ampelstarts. Mal steht eine längere Autobahnfahrt auf dem Programm, mal geht es mit schwerem Gepäck eine steile Passstraße hinauf, mal soll ein Anhänger gezogen werden. Für die drei genannten Situationen gilt: Ein mehrstufiges Getriebe könnte wirksamer arbeiten als die derzeit bei Elektroautos übliche kostengünstige Konstruktion mit nur einem Gang. Auch wer sich häufiger abseits befestigter Wege durchs Gelände wühlen muss, weiß einen stark untersetzten Kriechgang zu schätzen.

Mehrstufige Automatikgetriebe sind jedoch teuer und schwer, und außerdem gewöhnt sich die Menschheit gerade an den ruckfreien Fahrkomfort von E-Autos. Wenn es nach Bosch geht, könnte ein stufenloses Getriebe ohne Zugkraftunterbrechung eine sinnvolle Ergänzung zum Elektromotor sein. „Das CVT4EV erweitert die Einsatzmöglichkeiten von Elektrofahrzeugen“, sagt Gert-Jan van Spijk, verantwortlicher Entwicklungsleiter für CVT-Getriebe bei Bosch. Er rechne damit, dass die Ansprüche der Kunden an Effizienz, Leistung und Fahrverhalten steigen und die nächste Generation von Elektroautos deutlich mehr können muss, als es heute der Fall ist.

Vorteile bei Effizienz und Leistung erreicht das System, weil es Drehzahl und Drehmoment des E-Motors frei steuern kann. Bei niedrigen Geschwindig­keiten verbessert eine niedrige Übersetzung die Beschleunigung sowie das Anfahrver­halten am Berg oder im Anhängerbetrieb. Bei höherem Tempo kann die Drehzahl verbrauchsmindernd gesenkt oder es kann eine höhere Endgeschwindigkeit erreicht werden.

Altbekanntes System

Ein wichtiges Bauteil von CVT-Getrieben ist bei Bosch das Schubgliederband, eine Weiterentwicklung des Keilriemens, wie er erstmals 1958 in der Variomatic des niederländischen Autoherstellers DAF zum Einsatz kam. In den USA sind viele aktuelle Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit ­einer Schubgliederband-CVT ausgerüstet. Die Technik an sich ist also bewährt, neu ­hingegen ist ihr Einsatz in der Welt der Elektromobilität. Die Mehrkosten für den Einbau des rund 20 Kilogramm schweren CVT4EV-Getriebes sowie das zusätzliche Gewicht sieht Bosch gelassen: Dank des Verbrauchsvorteils könnten kleinere und günstigere Akkus ­genutzt werden – bei gleicher Reichweite.

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