Wohnwagen – oder Reisemobil?
Eine höchst persönliche Typberatung

Sicher, ein Patentrezept fürs Urlaubsglück gibt es auch beim Camping nicht. Der Autor, ein erfahrener Camper, der seit vielen Jahren das Wohnwagenreferat des ARCD betreut und somit Adressat für alle Mitgliederfragen zum Thema ist, schildert im Folgenden seinen Weg vom ersten Campingbus in den 70er-Jahren über seine deutliche Vorliebe für Wohnmobile bis zum überraschenden Schwenk in die Caravanabteilung.

Genau 52 Tage an einem Stück lebten wir, beide weit in den Sechzigern, im Herbst 2016 in unserem Wohnwagen. Bei 51 Übernachtungen auf elf Camping­plätzen währte der längste Aufenthalt zwölf Tage, der kürzeste eine Nacht. Der Wohn­wagen brachte knapp 3000 Kilometer hinter sich, das Zugfahrzeug sehr viel mehr. Damit ist meine Rechnung aufgegangen: Ein mit Bedacht gewählter Wohnwagen steht in Sachen Beweglichkeit einem Reisemobil kaum nach. Gut, Stellplätze bleiben außen vor, ich nutze die Infrastruktur von Campingplätzen. Aber das war in den Jahrzehnten mit Wohnmobilen nicht anders.

Bis zu dieser Erkenntnis war ein langer Anlauf nötig: 40 Jahre, um genau zu sein. Solange habe ich Campingbussen und Reisemobilen den Vorzug gegeben. Daher handelt diese Geschichte von Erfahrungen, von Vertrauen und von einem Zufall. Sie zeigt, beispielhaft, meinen Werdegang als Caravaner, andere Camper haben andere Geschichten. In diesen 40 Jahren habe ich ein Faible für naturnahe und deswegen abseits gelegene Campingplätze entwickelt. Andererseits will ich nicht mehr wochenlang auf nur einem Fleck stehen, denn meine ideale Reise sieht so aus: ankommen, das Umland bei Ausflügen kennen lernen, wandern, auch mal faulenzen, nach ein paar Übernachtungen 200 Kilometer weiterziehen – und dann beginnt alles von vorn.

Entwicklungen: Jungen Familien mit Kleinkindern sind ein Wohnwagen und Sesshaftigkeit im Urlaub zu empfehlen. Denn nach einer meist strapaziösen Anreise beginnt die Erholung für die Eltern dann, wenn die Kleinen am Ziel Spielkameraden gefunden haben. Jugendliche lassen sich dagegen eher für eine Reisemobiltour begeistern, wenn ein Gleichgewicht zwischen Aktivitäten und Faulenzen gefunden wird.

Ein gewichtiges Argument für das Wohnmobil war aus meiner Sicht immer das schnellere Aufbauen am Ziel: nivellieren, Strom dran, fertig! Allerdings erforderte jeder Ausflug diesen Aufwand und das Aufräumen innen aufs Neue. Caravans habe ich stets mit dem mühsamen Aufbau des Vorzelts in Verbindung gebracht. Das passte nicht zu meiner Form von mobilem Langzeitcamping.

Passionierte Wohnmobilisten werden einwenden, dass sie jeden Tag ein Stück weiter fahren, Besichtigungen und Einkäufe also unterwegs erledigen. Das kann man so handhaben, aber ich wollte mich auch bei den Reisen mit Motorcaravans nicht jeden Tag erneut auf die Suche nach einem geeigneten Stellplatz machen.

Viele Wohnmobilfahrer scheinen das ähnlich zu sehen, denn oft genug verharren Freizeitfahrzeuge mit allem erdenklichen Komfort und entsprechend gewaltigen Ausmaßen wochenlang auf einem Fleck. Fahrräder, Motorräder oder auf einem Trailer mitgeführte Kleinwagen garantieren ihren Bewohnern die Mobilität, die bei einem Gespann das Zugfahrzeug bietet.

Campingbus VWT2 - Frankreich 1975

Vielfalt: Es gibt nicht nur die „hyperaktiven“ Reisemobilisten und die unbeweglichen Wohnwagenfreunde, sondern unendlich viele Formen dazwischen. Und es ist anzunehmen, dass jeder mit seiner Art von Caravaning glücklich ist.

