Pkw-Antriebe: Die Qual der Wahl

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Auf die Frage, welcher Antrieb für welchen Käufer der beste ist, gibt es keine pauschale Antwort. Zu verschieden sind Lebensumstände, Budgets, ­Fahrstrecken, Anforderungen und Wünsche an das neue Auto. Auch Klimaschutzziele, steigende Energiepreise, Lieferengpässe und ein drohendes Verbrenner-Verbot spielen bei der Kaufentscheidung eine Rolle. Wir geben einen Ausblick auf die nahe Zukunft.

Im Gespräch mit ARCD-Mitgliedern ist öfters die Frage zu hören, ob man noch Autos mit Verbrennungsmotoren kaufen könne? Das lässt sich aktuell mit einem klaren Ja beantworten, doch mittelfristig sieht das schon anders aus. Um die ehrgeizigen Klimaschutzziele der EU umzusetzen und milliardenteure Strafzahlungen für zu hohe CO2-Emissionen zu umschiffen, hat sich die Automobilindustrie überwiegend der CO2-armen Elektromobilität verpflichtet.

Ab 2025 will Mercedes-Benz etwa alle neuen Plattformen  auf elektrische Antriebe ausrichten. Auch wenn die bestehenden Plattformen für Otto- und Dieselantriebe noch eine Zeit lang weitergebaut werden dürften, ist die Ziellinie für den Verbrennungsmotor nicht mehr allzu weit entfernt. Audi hat sich bereits festgelegt: 2033 läuft die Produktion von Verbrennungsmotoren aus! Schneller geht es bei Citroën und Opel. Die zum Stellantis-Konzern gehörenden Marken wollen in Europa bereits in sechs Jahren (2028) nur noch rein elektrische Fahrzeuge anbieten. Ab 2030 gilt das auch für Peugeot, Ford, Volvo, Renault und die BMW-Tochter Mini. BMW selbst will bis dahin die Hälfte des globalen Absatzes mit E-Autos bestreiten. So sieht es auch Volkswagen. Der Fahrplan vieler Hersteller scheint klar auf E-Autos ausgerichtet zu sein. Anders verhält es sich bei Toyota und Hyundai/Kia. Die Asiaten wollen auch weiterhin auf einen technologieoffenen Mix aus E-Autos, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeugen setzen.

Für Technologieoffenheit wirbt auch Prof. Dr.-Ing. Peter Gutzmer. Der Experte für Antriebstechnik bemängelt, dass sich der politische Wille in Deutschland und Europa zu einseitig auf die E-Mobilität fokussiere. „Unklar bleibt auch die Verbraucherakzeptanz, ganz besonders mit Blick auf den Ausbau der sehr herausfordernden Netz- und Ladeinfrastruktur sowie dem Ausbau der regenerativen Stromerzeugung“, mahnt Gutzmer. Ohne die Einbeziehung von biomasse- und elektrobasierten Kraftstoffen für die weiter von (hybridisierten) Verbrennungsmotoren geprägte Bestandsflotte, seien die Klimaschutzziele im Individualverkehr nicht erreichbar. Das Problem dabei: Die Produktion von strombasierten, sogenannten synthetischen Kraftstoffen steckt noch in den Kinderschuhen. Bis der CO2-neutral hergestellte Sprit dem fossilen Kraftstoff zugemischt werden kann, vergehen noch Jahre. Es ist ein Wettkampf gegen die Zeit. Was sollten Verbraucher aber beachten, wenn sie jetzt und nicht erst in ein paar Jahren den Kauf eines Autos planen?

Verbrauch beachten

Angesichts steigender Energiepreise sollten sich Autofahrer auf verbrauchsarme Pkw fokussieren. Neben herkömmlichen Otto- und Dieselmotoren kommen dafür auch Gasantriebe, wie etwa Erdgas infrage. Aufgrund eines überschaubaren Modell- und Tankstellenangebots spielt Erdgas bei der Kaufentscheidung häufig jedoch kaum eine Rolle. Laut Kraftfahrtbundesamt lag der Neuzulassungsanteil 2021 bei nur 0,1 Prozent.
Professor Gutzmer präferiert indes die Plug-in-Hybrid-Technik: Bei erweiterter, optimierter elektrischer Reichweite und Nutzung von synthetischen Kraftstoffen könne diese noch sehr lange Bestandteil der Fahrzeugflotten bleiben. Die Brennstoffzellentechnik sei dagegen eher für Nutzfahrzeuge interessant.

