Autokauf: Bar oder in Raten zahlen?

Barzahler sind beim Neuwagenkauf in der Minderheit. Das niedrige Zinsniveau macht Fremdfinanzierungen für Käufer attraktiv. Foto: stock.adobe.com/© GaiBru Photo

Beim Autokauf spielt die Frage nach der Bezahlung eine tragende Rolle. Soll der Neue aus eigenen Mitteln oder durch Aufnahme eines Kredits finanziert werden? Wann sich als Alternative auch Mietformen wie Leasing oder das Auto-Abo rechnen, stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

Die Deutschen geben immer mehr Geld für den Autokauf aus.  Gründe dafür sieht die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) in gestiegenen Listenneupreisen, teuren Fahrerassistenzsystemen und den bei Autofahrern beliebten, aber auch kostspieligeren SUV. So investierten private Käufer in Deutschland im Jahr 2020 durchschnittlich 36.340 Euro in einen Neuwagen. 2015 waren es noch fast 8000 Euro weniger (28.590 Euro). Dass Käufer bereit sind, diese Summen in Neuwagen zu investieren, liegt laut DAT auch am Finanzierungsverhalten: Die Zinsen sind auf einem historisch niedrigen Niveau und das Interesse, Produkte generell fremdzufinanzieren, ist hoch. Daher spiele bei einem finanzierten Auto der Kaufpreis eine deutlich geringere Rolle bei der Kaufentscheidung, als wenn der Pkw aus Eigenkapital bezahlt werden müsste. Laut DAT wurden Neuwagen 2020 von privat zu 62 Prozent ganz oder teilweise per Kredit finanziert, 22 Prozent geleast und 16 Prozent bar bezahlt.

Dabei ist der Barkauf für private Käufer immer noch am günstigsten. Wie die Verbraucherzentrale Bayern rät, lassen sich beim Barkauf je nach Modell, Region, Jahreszeit und eigenem Verhandlungsgeschick erhebliche Preisnachlässe erzielen. Die Fremdfinanzierung über Banken und Leasinggesellschaften dagegen erzeuge meist zusätzliche Kosten. Ausnahme: Sollte bei angelegtem Geld der Anlagezins höher als der zu zahlende Kreditzins ausfallen, könnte auch eine Fremdfinanzierung lohnen. Wie die Verbraucherschützer allerdings einschränken, dürfte diese Konstellation bei dem derzeitig niedrigen Zinsniveau nur selten vorkommen. Nicht jeder Haushalt kann oder will aber eine hohe Summe aus Barmitteln für den Autokauf festlegen.

Je nach Modell, Region, Jahreszeit und eigenem Verhandlungsgeschick lassen sich beim Barkauf erhebliche Rabatte erzielen. Foto: stock.adobe.com/© lovelyday12

Bei der Fremdfinanzierung mittels Kredit haben Verbraucher die Wahl, ob sie das Fahrzeug über die Hausbank, ein anderes Kreditinstitut oder die Bank des Automobilherstellers finanzieren lassen wollen. In diesen Fällen schließt der Darlehensnehmer mit einem Unternehmen als Darlehensgeber einen sogenannten entgeltlichen Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrag ab.

Soll der Kredit über die Hausbank abgeschlossen werden, fallen zwar meist höhere Zinskonditionen als bei einer Autobank an, dafür tritt der Kunde beim Autohaus als Barzahler auf und kann auf den Kaufpreis eventuell noch Rabatte aushandeln. Gibt er sein Altfahrzeug in Zahlung, lassen sich Kreditbetrag und Zinsaufwand weiter reduzieren. Laut Verbraucherzentrale Bayern lohnt der Vergleich der Konditionen, da der Rabatt den niedrigeren Zins einer Autobank schnell wettmachen könne.