Ein Blick zurück: Mit viel Begeisterung und wenig Wissen ging ich (Jahrgang 1952) Mitte der 1970er Jahre an den Kauf des ersten Wohnmobils. Die Wahl fiel auf einen gebrauchten VW-Bus vom Typ T2, Baujahr 1972, mit Wohn- und Schlafbereich im Heck und einem Küchenblock quer hinter der Bank im Fahrerhaus. Wir haben schöne Reisen damit unternommen, doch nach vier Jahren trennten sich unsere Wege. Schuld war der Beruf, denn mit dem Wechsel in eine Tageszeitungsredaktion waren Wochenenddienste zur Regel geworden. Der Campingbus wurde kaum noch fürs Campen genutzt.

Mitte der 90er-Jahre folgte der zweite Anlauf, diesmal mit einem VW T4, der nach eigenen Plänen von Fachleuten ausgebaut wurde. Inzwischen galt mein berufliches Augenmerk auch der Caravaning-Branche, was das Wagnis plausibel machte. Mit dem T4 ging es wie mit dem T2, und danach wollte ich  mich nie mehr mit einem eigenen Freizeitfahrzeug belasten. Das Mieten (und gelegentliche Testen) von Reisemobilen schien mir ideal. Wohnwagen kamen in meinem Campingleben jahrzehntelang fast gar nicht vor. Doch Ende August 2011 änderte sich schlagartig alles.

Zeitfrage: Einsteiger sollten Caravaning erst einmal als Mieter kennenlernen und sich vor einem Kauf genau überlegen, ob das eigene Zeitbudget die Investition tatsächlich rechtfertigt.

Seit Beginn der 90er-Jahre zählt der Caravan-Salon zu den Fixpunkten meines Terminkalenders. Mittlerweile erkunde ich dort für unser ARCD-Clubmagazin die berichtenswerten Modellneuheiten. In Düsseldorf nun zeigte die Wohnwagenmarke Sterckeman kürzlich erstmals den Espace 500CP. Sterckeman zählt zum französischen Trigano-Konzern und führt auf dem deutschen Markt eher ein Schattendasein.

Dieser Espace (übersetzt: Raum, Raumwunder) überraschte mit einer neuartigen Aufteilung: Seine L-Küche bietet großzügig Arbeits- und Abstellflächen, und sie grenzt nicht ans Bett an, was mir aus ungeklärten Gründen nicht behagt. Der Koch oder die Köchin blockiert aber auch nicht den Durchgang vom Wohnraum zum Querbett vorn und zum Sanitärabteil. Das Besondere aber ist die L-Sitzgruppe, die inzwischen als Lounge-Format gelegentlich in hochpreisigen Wohnmobilen auftaucht.

Hier muss man sich nicht um Tischkanten herumwinden, ehe man Platz nehmen kann.
Denn Sterckeman hat dieser Konstruktion im Heck einen zweiteiligen Klapptisch spendiert, der hochkant unter einer Fensterbank auf der rechten Fahrzeugseite gleich neben der Eingangstür lagert. Er lässt sich hochklappen – dann hat eine Hälfte der Sitzbank hinten einen Tisch vor sich; und er kann auf volle Länge ausgezogen werden – dann reicht dieser bis zum anderen Schenkel der L-Sitzgruppe.

An dieser Tafel finden vier Personen Platz, ein oder zwei Hocker passen auch noch davor. Dass an der Küche ein kleiner Klapptisch für Getränke oder ein Buch installiert wurde, ist eine nette Zutat.

 

Information: Kaum jemand erwirbt alle zwei Jahre ein neues Freizeitfahrzeug. Man sollte jedoch auf dem Laufenden bleiben, was technische Neuerungen betrifft, aber auch mit Blick auf die Gestaltung der Innenräume. Und man darf sich nicht fundamentalistisch auf Reisemobile oder Wohnwagen verengen.

Bei aller Sympathie für diesen Wohnwagentyp: Um meine Freizeit war es immer noch nicht besser bestellt. Der Sterckeman Espace, der vergleichbar als Caravelair Serenity angeboten wurde, ging mir aber nicht mehr aus dem Kopf.  Mit 2,3 m Breite und 7 m Gesamtlänge entsprach er meinen Vorstellungen von einem Reisecaravan, der sich unterwegs und beim Aufbau gut handhaben lässt, gleichzeitig aber innen genug Platz und Stauraum auch für mehrmonatige Touren bietet.

