Drei Kleinwagen mit großem Potenzial

Peugeot 208, Opel Corsa und Renault Clio (v.l.n.r.) in einer Reihe, jeder mit 74 kW/100 PS leistendem Turbo­benziner unter der Haube. Foto: Thomas Schreiner

Mit immer mehr kompakten ­Varianten blasen die Automobilhersteller das SUV- Segment auf, das so stetig aufs Neue zum Höhenflug ansetzt. Trotzdem halten sich klassische Kleinwagen wacker in der Zulassungsstatistik. Wir haben uns drei Modelle mit ganz eigenem Charakter genauer angesehen.

Es ist ein Teufelskreis. Einerseits bröckelt manchem Hersteller die Modellpalette vom unteren Ende her weg, andererseits werden kleinere, sparsame Fahrzeuge gebraucht, um immer strengere Verbrauchs- und Schadstoffgrenzwerte einzuhalten. Bei kleinen Autos sind aber nicht nur Abmessungen, sondern auch Margen gering. Kostenintensive Spritspartechnik macht sie unrentabel.

Kleinstwagen wie Ford Ka oder Opel Karl sind diesem Umstand bereits zum Opfer gefallen. Andere stehen auf der Kippe. Der hohe Entwicklungsaufwand für weniger Schadstoffausstoß bedroht selbst die nächsthöhere Kaste der Kleinwagen. Wie diese fit für die Zukunft werden können, haben wir in der April-Ausgabe gezeigt: Elektrifizierung soll den Verbrauch senken oder für null lokale Emissionen sorgen.
Eine andere Strategie hilft, wenigstens an der Kostenschrau­be zu drehen. Dabei werden unterschiedliche Modelle auf eine standardisierte Plattform gestellt und viele gleiche Teile verwendet. Einen solchen Ansatz verfolgt der PSA-Konzern bei Peugeot 208 und Opel Corsa. Diesen beiden haben wir einen weiteren aktuellen Kleinwagen zur Seite gestellt: den neuen Renault Clio. Da für viele nach wie vor ein Verbrennungsmotor der passende Antrieb im Alltag ist, haben wir uns für jeweils 74 kW/100 PS leistende Turbobenziner mit Schalt­getriebe entschieden.

Noch immer beliebt

Mit 485.891 Neuzulassungen standen Kleinwagen im vergangenen Jahr bei uns auf Rang drei der Beliebtheitsskala, wenn auch klar hinter den SUV (762.490) und Autos der Kompaktklasse (737.985). Nach wie vor basiert die Popularität der Kleinen auf mehreren Faktoren: Sie bestechen durch Wendigkeit sowie wenig Platzbedarf auf der Straße und in Parklücken. Außerdem sind sie grundsätzlich preisgünstiger, lassen sich auf Wunsch aber opulent ausstatten. Was früher großen Klassen vorbehalten waren, ist heute auch in Kleinwagen verfügbar. Selbst bei der Sicherheit punkten sie: Der Clio wurde im Crashtest von EuroNCAP mit fünf Sternen dekoriert, Corsa und 208 immerhin mit jeweils vier.

Besonders interessiert haben uns City-Tauglichkeit, Platzangebot und Kosten. Letztere ­beinhalten die Versicherungsprämien für zwei Szenarien: als Erstwagen sowie als Zweitwagen in der Familie mit hinzukommendem Fahranfänger. Berechnet für die Kfz-Versicherung eines fiktiven ARCD-Mitglieds bei unserem Partner SIGNAL IDUNA (Zulassung in Mainz, SF-Klasse 17, 15.000 km/Jahr, Selbstbeteiligung VK/TK 300/150 Euro). Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat zudem exklusiv für uns durchschnittliche Vergleichskosten für einen kleinen und großen Kundendienst ermittelt.

