Auf (Natur-)Schatzsuche: Familienurlaub in der Region Hall-Wattens

Diese Schätze haben Kinder während der Reise gesammelt (v. r. n. l.): Schwarzbeeren, selbstgebackenes Brot, Salzstein, Zirbenholzkugel, Münze und Kristallstein. Foto: Bettina Glaser

In der familienfreundlichen Region Hall-Wattens vor den Toren Innsbrucks können Eltern und ­Kinder leckere, lebendige, ­wertvolle und ungewöhnliche Schätze ent­decken. Und den ein oder anderen sogar selbst herstellen. Eine Inspiration für einen Familienurlaub mit vielen Möglichkeiten draußen in der Natur.

Die meisten Erwachsenen wären achtlos daran vorbeigegangen, hätten vielleicht noch die Nase gerümpft oder zumindest einen großen Bogen außen herum gemacht. Der braune Fladen liegt vor uns auf dem Waldboden, oben schon etwas angetrocknet. Wir sind bereits ein gutes Stück durch den Wald am Glungezer hoch über dem Inntal in Tirol gewandert, als der fünfjährige Jonas genau vor diesem Fladen wie angewurzelt stehen bleibt. Die Spuren dorthin – zwei längliche Abdrücke nebeneinander, die sich auf dem feuchten Waldboden gut abzeichnen – hat er schnell entschlüsselt: „Da waren Kühe“, ruft er begeistert. Wenn wir still sind, können wir sie sogar hören: In der Ferne klingen leise ihre Glocken. Natürlich muss der gerade gefundene Schatz genauestens mit einem Stock untersucht werden – genauso wie die folgenden. Aus der Wanderung wird eine spannende Schnitzeljagd nach den Kühen auf der Alm.

Essbare und giftige Besonderheiten
Sie zu Gesicht zu bekommen, ist an diesem Tag dennoch gar nicht so einfach. Stattdessen entdecken die Kinder Ameisen, die Nadeln in vielen Arbeitsstunden zu einem riesigen Hügel zusammengetragen haben. Und knallrote Fliegenpilze – wie aus einem Märchenwald. Mit ihren weißen Punkten stehen sie nebeneinander wie eine fünfköpfige Familie, die sich gerade zum Fotografieren aufgestellt hat. Die zweijährige Leonie wiederholt andächtig immer wieder: „Nicht essen!“. Eine wichtige Botschaft – hatte sie sich zuvor doch noch mit leckeren Naturschätzen am Wegesrand den Bauch vollgeschlagen. Walderdbeeren und Schwarzbeeren wachsen hier nämlich in Hülle und Fülle.

 

Der Tisch der Natur am Glungezer ist reich gedeckt, denn allerlei Beeren laden zum Naschen ein. Die Fliegenpilze sind zwar hübsch anzusehen, probieren sollte sie allerdings keiner. Foto: Bettina Glaser

Mit einer Schatzkarte in den Kugelwald
Beim Gasthaus Halsmarter an der Mittelstation grasen zwar keine Kühe, jedes Kind bekommt aber dank der Schatzkarte, wie in der Region Hall-Wattens die Gästekarte genannt wird, kostenlos eine fast handballgroße Holzkugel geliehen (Kaution: 8 Euro). Sie ist aus dem für die Region typischen Zirbenholz gefertigt. Und sie entpuppt sich hier oben auf 1560 Metern Seehöhe als wahrer Schatz, kann man mit ihr auf einem schattigen Gelände im Hochwald doch schier grenzenlose Abenteuer erleben. Für den Kugelwald wurde nämlich in Handarbeit aus Zirbenholz eine riesige, 500 Laufmeter umfassende Kugelbahn gebaut. Sie sorgt mit zahlreichen, teils mannshohen Stationen auf 8000 Quadratmetern für viel Freude bei den kleinen und großen Besuchern. Ein Seillift oder Schrägaufzug bringt den Holzball an den Start. An der Station Bumerang verlieren Eltern und Kinder die Kugel kurz aus den Augen, bevor sie wie bei der gleichnamigen Wurfwaffe über eine Holzspur wieder zum Ausgangspunkt zurückrattert. Mancherorts wartet sie anschließend schon an der nächsten Bahn auf den erneuten Schwung des Kugelrollers. An der Station Kugelklang bringt sie Glöckchen zum Klingen. Bei so vielen Eindrücken wäre die Suche nach den Kühen fast in Vergessenheit geraten – bis sich kurz vor der Talfahrt mit der 2019 eröffneten  Zehnergondel-Bahn nur wenige Meter entfernt dann doch noch eine Herde auf der sommergrünen Skipiste zeigt.