Ottomotor

Umgangssprachlich auch Benziner genannt, eignen sich Fahrzeuge mit Ottomotor überwiegend für kurze und mittlere Fahrstrecken, da der Motor im Vergleich zum Diesel nach dem Start schneller auf Betriebstemperatur kommt. Vier-, Sechs- und Achtzylindermotoren sind für ihre Laufruhe bekannt. Dreizylinder klingen hingegen vor allem in der Kaltlaufphase unrund. Viele kleinvolumige Ottomotoren sind mit Turboladern ausgerüstet, sie sind sparsam und temperamentvoll zugleich. Nur wenige Hersteller vertrauen noch auf Saugmotoren, diese kommen in Kleinwagen und hochpreisigen Luxusfahrzeugen zum Einsatz.

Vorteile des Ottomotors: Im Vergleich zum Diesel sind Benziner meist preiswerter in der Anschaffung, stoßen weniger Schadstoffe aus und sind günstiger bei der Kfz-Steuer. Eine größere Motorenvielfalt macht den Benziner für sparsame und sportliche Naturen gleichermaßen attraktiv.
Negativ fallen höhere Verbräuche, teurere Kraftstoffkosten, ein tendenziell höherer CO2-Ausstoß und eine oftmals geringere Anhängelast ins Gewicht.

 

Foto: Volkswagen

Dieselmotor

Der Dieselskandal rund um Volkswagen hat dem Ruf des Diesels schwer zugesetzt. Unberechtigt, sofern es sich um moderne Motoren der neuesten Euro6d-Abgasnorm handelt, deren Stickoxidausstoß selbst auf der Straße geringer ist als es die Norm erfordert. Langstreckenfahrer schätzen den geringen Kraftstoffverbrauch, der sowohl bei Autobahntempo als auch im Gespannbetrieb im Rahmen bleibt.

Nicht zu empfehlen ist der Diesel für den Kurzstreckenverkehr. Der Grund: Der Rußpartikelfilter moderner Dieselmotoren benötigt eine Abgastemperatur von mindestens 600 Grad Celsius, um sich zu regenerieren, also Rußpartikel zu verbrennen. Diese Temperaturen werden auf kurzen Fahrten oft nicht erreicht.  In der Folge verstopft der unverbrannte Ruß den Filter, sodass dieser im Laufe der Zeit gereinigt oder ausgetauscht werden muss. Die Kosten für Ersatzteil und Arbeitslohn liegen im niedrigen, vierstelligen Bereich. Noch wird Diesel – im Gegensatz zum Benzinkraftstoff – deutlich subventioniert. Die Bundesregierung hat aber bereits angekündigt, die Umsetzung einer EU-Energiesteuerrichtlinie zu prüfen, die die steuerliche Angleichung von Dieselkraftstoff und Benzin vorsieht.

Foto: Mercedes-Benz

Hybridantrieb

Hybridfahrzeuge verfügen neben dem Verbrennungsmotor auch über einen Elektromotor. Zu unterscheiden sind drei Hybrid-Systeme. Beim Mild-Hybrid unterstützt ein sogenannter Startergenerator den Verbrennungsmotor. Dieser liefert für kurze Zeit, etwa beim Anfahren Energie, ersetzt je nach Bauart Anlasser oder Lichtmaschine und hilft dem Verbrennungsmotor Kraftstoff zu sparen. Mit dem Vollhybrid lassen sich auch kürzere Strecken rein elektrisch zurücklegen. Der Elektromotor erhält seinen Strom von der beim Bremsen zurückgewonnenen Energie. Der Vollhybrid eignet sich besonders für kurze und mittlere Strecken. Im Gegensatz zum Plug-in-Hybrid kann der Akku jedoch nicht separat aufgeladen werden. Der größere Akku des Plug-in-Hybriden gewährleistet dafür eine längere, elektrisch zurücklegbare Strecke. Bei fleißigem Laden lässt sich der Kraftstoffverbrauch des Verbrennungsmotors deutlich reduzieren. Vorteil Plug-in-Hybrid: Beim Kauf eines Neuwagens erhält der Halter von Staat und Hersteller bei Antrag bis zum 31.12.2022 eine Kaufprämie von maximal 6750 Euro.

