Gutes Sehvermögen im Straßenverkehr: Den Durchblick behalten

Eine Brille gleicht mangelndes Sehvermögen aus und hilft, sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Foto: stock.adobe.com/© dadima

Das Auge ist eines der wichtigsten Hilfsmittel des Menschen im Straßen­verkehr, denn rund 90 Prozent aller ­Sinneseindrücke werden hier darüber wahrgenommen. Umso wichtiger, dass sich Verkehrsteilnehmer darauf ­verlassen können. Doch die Verschlechterung des Sehens ist ein schleichender Prozess – und keinesfalls auf ein bestimmtes Alter beschränkt.

Eine nasse, spiegelnde Fahrbahn, die Fahrt in ­einen Tunnel, der Blickwechsel zwischen Straße, Spiegeln und Anzeigen, blendende Scheinwerfer – diese wenigen Beispiele zeigen, welch hohe Anforderungen das Autofahren an unsere ­Augen stellt. Zehn Millionen Informationen pro Sekunde nehmen diese Sinnesorgane auf und geben sie ans Gehirn weiter. „Der Sehnerv ist der zweitdickste Nerv überhaupt. Die Datenverarbeitung darüber ist immens“, sagt Dr. Ludger Wollring, Pressesprecher beim Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). Neben der Sehschärfe spielen laut Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen im Straßenverkehr auch Gesichtsfeld, Kontrastsehen, Motilität der Augen, Bewegungswahrnehmung und in der Dämmerung und Dunkelheit Dämmerungssehen und Blendempfindlichkeit eine wichtige Rolle.

Überschätzung des eigenen Sehvermögens
Wie weitverbreitet schlechtes Sehen ist, zeigt die Brillenstudie 2019/2020 des Instituts für Demoskopie Allensbach: Zwei von drei Menschen in Deutschland ab 16 Jahren tragen eine Brille, Tendenz steigend. Junge Menschen benötigen immer öfter eine Sehhilfe, da die Zeit am Bildschirm zunimmt, diese die Augen besonders herausfordert und es einigen an Tageslicht mangelt. Mit zunehmendem Alter steigt zudem das Risiko für die häufigsten Augenkrankheiten wie Grüner Star, altersabhängige Makuladegeneration und Grauer Star. Die Verschlechterung des Sehens ist ein schleichender Prozess. Der letzte Sehtest liegt bei vielen lange zurück – nicht selten wurden die Augen zuletzt beim Führerscheinsehtest überprüft.
Viele Autofahrer überschätzen laut Dr. Wollring das eigene Sehvermögen. Stichproben hätten gezeigt, dass etwa jeder dritte Autofahrer, der freiwillig an einer Testaktion an einer Raststätte teilnahm, nicht genug sah, um sicher Auto zu fahren. Auch eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) kommt zu dem Ergebnis, dass Unfallfahrer häufig ihre Sehleistung überschätzten. Ist die Sehschärfe reduziert, können Entfernungen und Geschwindigkeiten falsch beurteilt werden. Fahrten in Dämmerung und Dunkelheit können durch Schwierigkeiten beim Dämmerungssehen zum Blindflug werden. „Die nachlassende Sehkraft ist hinsichtlich der Unfallgefahr immer noch ein sehr unterschätzter Faktor“, sagt Dr. Wollring. Der BVA schätzt die Zahl der jährlich wegen mangelnder Sehleistung verursachten Unfälle auf 300000, belastbare Zahlen z. B. von der Unfallforschung der Versicherer gibt es hierzu jedoch nicht.

 

Immer mehr Deutsche tragen Brille: Überdurchschnittlich starke Zuwächse gab es laut Allensbach-Brillenstudie 2019/20 bei den 20- bis 29-Jährigen und den 30- bis 44-Jährigen (vier bzw. sechs Prozent Steigerung in fünf Jahren). Grafik: Kuratorium Gutes Sehen