Riesige, aus Zirbenholz gebaute Kugelbahnen verwandeln den Hochwald am Glungezer in eine beeindruckende Erlebniswelt. Foto: Bettina Glaser

Alte Rassen und Sorten als Kostbarkeiten
Einfacher hat man es mit der Kuhsuche am Sturmhof, dem Bio-Bauernhof von Margit und Andreas Schwaiger in Volderwald. Die Pinzgauer Rinder – eine gefährdete Rasse – grasen gleich hinter dem Bauernhof auf einer großen Weide. Hier entscheiden die Tiere tagsüber selbst, ob sie draußen bleiben oder lieber im Stall stehen. „Wir leben das Bio wirklich, auch wenn die Auflagen zach sind“, sagt Margit zu den strengen Vorschriften. Seit mehr als zehn Jahren bauen die Schwaigers auch die alte Getreidesorte Steiners Roter Tiroler Kolbendinkel an. Den verarbeitet die Bäuerin regelmäßig gemeinsam mit ihren Feriengästen zu Brot nach einem alten Rezept ihrer Großmutter. „Mir ist es wichtig, dass Kinder sehen und lernen, wie Brot entsteht“, erzählt sie. Der Holzbackofen wird mit Zirbenholz geschürt. Die Kleinen packen gerne mit an, kneten das Mehl mit Hefe, Zucker und lauwarmer Milch. Dazu kommen Kümmel, Fenchel, Koriander, Sesam und Sonnenblumenkerne. Der Teig blubbert leise vor sich hin. „Hört ihr’s?“, fragt Margit. „Es ist ganz wichtig, dass viel Luft reinkommt.“ Während die Masse in 20 runden Körben geht, dürfen die Kids Andreas in seiner Werkstatt beim Drechseln eines Schälchens aus Zirbenholz über die Schulter schauen und selbst Hand anlegen.
Zurück in der Backstube: Die Bäuerin schießt das Brot in den 280 Grad heißen Ofen ein. Gut, dass der Stiel der Ofenschaufel so lang ist, denn so darf auch der Bäckernachwuchs wieder mitmachen. Nach einer halben Stunde sind die Laibe fertig – und die Kleinen stolz auf ihre duftende Leckerei. Bäuerin Margit hält ein paar Scheiben zum Probieren mit frischer Butter bereit. Mmmh, lecker!

Auf der Weide des Bio-Bauernhofs Sturmhof grasen Pinzgauer Rinder. Foto: Bettina Glaser

Auf Riesenjagd mit den Schätzen der Natur
Frisch gestärkt begeben wir uns auf dem Piepmatzweg in Wattens auf die Spuren der Legende vom Vögelsberg. Ein Riese lebt oben am Glotzen, der andere auf der anderen Seite des Inntals am Walderjoch. Beim Spielen warfen die beiden Steine hin und her und zerstörten dabei aus Versehen das Nest der Piepmatze, so die Legende. Durch einen Hasenbau tauchen die kleinen Entdecker ein in die Geschichte und helfen den Piepmatzen, ein neues Nest zu bekommen. „Pst, seid leise, damit uns der Riese nicht hört“, ermahnt ein Junge die anderen Wanderer und schleicht besonders leise an dem übergroßen Riesen aus Holz im Wald vorbei. Zwölf Stationen, die zum Spielen mit den Schätzen der Natur einladen, sorgen für Spaß und Abwechslung. Kinder werfen Tschurtschen, also Zapfen, auf Schilder mit Riesen, spielen mit Steinen Tic, Tac, Toe und fühlen sich beim Flying Piepmatz wie ein fliegender Vogel mit Blick übers Tal. Für Kinderwagen ist die rund zweistündige Wanderung zwar nicht geeignet, aber auch kleine Kinder können die mit Piepmatz-Holzschildern gekennzeichneten zwei Kilometer schon bewältigen. Da die Wanderung meist durch den Wald führt, lässt es sich hier auch an heißen Tagen gut aushalten.