Ob Hausbank oder ein anderes Kreditinstitut: Wichtig ist, den effektiven Jahreszins, der alle Kosten und Gebühren beinhaltet, Laufzeit und die Gesamtkosten des Kredits im Auge zu behalten. Die Laufzeit beeinflusst neben den Zinsen, wie teuer ein Kredit wird. Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Laufzeit, desto geringer fällt der effektive Jahreszins aus. Je länger die Laufzeit, desto höher ist der effektive Jahreszins. Die Laufzeit hat zudem Einfluss auf die absoluten Kreditkosten. So sind Darlehen mit längerer Laufzeit meist teurer als Kredite, die schnell abbezahlt werden. Um den Jahreszins und die Kreditkosten zu senken, sollte die Laufzeit des Kredits deshalb so kurz wie möglich ausfallen, aber doch ausreichend lange, um das Haushaltsbudget nicht über Gebühr zu strapazieren.

Obacht, wenn Banken mit besonders günstigen Konditionen werben: Meist finden sich im Kreditantrag teure Zusatzpakete zu Arbeitslosigkeits- oder Restschuldversicherungen, deren Kosten nicht im effektiven Jahreszins enthalten sind! Die Versicherungen springen ein, wenn der Schuldner seine Raten nicht mehr zahlen kann. Wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Umfragen herausgefunden hat, lehnen aber viele Versicherer ab, auch wirklich zu zahlen. Die Ablehnungsquoten bei Arbeitslosigkeitsversicherungen beträgt in der Spitze bis zu 66 Prozent. Verbraucher sollten sich also überlegen, ob sie die teuren Versicherungen wirklich abschließen wollen. Das Problem: Über die Hälfte der befragten Verbraucher hätte laut Bafin ohne den Abschluss entweder gar keinen Kredit bekommen oder höhere Zinsen zahlen müssen. Der unterschriebene Vertrag kann ohne Angaben von Gründen aber innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden. Bei lebensversicherungsrechtlichen Risiken, also dem Todesfall, gilt ein Widerrufsrecht von 30 Tagen.
Neben herkömmlichen Banken gibt es auch sogenannte Autobanken. Dabei handelt es sich entweder um Tochtergesellschaften der Automobilhersteller oder um herstellerunabhängige Direktbanken.

Niedrige Zinsen bei Herstellerbanken

Vorteil für den Kunden: Die Autofinanzierung kann gleich im Autohaus abgeschlossen werden. Herstellerbanken locken mit niedrigen Zinsen für festgelegte Automodelle oder mit Finanzierungspaketen, in denen beispielsweise Autoversicherungen enthalten sind. Dabei gilt es aber nicht nur auf die Kosten, sondern auch auf die Versicherungsleistungen zu achten. Wichtigstes Kriterium: Eine Auto­versicherung sollte im Schadenfall immer ausreichend Deckung bieten. Vorsicht bei Angeboten, die nur eine Mindestdeckung enthalten. Kommt es zu einem Unfall, muss der Unfallverursacher eventuell die Differenz der entstandenen Sach- und Vermögensschäden aus eigener Tasche bezahlen. Stiftung Warentest empfiehlt Deckungs­summen zwischen 50 und 100 Millionen Euro. So hohe Schäden seien zwar selten, kämen aber vor. Für Personenschäden sollte die Deckungs­summe pro geschädigter Person zwischen zwölf und 15 Millionen Euro liegen.  

Wer später Eigentümer des Pkw werden will, könnte einen Ratenkredit wählen, bei dem sowohl ein fest vereinbarter Zins als auch und eine feste Laufzeit vereinbart wird. Die Rückzahlung erfolgt in monatlich gleichen Raten. Zu unterscheiden ist zwischen einem zweckgebundenen und einem zweckungebundenen Ratenkredit. Vorteil des zweckungebundenen Kredits: Das geliehene Geld kann für verschiedene Dinge ausgegeben werden. Bei einem zweckgebundenen Ratenkredit, etwa für einen Autokauf, muss der Verbraucher dagegen festlegen, wofür das Geld bestimmt ist. Die Zinskonditionen sind dafür meist günstiger. Laut Bafin ist bei Auto-Finanzierungen eine Sicherungsübereignung üblich. Dabei überträgt der Kunde das rechtliche Eigentum an dem neu angeschafften Auto der Bank. Er kann es uneingeschränkt nutzen, darf es aber erst verkaufen, wenn er den Kredit abgelöst hat.