Gefragt haben wir uns auch, wie sich die Kandidaten in der Stadt und beim Parken schlagen. Und was sie in Sachen Geräumigkeit, Ladeabteil und Verstaumöglichkeiten bieten. Aber lesen Sie selbst …

Opel Corsa 1.2 DI Turbo Elegance: Der Erwachsene

Auch wenn beim Corsa die Technik von PSA im Opel-Kostüm steckt, so haben es die Rüsselsheimer dennoch geschafft, dem mittlerweile Kleinsten der Flotte ihren typischen Charme einzuhauchen. Dabei ist der Corsa, der bereits den Zusatz F trägt, zum ersten Mal richtig erwachsen geworden. So wird jede Menge Technik und Ausstattung angeboten, die sonst den „Großen“ vorbehalten ist. Allem voran das unschlagbare Matrix-LED-Licht (700 Euro), das Straße und Umgebung bei Dunkelheit immer optimal ausleuchtet. Oder der serienmäßige rückenschonende Komfort-Fahrersitz, der sich dank sechsfacher Verstellmöglichkeit perfekt anpassen lässt. In unserem Testwagen verfügte dieser sogar über eine Massagefunktion (in Kombination mit Lederausstattung ab 1.400 Euro).

Platz ist im Corsa reichlich vorhanden, auch wenn der Komfort im Fond von der Größe der Passagiere in der ersten Reihe abhängt. Meistens können hinten aber zwei Erwachsene angenehm sitzen. Der Kofferraum ist mit 309 Litern geräumig und lässt sich durch die weit zu öffnende Heckklappe einfach beladen. Im Innenraum finden sich allerhand Ablagen für Münzen, Schlüssel, Becher und Flaschen sowie eine induktive Ladefläche fürs Smartphone (135 Euro).

Ausreichend Stauraum

Der Wendekreis des Corsa wird mit 10,3 Metern angegeben, zehn Zentimeter weniger als beim Bruder Peugeot 208 und dem Renault Clio. Einen Unterschied merkt man im Alltag kaum. Einparken und Wenden läuft ganz flüssig, da ist die optionale Rückfahrkamera (650 Euro) gar nicht unbedingt nötig. Trotz kleiner Heckscheibe ist die Übersicht super.

Nun zu den Zahlen: Mit einem Basispreis von 13.990 Euro hat der Rüsselsheimer nach dem Clio die zweitgünstigste Einstiegsvariante. 211,33 Euro kostet die kleine Inspektion, für die große müssen Corsa-Fahrer 375,85 Euro hinlegen – also preisgleich mit dem 208. Die Versicherung ist jedoch deutlich teurer als beim Franzosen: 611,56 Euro werden als Erstwagen fällig, als Zweit­wagen inklusive Fahranfänger 1010,17 Euro. Die Kfz-Steuer beläuft sich auf 108 Euro. 6,7 Liter Spritverbrauch sind nicht ohne, bei zurückhaltender Fahrweise sind aber unter sechs Liter möglich.

Die Heckklappe des Corsa öffnet weit, so lässt sich der Kofferraum angenehm beladen. Foto: Jessica Blank

Daten Opel Corsa 1.2 DI Turbo Elegance

Motor: 1,2-l-Dreizylinder-Turbobenziner, 74 kW/100 PS, 205 Nm bei 1750/min

Antrieb, Getriebe: Front, Sechsgang manuell

0–100 km/h, Spitze: 9,9 s, 194 km/h

Norm-/Testverbrauch: 5,8 l (WLTP)/6,7 l S

CO2-Ausstoß Norm/Test: 137/159 g/km

Länge x Breite x Höhe: 4,06 x 1,77/1,96 x 1,44 m

Radstand, Wendekreis: 2,54 m, 10,3 m

Kofferraum: 309–1081 l

Leergewicht, Zuladung: 1165 kg, 455 kg

Anhängelast: 1200 kg

Stützlast, Dachlast: 55 kg, 70 kg

Tankinhalt: 44 l

Typklassen KH/VK/TK: 14/20/16

Grund-, Testwagenpreis: 19.630 Euro, 26.730 Euro

Modell verfügbar ab: 13.990 Euro

Auswahl Basis-Serienausstattung: Sechs Airbags, Berganfahrhilfe, Bordcomputer, elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, Frontkollisionswarner mit Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, Tempomat, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitswarner, Isofix auf Außenplätzen hinten

Eine Rückfahr­kamera ist optional verfügbar, braucht man dank guter Übersicht aber nicht zwingend. Foto: Jessica Blank