Regelmäßiges Überprüfen der Augen
Anders als beispielsweise in Italien oder Spanien gibt es in Deutschland für Auto-, Motorrad- und Mopedfahrer keine Verpflichtung zu regelmäßig wiederholten Sehtests. Ausnahmen sind Fahrer für Personenbeförderung, von Lastwagen und Bussen (Führerscheinklassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E), die zum Teil alle fünf Jahre ihre Augen kontrollieren lassen müssen.
Dennoch sollten auch alle anderen Verkehrsteilnehmer regelmäßig ihr Sehvermögen überprüfen lassen, denn in der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) steht, dass jeder Fahrzeug­führer fahrtüchtig sein muss, wozu auch die Sehleistung gehört. Das umfasst eine zentrale Tagessehschärfe von mindestens 70 Prozent auf beiden ­Augen. Wer ohne Sehhilfe einen Unfall verursacht, wenn er das Gefühl hat, schlecht zu ­sehen, trägt mindestens eine Mitschuld und könnte den Führerschein verlieren. Mehrere Möglichkeiten für eine eigene erste Überprüfung haben wir unten zusammengestellt. Darüber hinaus empfiehlt Kerstin Kruschinski, Leiterin PR und Öffentlichkeits­arbeit beim Kuratorium für ­Gutes Sehen, Sehtests in folgenden Intervallen: „nach dem Führerscheinsehtest alle drei bis vier Jahre, bei bereits festgestellten Fehlsichtigkeiten jährlich, ab dem 40. Lebensjahr mit Einsetzen der Alterssichtigkeit alle zwei Jahre und ab 60 Jahren jedes Jahr“. Diese kann man je nach Situation beim Augenarzt oder Optiker machen.

Die Teilnahme am Straßenverkehr stellt hohe Anforderungen an die Augen. Fahrer mit Fehlsichtigkeiten sollten sie jährlich überprüfen lassen, alle anderen in regelmäßigen Abständen von einem bis vier Jahren. Foto: Zeiss

Eintrag in den Kartenführerschein
Im Rahmen des Führerscheinerwerbs werden benötigte Sehhilfen in den Kartenführerschein unter der Schlüsselnummer 01 (Sehhilfe) eingetragen. Der Fahrzeugführer ist damit verpflichtet, beim Fahren eine Brille oder Kontakt­linsen zu tragen. Tut er dies nicht, kann ein Verwarngeld in Höhe von 25 Euro fällig werden. Im Falle eines verschuldeten Unfalls können drei Punkte in Flensburg, höhere Geldstrafen, Fahrverbote und Freiheitsstrafen möglich werden.
Die Löschung des Vermerks im Kartenführerschein muss bei der Fahrerlaubnisbehörde beantragt werden, wenn sich die Augen zum Beispiel durch eine Operation verbessert haben. Hierfür ist das Gutachten eines unabhängigen Augenarztes nötig. Auskünfte dazu gibt die zuständige Behörde. Was viele nicht wissen: Wer erst Jahre nach der Führerscheinprüfung beginnt, schlecht zu sehen, und eine Sehhilfe benötigt, muss sich keinen neuen Führerschein ausstellen lassen, um die Sehhilfe nachtragen zu lassen. Ums Tragen der Sehhilfe kommt man dennoch nicht herum, da man für die Teilnahme am Straßenverkehr sicherstellen muss, dass man beim Fahren gut sieht.

So können Verkehrsteilnehmer ihre Augen selbst überprüfen

Nummernschild lesen: Wer das Nummernschild des vorausfahrenden Autos aus 50 Metern Entfernung
(entspricht in der Regel dem Abstand von zwei Leitpfosten am Straßenrand) lesen kann, dessen Sehschärfe ist in
Ordnung.
Sehtest machen: Sehtests für eine erste Überprüfung finden Sie unter www.seh-check.de.

Eine Untersuchung beim Optiker oder Augenarzt sollte spätestens dann stattfinden, wenn…

… man Verkehrszeichen, Schilder, Personen oder Fahrzeuge erst spät erkennt oder sie unscharf sind.
… andere Fahrzeuge wie aus dem Nichts auftauchen.
… Gefahrensituationen nicht oder erst im letzten Moment wahrgenommen werden.
… man nachts deutlich schlechter sieht als am Tag.
… Scheinwerfer besonders stark blenden.
… beim Autofahren der Kopf schmerzt oder man ständig gähnt.
… die Augen tränen oder schmerzen.
… akute Sehstörungen wie Augenflimmern, Lichtblitze oder Doppelbilder auftreten.

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