 

Wundermittel von den Wiesen
Noch erfrischender ist es im Hochsommer ein paar Kilometer weiter im Halltal, wo sich Einheimische und Urlauber zwischen den großen Steinen im klaren Wasser des Halltalbachs abkühlen. Mit Claudia Pyka begeben wir uns wieder einmal auf die Suche: diesmal nach aromatisch duftenden und heilenden Schätzen. Die ausgebildete Kräuterpädagogin zeigt uns in diesem Teil des Naturparks Karwendel Pflanzen wie den Breitwegerich. „Das ist ein Erste-Hilfe-Pflaster der Natur“, sagt sie und deutet auf die Blätter. Auf eine wunde Stelle gelegt verhindern diese laut der Expertin Reibung. Und sie kühlen eine Blase. Doch damit nicht genug. Die jungen, grünen Fruchtstände seien außerdem Power-Müsli-Riegel. Wir sammeln fleißig Kräuter, kosten neugierig und staunen immer wieder über die Wundermittel. Irgendwann breitet Claudia Pyka ihre Decke aus: „Jetzt können wir ein bisschen jausnen.“ Die Kinder schneiden die gesammelten Kräuter klein, mischen sie mit Pfeffer und Salz unter Quark, der hier Topfen genannt wird, und genießen die Fundstücke aus der Umgebung. Immer wieder flattern Schmetterlinge vorbei. „Dass es hier so viele gibt, ist ein gutes Zeichen. Die Natur ist hier noch in Ordnung“, stellt Claudia Pyka fest.

Die gesammelten Schätze einer Kräuterwanderung mit Kräuterpädagogin Claudia Pyka durchs Halltal schneiden und mischen Kinder unter Topfen. Fertig ist eine selbstgemachte Jause für eine Pause am Wegesrand. Foto: Bettina Glaser

Weißes Gold im Halltal
Wir erfahren von der Kräuterexpertin, dass sich hier im salzreichen Halltal bis 1967 Arbeiter im Bergwerk mühten, um Salz zu gewinnen. Rund 700 Jahre lang wurde das weiße Gold ausgewaschen, was der neun Kilometer entfernten Stadt Hall Reichtum bescherte. Mehr über die gefährliche Arbeit der Knappen, um den Schatz des Mittelalters zu bergen, und die Geschichte des Salzbergbaus in der Region lernen Gäste im Bergbaumuseum in Hall, einem Salzbergwerk im Kleinformat mitten in der Stadt. Es vermittelt den Eindruck, selbst unter Tage zu sein. Hier dürfen Kinder die Rutsche, welche die Bergleute früher benutzten, ausprobieren. Und natürlich darf ein Salzstein in der Sammlung der Urlauber nicht fehlen. Im Museum Münze, wo Besucher den größten Silbertaler der Welt bestaunen können, kommt ein weiterer Schatz hinzu: eine geprägte Münze. Vom zum Museum gehörenden Münzerturm, dem Wahrzeichen der Stadt, genießen Besucher eine tolle Aussicht auf Hall und die umliegenden Berge.

Das Wahrzeichen von Hall, der Münzerturm, ist Museum und zugleich Aussichtsturm mit Blick auf die Stadt und die Berge. Foto: Bettina Glaser

Funkelnde Wunderkammern
Knapp zehn Kilometer weiter verbirgt sich ein riesengroßer Schatz, der auch Erwachsene zum Staunen bringt. In den Swarovski Kristallwelten in Wattens hat der Multimediakünstler André Heller zum 100-jährigen Firmenjubiläum 1995 eine funkelnde Welt der Kristalle geschaffen. Durch den Kopf eines Riesen taucht man ein in 17 sich unterirdisch entfaltende Wunderkammern. Ein schwarzer Samtvorhang öffnet sich, ein Mädchen spitzt herein und erblickt zwei funkelnde Eisenbahnen, die gemächlich ihre Runden um einen glitzernden weißen Eisberg zwischen New Yorker Freiheitsstatue, Londoner Big Ben und Moskauer Basilius-Kathedrale drehen. „Mama, eine Eisenbahn“, ruft die Kleine begeistert. Die Wunderkammer des Designer-Duos Studio Job ist sicher einer der Favoriten der kleinen Besucher.