Peugeot 208 Puretech 100 Allure: Der Unkonventionelle

Dass sich Peugeot 208 und Opel Corsa die Plattform teilen, fällt beim Blick auf die schicke Karosserie gar nicht auf. Anders als im Corsa geht es auf dem vorderen Gestühl des 208 allerdings beengter zu – jedenfalls für groß gewachsene Menschen. Bereits von anderen Peugeot-Modellen kennen wir das ungewöhnlich tief platzierte Lenkrad. Beim 208 verdeckt es teilweise sogar den Blick auf die volldigitalen Instrumente (serienmäßig ab der dritten Ausstattungsstufe Allure). Niedriger eingestellt liegt es auf den Beinen auf. Weiterer Nachteil: Statt den Lenkradkranz in der empfohlenen  Viertel-vor-Drei-Stellung zu umfassen, also rechts und links des Pralltopfes, liegen die Hände während der Testfahrt häufig im oberen Drittel an, sodass wir bei Kurvenfahrten ein ums andere Mal umgreifen müssen.

Bei einem Wendekreis von nur 10,4 Metern fühlt man sich mit dem wendigen 208 in engen Gassen aber pudelwohl. Beim Abbiegen und Rangieren wird die Sicht nach hinten allerdings durch die breite C-Säule erschwert.

Viele Ablagen

Abhilfe schafft die empfehlenswerte und optional im City-Paket (280 Euro) enthaltene Rückfahrkamera, zu der sich noch eine hintere Einparkhilfe gesellt. Anders als der Clio geizt der 208 nicht mit Ablagen. Flaschen können in den Türfächern und zwei Cup-Holdern in der Mittelkonsole wackelfrei deponiert werden. Kleinkram passt in allerlei Ablagen, Größeres kommt ins Handschuhfach. Kleinwagentypisch kann man auf der Rückbank keine üppigen Platzverhältnisse erwarten, zwei Erwachsene reisen dennoch bequem. Und Singles oder Pärchen dürften mit zwei kleinen Koffern im glattflächigen Gepäckraum (309 Liter) auch zurechtkommen.

Thema Kosten: Durchschnittlich 211,33 Euro für die kleine und 375,85 Euro für die große Inspektion erfreuen den Sparfuchs. Auch bei der Versicherung lacht das Herz: Erstwagen 424,26 Euro, Zweitwagen plus Fahr­anfänger 732,15 Euro. Mit 82 Euro ist die Kfz-Steuer zudem noch preiswert. Der Testverbrauch von 7,1 Litern trübt das Bild, auf der Autobahn ließ sich dieser aber noch auf rund sechs Liter drücken.

Das unkonventionell geformte Cockpit verwöhnt mit französischem Charme. Das tief platzierte Lenkrad ist aber gewöhnungsbedürftig. Foto: Wolfgang Sievernich

Daten Peugeot 208 Puretech 100 Allure

Motor: 1,2-l-Dreizylinder-Turbobenziner, 74 kW/101 PS, 205 Nm bei 1750/min

Antrieb, Getriebe: Front, Sechsgang manuell

0–100 km/h, Spitze: 9,9 s, 188 km/h

Norm-/Testverbrauch: 5,2 l (WLTP)/7,1 l S5,8 l (WLTP)/6,7 l S

CO2-Ausstoß Norm/Test: 124/169 g/km

Länge x Breite x Höhe: 4,05 x 1,75/1,96 x 1,43 m

Radstand, Wendekreis: 2,54 m, 10,4 m

Kofferraum: 309–1004 l

Leergewicht, Zuladung: 1165 kg, 430 kg

Anhängelast: 1200 kg

Stützlast, Dachlast: 55 kg, 70 kg

Tankinhalt: 44 l

Typklassen KH/VK/TK: 15/22/18

Grund-, Testwagenpreis: 20.400 Euro, 22.970 Euro

Modell verfügbar ab: 15.490 Euro

Auswahl Basis-Serienausstattung: Sechs Airbags, Berganfahrhilfe, Bordcomputer, elektrische Fensterheber vorne, manuelle Klimaanlage, Radio, Tempomat, Notbremsassistent, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitswarner, Isofix auf den Außenplätzen hinten, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung

Die breite C-Säule verdeckt die Sicht nach hinten. Insbesondere beim Abbiegen und Rangieren ist Vorsicht geboten. Foto: Wolfgang Sievernich

Renault Clio TCe 100 Experience: Der Geräumige

Wie Opel Corsa und Peugeot 208 ist auch der Renault Clio ein echter Fünftürer, nur dass sich die flachen Hebel zum Öffnen der Fond-Portale fast unsichtbar im Fensterknick auf Höhe der C-Säule verbergen. Dieser Kniff verleiht dem Clio die schicke Optik eines Dreitürers, erweist sich aber als unpraktisch, da man beim Öffnen schnell abrutscht.