Foto: Toyota

Elektroantrieb

Halter von Elektrofahrzeugen profitieren von hohen Kaufprämien für Neu- und junge Gebrauchtwagen, sofern die rein elektrischen Fahrzeuge eine Reihe an Fördervoraussetzungen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erfüllen. Bis zu 9000 Euro zahlen Bund und Hersteller bis zum 31.12.2022 für Fahrzeuge mit einem Nettolistenpreis unterhalb von 40.000 Euro.
Die für E-Autos notwendige Energie stammt größtenteils aus dem externen Stromnetz und muss per Kabel zugeführt und in Hochvoltbatterien gespeichert werden. Meist sitzen die mehrere hundert Kilogramm schweren Akkus aus Gründen des besseren Schwerpunkts im oder unter dem Fahrzeugboden. Laden lässt sich ein Elektroauto zu Hause sowohl an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose als auch an einer deutlich schnelleren und sicheren Wallbox. Laut Bundesnetzagentur gibt es in Deutschland fast 45.000 öffentlich zugängliche Normal- und nahezu 8000 Schnellladepunkte. Nachteile des E-Autos: Die Ladedauer beträgt je nach Lademöglichkeit oft mehrere Stunden. Wenige hundert Kilometer Reichweite begrenzen zudem den fahrbaren Radius.

Foto: Opel

Erdgasantrieb

Erdgas, abgekürzt CNG (Compressed Natural Gas), ist ein organischer Rohstoff und verbrennt umweltfreundlicher als Benzin und Diesel.
Das Tankstellennetz ist in Deutschland mit rund 850 Stationen überschaubar und eines der wichtigsten Entscheidungskriterien beim Kauf eines Erdgasfahrzeugs. Im Rahmen des Energiesteuergesetzes ist CNG als Kraftstoff bis 2026 steuerbegünstigt. Regionale Energieversorgungsunternehmen fördern teilweise auch die Anschaffung des Fahrzeugs.

Das aus Abfallstoffen wie Klärschlamm oder Bio-Kompost gewonnene Biomethan kann ohne technische Veränderungen im Erdgasmotor genutzt werden und ist aufgrund seines hohen CO2-Reduktionspotenzials von der CO2-Steuer ausgenommen. Beim Tankvorgang wird CNG auf 200 Bar gasförmig komprimiert und in speziellen Fahrzeugtanks transportiert. In der Regel zeitgleich zur Hauptuntersuchung oder nach Unfällen müssen Gasanlage und Tanks von speziell geschultem Personal überprüft werden.

Fiat, Audi, Seat, Skoda und VW bieten erdgasbetriebene Fahrzeuge ab Werk an. Die meisten sind monovalent ausgestattet. Das bedeutet, dass die Motoren auf Erdgas optimiert wurden und als Reserve noch ein kleiner Benzintank an Bord ist. Erdgasfahrzeuge bieten sich aufgrund begrenzter Tankkapazitäten für mittlere Streckenlängen an.

Foto: Skoda

Autogasantrieb

Flüssiggas/Autogas, auch LPG (Liquefied Petroleum Gas) genannt, besteht aus fossilem Propan und Butan und fällt bei der Erdöl- und Erdgas-Förderung an. Unter geringem Druck von acht bis zehn Bar wird das Gas verflüssigt und in speziellen Drucktanks in oder unter dem Fahrzeug gelagert. Ähnlich wie bei Erdgasfahrzeugen müssen LPG-Anlagen und Tanks regelmäßig einer Gasanlagenprüfung unterzogen werden. Entsprechend umgerüstete Ottomotoren können sowohl mit Autogas als auch Benzin betrieben werden. Die Tankstellensituation stellt sich bei Autogas mit rund 6000 Säulen alltagstauglich dar.

Nachteil: LPG ist als Kraftstoff nur noch bis 31.12.2022 steuerbegünstigt. Eine Fortsetzung des Programms ist momentan nicht zu erwarten. Ab Werk bieten zudem nur noch Fiat, Dacia und Renault einige Modelle mit LPG-Technik an. Werkstätten rüsten aber auch weiterhin diverse Fahrzeug- und Motorentypen um. Bei der Nutzung von Autogas und Benzin eignen sich die Fahrzeuge auch für größere Reichweiten.

Foto: Dacia

Brennstoffzelle

Brennstoffzellenfahrzeuge haben einen Elektromotor und tanken Wasserstoff. Technisch betrachtet wandelt die Brennstoffzelle Wasserstoff in elektrische Energie um und treibt damit einen Elektromotor an. Als Emission entsteht lediglich Wasserdampf. Um tatsächlich klimaneutral zu fahren, müsste sogenannter grüner Wasserstoff getankt werden, bei dessen Herstellung Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz kommt. An rund 100 Tankstellen in Deutschland gibt es aber meist grauen Wasserstoff aus fossilen Brennstoffen. Der Tankvorgang selbst dauert nur wenige Minuten. Die Reichweite beträgt bei den einzig verfügbaren und hochpreisigen Modellen von Toyota und Hyundai über 500 Kilometer und macht die Fahrzeuge langstreckentauglich. BAFA-förderfähig ist nur der Toyota Mirai, da der Netto-Listenpreis des Basismodells die Grenze von 65.000 Euro nicht überschreitet.

Foto: Toyota
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