ARCD-Caravaning-Ratgeber: Die Abreißleine

Bild: Westfalia-Automotive

Mit der wachsenden Zahl abnehmbarer Anhängerkupplungen ab Werk ist das richtige Anlegen der Abreißleine für die Auflaufbremse an Anhängern wieder stark in den Fokus gerückt.

Fakt ist: Löst sich die Anhängerkupplung, zum Beispiel wegen unsachgemäßer Befestigung, vom Zugfahrzeug, verliert gleichzeitig ein nur um den Kugelhals geschlungenes Abreißseil seine Wirkung. Die Auflaufbremse des Anhängers wird nicht ausgelöst, der Wohnwagen schlingert unkontrolliert umher. Ob bei den dann denkbaren Schadenssummen jede Versicherung mitspielt, darf bezweifelt werden.

Da kommt die "Holland-Methode" ins Spiel, die aus Sicherheitsgründen dringend zu empfehlen ist. Und: Sie ist in den Niederlanden bußgeldbewehrte Vorschrift für alle Gespanne mit Auflaufbremse, unabhängig vom Herkunfts- oder Zulassungsland der Fahrzeuge, auch unabhängig vom Typ der Anhängerkupplung, also fest, schwenkbar oder abnehmbar. In anderen Ländern fehlen solch detaillierte Vorschriften.

Die Holland-Methode geht so: Die Abreißleine wird durch Ösen oder Langlöcher am fest mit dem Auto verschraubten Träger der AHK geführt, dann um den Hals der Anhängerkuplung geschlungen. Auch hier ist wieder eine Schlinge zu bilden. Das bloße Einklinken des Hakens in einer Aussparung am Chassis des Zugfahrzeugs genügt nicht, denn der könnte sich im Ernstfall einfach aufbiegen, und dann wird die Anhängerbremse nicht ausgelöst. Akzeptiert werden in den Niederlanden auch Sicherungsschellen, die am Hals der AHK montiert werden und Löcher für die Abreißleine aufweisen.

Beim Holland-Prinzip, das zum Beispiel von Fahrgestellproduzent Al-Ko empfohlen wird, sind also zwei Zugpunkte aktiv, falls sich der Anhänger tatsächlich selbstständig machen sollte. Oder die Leine sitzt zumindest fest am Zugfahrzeug, wenn sie vom Kugelkopf gerutscht sein sollte. Außerdem bleibt das Abreißseil in gerader Linie zum Bremssystem, die am Caravanchassis durch eine kleine Öse gewährleistet sein muss. Weicht das Abreißseil von dieser Mittelachse ab, wird das Bremssystem möglicherweise nicht vollständig ausgelöst.

Die am Pkw vorhandenen Ösen oder Bohrungen sind manchmal zu eng für den Haken. Dann lässt sich ein Schäkel dazwischen hängen, der eine Einwirkung von 7500 Newton aushalten kann. Von einer Fachwerkstatt könnte das Abreißseil mit einem Feuerwehrkarabiner ausgerüstet werden, der ebenfalls der 7500-Newton-Norm entspricht. Ein Karabiner dieser Bauart kann aber auch als Zwischenstück verwendet werden, wenn er in eine Öse oder eine Bohrung am Pkw-Chassis eingehängt und die Abreißleine wieder durch den Karabiner gezogen und zur Schlinge geformt wird.

Während die caravanbegeisterten Niederländer mit detaillierten Vorgaben aufwarten können, verbietet die Schweiz lediglich das bloße Schlingen um den AHK-Hals. Das kann aber gleich 500 Schweizer Franken kosten, wie empörte Caravaner in Internetforen berichten. In Österreich wurde bisher nur das Fehlen einer Sicherungsleine, nicht aber die Art ihrer Montage mit Bußgeldern belegt. In beiden Ländern ist man mit der Holland-Technik bestimmt auf der sicheren Seite.

Noch etwas: Ehe man dieses Vorgehen der Polizei voreilig als Wegelagerei, Erhebung von Strafzoll oder Geldgier der jeweiligen Behörden brandmarkt, muss man einmal über die Sicherheitsaspekte nachdenken. Das Holland-Prinzip bringt bestimmt einen Sicherheitsgewinn und kann sich bei einem Unfall und den dann folgenden Versicherungsfragen vielleicht sogar vorteilhaft für den Geldbeutel des betroffenen Caravaners auswirken.

Hans Gillitzer, ARCD-Caravaningreferent

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