Eine Eisenbahn fährt in der Wunderkammer vom Designer-Duo Studio Job zwischen berühmten Sehenswürigkeiten. Foto: Bettina Glaser

Aber auch der Kristalldom mit 595 Spiegeln fasziniert Groß und Klein. „Haaaaallo, Eeeeeecho“, rufen die Kinder und freuen sich über den Hall und die Spiegelungen wie im Inneren eines Kristalls. In der neusten, eiskalten Kammer „Silent Light“ von Alexander Mc-Queen und Tord Boontje leuchten die Kinderaugen. „Es schneit!“, ruft ein Junge erfreut – und das mitten im Sommer. Er reißt die Arme hoch, um die Flocken zu fangen. Schnee knirscht unter den Schuhen. Neben ihm dreht sich ein übervoll mit Kristallen geschmückter Weihnachtsbaum.
Wem das noch nicht reicht, der kann im Spielturm bei jedem Wetter nach Herzenslust klettern, schaukeln und rutschen. Highlight ist hier ein sich über alle Etagen erstreckendes, rund 14 Meter hohes Kletternetz. Besonders familienfreundlich: Kinder unter sechs Jahren sind kostenlos und alle Aktivitäten im Eintrittspreis enthalten. Sogar das schillernde „Carousel“ von Designer Jaime Hayon im Garten des Riesen, auf dem Besucher mit vielen abstrakten Tierfiguren mitfahren dürfen.
Am Ende der Ausstellung können die kleinen Besucher ein während des Rundgangs gelöstes Rätsel gegen einen Griff in eine funkelnde Schatzkiste eintauschen. Und damit wird die große Sammlung von der Reise in die Region Hall-Wattens vollständig. Mit einem echten Schatz. Einem, der sie noch lange an die Reise erinnern wird. Einem funkelnden Kristallstein.

 

Durch den Kopf des Riesen tauchen die Besucherin die Wunderkammern der Swarovski Kristallwelten ein. Foto: Bettina Glaser

ARCD-Reiseservice

Anreise: Mit dem Auto: Über die Inntalautobahn A12, Ausfahrt Hall Mitte. Mit der Bahn: Internationale Züge nach Jenbach oder Kufstein, von dort ­weiter nach Hall in Tirol. ­Kostenlose Nutzung der Busverbindungen in der Region mit der Gästekarte.
Unterkünfte: Landgasthof Bogner in Absam, familiäres Hotel mit 32 Zimmern, www.hotel-bogner.at.
Urlaub auf dem Bauernhof am Biohof Sturmhof in Volderwald mit ­Kühen, Hühnern, Schweinen und Katzen, Brotbacken. Ferien­wohnung „Zirbenherz“ für 1-4 Personen, www.biohof-sturmhof.at.
ARCD-Buchungsservice: Das ARCD Reisebüro ist Ihnen gern bei der Planung Ihrer Reise in die Region Hall-Wattens behilflich. Kontakt: Tel. 09841/409150 oder info@arcd-reisen.de.
Einkehr: Romediwirt, neben dem Romedikirchl oberhalb von Thaur, toller Ausblick, mit Spielplatz und Kinderkarte, www.romediwirt.at.
Tuxerbauer in Tulfes, traditionelle Gerichte, mit Schnaps-Brennerei und Bauernladen, www.schnaps-brennerei.at.
Daniels Kristallwelten in den Swarovski Kristallwelten in Wattens mit inter­nationaler und regionaler Küche und Patisseriebereich, www.kristallwelten.swarovski.com.
Auskünfte: Tourismusverband Region Hall-Wattens, Tel. 0043/5223455440, www.hall-wattens.at.

Fotos: Bettina Glaser

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