Doch 2015 waren die Trigano-Modelle mit der L-Sitzgruppe nicht mehr auf dem Caravan-Salon zu sehen. Dann stieß ich per Zufall  auf einen top-gepflegten gebrauchten Sterckeman Espace vom Baujahr 2013. Ende Mai 2016 habe ich, inzwischen im Ruhestand, den Espace in Köln erworben. Die erste Nacht, direkt am Rhein, war wenig erholsam. Meine Gedanken waren bei den Arbeiten, die nun anstanden.

Konsequenzen: Das üppige Zubehörangebot wirkt verführerisch, doch man muss die  Auswahl sorgfältig treffen. Schließlich kommen an diesem Punkt das Gesamtgewicht des Fahrzeugs, egal ob Wohnmobil oder Wohnwagen, und damit das Thema Führerschein ins Spiel.

Ich hatte viele Wünsche, die ganz schön ins Geld gehen würden bei einem mit begrenztem handwerklichen Geschick. Nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit allen Fragen rund ums Caravaning hatte ich aber zwei Namen im Kopf, auf die ich mich bei diesem Abenteuer verlassen konnte.

Erstens, daheim in Nürnberg, die Firma Autoelektrik + Reisemobile (A+R), die über 20 Jahre zuvor den Ausbau  des VW T4 bewerkstelligt hatte. Hier kommt das Stichwort Vertrauen ins Spiel, das diese Truppe auch aktuell beim Einbau der Sat-TV-Anlage, der Elektrozusatzheizung Truma-Heat und weiterer Komponenten nicht enttäuscht hat.

Rechenformel: Ein vergleichsweise niedriger Basispreis sollte beim Neuwagenkauf stutzig machen, denn meist fehlen dem Fahrzeug wichtige Ausstattungskomponenten, die am Ende doch geordert werden müssen. Flugs ist dann ein Aufschlag von 50 Prozent drin.
 
Zweitens, ebenfalls wegen des in jahrzehntelangem Kontakt gewachsenen Vertrauens: die Fahrwerksspezialisten von Al-Ko. Fast jeder Mittsechziger hat nach viereinhalb Jahrzehnten Berufstätigkeit Rückenprobleme, also sollte ein Rangierantrieb her. Die Wahl fiel auf das Mammut. Die Antischlingerkupplung (AKS) sollte ergänzt werden durch ein anhängereigenes ESP, nämlich Al-Ko-Trailer-Control (ATC), und die selbst nachstellende Bremse AAA Premium Brake war als i-Tüpfelchen gedacht, dazu ein Stützrad mit Radlastanzeige.

Die Liste zeigt: In Sachen Fahrsicherheit gehe ich keine Kompromisse ein, beim Caravan erst recht nicht. Dass meine Philosophie und die von Al-Ko passgenau übereinstimmen, erwies sich, als Matthias Mahlknecht und Markus Frey unter der Regie von Wolfgang Höb meinen Sterckeman im Al-Ko-Kundencenter in Kötz bei Günzburg aufrüsteten.

Tipp: Neuwageninteressenten finden auf Messen preiswerte Schnäppchen, sollten den Kaufvertrag aber mit einem Händler aus der Heimatregion abschließen. Das erleichtert später manches, denn jedem Händler ist verständlicherweise der eigene Kunde wichtiger ist als der eines Kollegen am anderen Ende der Republik.

Wer nicht basteln kann, muss zahlen: Espace-Neuwagenpreis im Frühjahr 2013 rund  19 000 Euro, Gebrauchtwagenpreis im Mai 2016 noch 13 000 Euro. Weitere 11 000 Euro flossen in die Aufrüstung durch die beiden Fachbetriebe sowie in die teilweise Erneuerung des Campingequipments. Laien mag diese Zahl überraschen, Fachleute weniger, und ich war darauf gefasst.

Meine Quintessenz: Man darf die Entscheidung zwischen Caravan und Reisemobil nicht allein als Rechenexempel auffassen. Viel wichtiger ist es, sich über persönliche Vorlieben klar zu werden, die nicht in Euro-Beträge umzumünzen sind. Das gilt dann auch beim nächsten Schritt, der Wahl des geeigneten Modells. Und diese Selbsterforschung ist nie abgeschlossen.

Hans Gillitzer