Positiv fällt dagegen das großzügige Raumangebot für Fahrer und Beifahrer auf. Das klar strukturierte Cockpit unterstützt dieses Empfinden. Auch die Ergonomie passt, vorne bietet der Clio mehr Kopffreiheit als manche Mittelklasse­limousine. Trotz großer Fächer in den vorderen Türtafeln sind aber die Ablagemöglichkeiten im Vergleich zu Corsa oder 208 insgesamt reduzierter.

Spürbar knapper als vorne fällt das Platzangebot auf der serienmäßig im Verhältnis 1/3 zu 2/3 geteilten Rückbank aus. Zwei Erwachsene fahren hier trotzdem bequem auf längeren Strecken mit. Drei tolerieren es vielleicht, sich für kurze Wege durch die Stadt hinten zusammenzuquetschen. Großzügig dimensioniert ist dafür der mindestens 340 Liter fassende, glattflächige Kofferraum, der aber auf Verstaumulden für Kleinkram verzichtet.

Viel Platz, hohe Kosten

Apropos Stadt. Dort gibt sich der Clio wendig, obwohl er den im Dreiervergleich größten Radstand ausweist. Rangieren klappt dank leichtgängiger Lenkung stressfrei, Kupplung und Gas lassen sich fein dosieren. Dass in unserem Testwagen weder eine Rückfahrkamera (ab Ausstattung Intense ab 400 Euro im Paket) noch ein aktives Parksystem (ab 600 Euro im Paket) installiert waren, ließ sich verschmerzen. Die Kombination aus viel Fensterfläche und akustischem Abstandswarner hinten reichte für berührungsfreies Ein- und Ausparken aus. Selbst der Sensorkasten am Innenspiegel störte im Clio weniger den Blick nach draußen als im Corsa oder 208. Lediglich die Sicht nach schräg hinten ist durch die steil ansteigende Fensterlinie eingeschränkt.

Zum Schluss der Kostencheck: Im Schnitt 257,65 Euro für den kleinen und 479,45 Euro für den großen Kundendienst sind üppig, ebenso die Vollkaskobeispiele (Erstwagen: 595,97 Euro;  Zweitwagen plus Fahr­anfänger: 1008,27 Euro). Günstig sind 66 Euro Kfz-Steuer. Annehmbar der Praxisverbrauch von sechs Litern, eine Fünf vor dem Komma ist aber drin.

Im Antritt zäher Vierzylinder mit einem Liter Hubraum im Clio. Nur fünf manuelle Gänge erfordern außerorts häufiges Runterschalten. Foto: Thomas Schreiner

Daten Renault Clio TCe 100 Experience

Motor: 1,0-l-Vierzylinder-Turbobenziner, 74 kW/100 PS, 160 Nm bei 2750/min

Antrieb, Getriebe: Front, Fünfgang manuell

0–100 km/h, Spitze: 11,8 s, 187 km/h

Norm-/Testverbrauch: 5,0 l (WLTP)/6,0 l S

CO2-Ausstoß Norm/Test: 118/143 g/km

Länge x Breite x Höhe: 4,05 x 1,80/1,99 x 1,44 m

Radstand, Wendekreis: 2,58 m, 10,4 m

Kofferraum: 340–1096 l

Leergewicht, Zuladung: 1165 kg, 438 kg

Anhängelast: 900 kg

Stützlast, Dachlast: 63 kg, 80 kg

Tankinhalt: 42 l

Typklassen KH/VK/TK: 17/18/18

Grund-, Testwagenpreis: 16.440 Euro, 19.040 Euro

Modell verfügbar ab: 12.990 Euro

Auswahl Basis-Serienausstattung: Sechs Airbags, Berganfahrhilfe, Bordcomputer, elektrisch verstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, Isofix auf den Außenplätzen hinten, Lichtsensor, Notbremsassistent mit Fußgänge­rerkennung, Spurhalteassistent, Tempomat, Verkehrszeichenerkennung, Voll-LED-Scheinwerfer

Wegen des hohen Heckabschlusses (rechts) sitzt die Kofferraumkuhle tief in der Karosserie. Foto: Thomas Schreiner
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