Skepsis ist bei Null-Prozent-Finanzierungen angeraten. In diesem Fall handelt es sich um Ratenkredite mit fester Laufzeit und Ratenhöhe, jedoch ohne Zinsbelastung für den Kreditnehmer. Klingt attraktiv, hat aber Nachteile. Wie die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt, könnten die beworbenen Produkte bei anderen Anbietern günstiger sein. Zudem gäbe es nur geringe Verhandlungsmöglichkeiten über den Kaufpreis.

Geringe Raten kontra hoher Schlusszahlung

Ein weiteres Finanzierungsmodell von Autobanken ist der Ballonkredit, bei dem der Käufer eine Anzahlung leistet, über die Laufzeit sehr geringe monatliche Raten zahlt und am Ende eine hohe Schlussrate aufbringen muss. Laut der Verbraucherzentrale Bayern kann diese zwischen zehn und 65 Prozent der Darlehenssumme betragen. Wer dann nicht zahlen könne, müsse sich eine – meist teurere – Anschlussfinanzierung besorgen.

 

Obacht, wenn Banken mit besonders günstigen Konditionen werben: Meist finden sich im Kreditantrag teure Zusatzpakete zu Arbeitslosigkeits- oder Restschuldversicherungen, deren Kosten nicht im effektiven Jahreszins enthalten sind! Foto: stock.adobe.com/© pathdoc

Ähnlich funktioniert die Drei-Wege-Finanzierung. Hier hat der Kreditnehmer nach einer Anzahlung und niedrigen Raten, die meist keine oder nur eine geringe Tilgung der Kreditsumme beinhalten, am Ende die Wahl zwischen drei Optionen: Punkt 1: Er bezahlt die hohe Schlussrate und wird Eigentümer des Fahrzeugs. Doch aufgepasst: Um die Summe aufbringen zu können, sollte sich der Kreditnehmer frühzeitig über die Zahlungsweise im Klaren sein. Steht zum Laufzeitende die Auszahlung einer Kapitallebensversicherung an oder ist der Betrag eines Festgeldkontos frei? Kreditnehmer sollten sich nicht nur von niedrigen Monatsraten blenden lassen. Punkt 2: Der Kreditnehmer finanziert die Abschlusszahlung mit einer Anschlussfinanzierung. Doch Obacht: Im Laufe der Zeit wird das Auto immer älter, sodass der Verbraucher neben den laufenden Kosten der Kreditfinanzierung auch mehr Geld für Wartung und Verschleiß einrechnen muss. Punkt 3: Er gibt das Fahrzeug an den Händler zurück. Dafür muss sich der Wagen in einem schadenfreien und gepflegten Zustand befinden. Kommt ein Gutachter aber auf einen geringeren Restwert, muss der Kreditnehmer eine Nachzahlung akzeptieren.   

Auf unterschiedliche Leasingarten achten

Im Gegensatz zum Kauf kann der Kunde ein Fahrzeug auch leasen und darf es gegen Gebühr nutzen. Anders als beim Gewerbeleasing können Privatpersonen die Raten aber nicht von der Steuer absetzen. Generell ist zwischen direktem und indirektem Leasing zu unterscheiden: Bei Ersterem sind Händler oder Hersteller selbst Leasinggeber. Beim indirekten Leasing ist der Leasinggeber meist eine mit dem Händler oder Hersteller verbundene Autobank. Anders als beim Kredit stellt nicht der Kaufpreis, sondern der Listenpreis die Berechnungsgrundlage für die Leasingrate des Autos dar. Im Wesentlichen werden auf dem Markt zwei Leasing-Varianten angeboten: Kilometerleasing und Restwertleasing.

Bei Leasingverträgen mit Kilometerbegrenzung wird bei Vertragsschluss eine Kilometerleistung für eine bestimmte Laufzeit vereinbart. Überschreitet der Leasingnehmer diese, muss er die Mehrkilometer nachzahlen. Laut der Plattform Leasingmarkt liegen die Kosten pro Mehrkilometer zwischen fünf und 15 Cent. Praktisch: Viele Verträge verfügen über Toleranzen von 2500 Kilometern über oder unter dem Limit, sodass Leasinggeber auf einen finanziellen Ausgleich verzichten. Beim Restwertleasing basiert die monatliche Rate dagegen auf dem bereits zu Beginn des Leasings ermittelten Fahrzeugrestwert. Dabei gilt laut Leasingmarkt: Je höher der ermittelte Restwert, desto niedriger die monatliche Leasingrate. Das Problem: Liegt der tatsächliche Restwert des Pkw am Ende der Laufzeit unter dem vom Gutachter ermittelten Wert, muss der Leasingnehmer die Differenz bezahlen.

 

Bei der Drei-Wege-Finanzierung und dem Leasing darf die Abnutzung des Fahrzeugs ein normales Maß nicht überschreiten. Ein Gutachter kalkuliert am Laufzeitende den Restwert. Foto: stock.adobe.com/© GaiBru Photo

Monatliche Pauschale deckt fast alle Kosten

Wer ein Auto weder kaufen noch leasen will, kann es auch abonnieren. Beim Auto-Abo handelt es sich wie beim Leasing um eine Mietform. Angeboten wird es von Autoherstellern, Vermittlern, Start-ups und Leasingfirmen. Der Nutzer zahlt an den Anbieter für einen neuen Pkw eine monatliche Pauschale, die alle Kosten außer Sprit oder Strom abdeckt. Wartung, Verschleiß, saisonale Bereifung, Garantie, Zulassung, Kfz-Steuer, Vollkasko-Versicherung und Hauptuntersuchung sind im Preis inbegriffen.

Laut Autoscout24 beginnen die Preise für einen Kleinstwagen bei 179 Euro im Monat. Auf der Plattform like2drive gibt es einen kompakten Seat Leon ab 339 Euro, ein elektrischer Mercedes EQA kostet 499 Euro. Je nach Anbieter bucht der Nutzer Laufzeiten von einem bis zu 24 Monaten. Verlängert werden kann der Vertrag nur einmal um weitere zwölf Monate. Üblich sind Kilometerpakete. Mehrkilometer kosten bis zu 25 Cent extra. Minderkilometer werden aber nicht erstattet.
Vorteile des Auto-Abos: Die Vertragslaufzeit wird nicht automatisch verlängert. Je nach Anbieter und Laufzeit kann während des Vertrags zudem das Fahrzeugmodell gewechselt werden.

Stolperfallen: Neben der Pauschale werden oftmals zusätzliche Kosten für Anlieferung, Anmeldung oder Kaution fällig. Negative Schufa-Einträge sind ein Ausschlussgrund. Der eigene Schadensfreiheitsrabatt kann bei der Kfz-Versicherung nicht berücksichtigt werden. Die Selbstbeteiligung liegt je nach Anbieter zwischen 500 und 1000 Euro. Fahrer unter 21 oder über 75 Jahren bleiben überdies oftmals außen vor.

Das Auto-Abo steht in der Regel nur für Autofahrer mit einem Mindestalter von 21 bis zu einem Höchstalter von 75 Jahren zur Verfügung. Foto: stock.adobe.com/© djile
Notruf
Ihre ARCD Notfall Rufnummer:

Aus dem Inland:

0 98 41 / 4 09 49

Aus dem Ausland:

+49 98 41 / 4 09 49

24 Stunden erreichbar.

Für Sie erreichbar

Für alle Fragen rund um die ARCD Mitgliedschaft steht Ihnen unser Service-Team in der ARCD Clubzentrale (Montag bis Freitag von 08.00 bis 19.00 Uhr und an Samstagen von 09.00 bis 14.00 Uhr) gerne zur Verfügung.

0 98 41 / 4 09 500

Fax: 0 98 41 / 4 09 264
E-Mail: info@arcd.de