Sommerurlaub in Breckenridge

Breckenridge war früher ein begehrter Ort für Goldgräber. Foto: Jessica Blank

Eine Stadt, in der Bäume Gesichter haben und außer­irdische Riesen-­Vögel durch die Straßen streifen. Eine Stadt, in der Goldnuggets einfach verschwinden und Geister in der Main Street wohnen. Breckenridge ist mit knapp 3000 Höhen­metern nicht nur bei Skifahrern für seine hervorragende Lage in den Colorado Rocky Mountains bekannt. Auch im Sommer ist ein Urlaub in der ehemaligen Goldgräberstadt spannend.

Riesige Vogelskelette auf langen Beinen staksen durch die Straßen. Keineswegs unsicher oder schwan­kend. Mit ihnen wabern skurrile, fast außerirdische Laute herum. Ein Magier gibt den Giganten Kommandos in einer mysteriös klingenden Sprache. Auf der Main Street halten die Tiere den Verkehr auf, picken mit ihren großen Schnäbeln in offene Autofenster. Eine Szene wie aus Jurassic Park. So gruselig die Gruppe auch sein mag, so faszinierend ist sie. Kinder kreischen, als die Skelette sich zu ihnen hinabbeugen. Und dennoch folgen sie ihnen neugierig. Eine Drohne kreist über dem Geschehen. Oder ist es ein Ufo, das gekommen ist, um die Außerirdischen zu holen?

 

Wer zum ersten Mal in diesem 4500-Seelen-Ort in Colorado ist, wird sich wundern, wo er gelandet ist. So unwirklich ist alles. Selbst die Häuser mit den bunten Holzfassaden scheinen einer Westernstadt, wie man sie aus Freizeitparks kennt, entsprungen zu sein. Doch Breckenridge – oder einfach Breck – ist echt. Und sogar viel älter als andere Skiorte in den Rocky Mountains. Als ehemalige Goldgräberstadt hat sie fast 160 Jahre auf dem Buckel. Doch die Geschichte ist ähnlich mysteriös wie die Aktion mit den Vögeln. Welcher Ort vermisst schon fast ein Jahrhundert lang ein 13 Pfund schweres Goldnugget?

Im Dunkeln stechen die Vögel noch mehr aus der Menschenmenge heraus. Blau, Rot, Weiß. Im Minutentakt erstrahlen sie in einem anderen Licht. Und sie geben weiterhin diese unheimlichen Geräusche von sich, während sie an Bäumen vorbeiziehen, die Gesichter haben. Eine alte Frau neben einem jungen Mädchen. Das Mädchen zwinkert. Was total schräg klingt, ist Teil des Breckenridge International Art Festival, das jedes Jahr im August zehn Tage lang die Stadt verwandelt. Die Stelzenläufer aus den Niederlanden, die als interaktive Kunst in Vogelkostümen durch die Stadt ziehen, sind schon zum zweiten Mal dabei, andere Teilnehmer feiern ihre Premieren in Amerika. „Manche Künstler sind lokal, andere holen wir hier her“, sagt Nancy Rebek, ­Direktorin von BreckCreate, einer Organisation, die sich stark für die künstlerische und kulturelle Seite des Ortes einsetzt. Einziges Kriterium für die Künstler: „Sie müssen einzigartig und überraschend sein.“

Seltsame Bewohnerin

Als wären die gespenstischen Vögel nicht genug, hat Brecken­ridge auch dauerhaft eine ungewöhnliche Bewohnerin: Silvia. Sie ist der berühmte Geist der Main Street. „Sie erscheint nur Männern, weil sie einen neuen Ehemann sucht“, erklärt Ronnie bei der Saloon-Tour. Er selbst hat sie natürlich schon mehrmals gesehen. Ein weißes Kleid trägt die angeblich 16-Jährige. Ronnie zeigt hinauf zum Fenster im ersten Stock eines gelben Hauses. Der Vorhang bewegt sich ganz langsam. Ein Schauer jagt über den Rücken. War das Silvia? Der Wind? Oder ist einem einfach die dünne Luft zu Kopf gestiegen? „Silvia macht viele Sachen“, erzählt Ronnie. Sie sei für das Hemdenfalten berühmt. Immer wenn ein Mann seine Klamotten unordentlich auf dem Bett hinterlässt, sind sie gefaltet, wenn er zurückkommt. Ungefähr genauso mysteriös, wie die Frage, wo das Tom’s Baby genannte Goldnugget geblieben ist und ob es jemals einen Tunnel unter der Stadt gab.

Doch erst einmal geht es in die ­Na­tur. Der zehn Kilogramm schwere Rucksack lastet auf den Schultern. Die Luft wird immer dünner und lässt die Lungen brennen. Jeder Schritt durch den White River National Forest fühlt sich härter an. Nicht etwa, weil der Spruce Creek Trail so anspruchsvoll ist. Die Höhe macht den Wanderern zu schaffen. Vom Startpunkt auf 3170 Metern, zehn Minuten südlich von Breckenridge, geht es auf fast 3500 Meter. Nur einer hat keinerlei Probleme, obwohl sein Rucksack mindestens doppelt so viel wiegt: Abe Pacharz.

Für den Tourguide mit den eisblauen Augen ist es ein Spaziergang. Nicht nur seine Fitness, die er als leidenschaftlicher Ski- und Mountainbike-Fahrer mitbringt, hilft ihm. Er ist die Höhe einfach gewohnt. „Deshalb sollte man erst ein paar Tage im Ort bleiben, bevor es losgeht“, empfiehlt Abe. Und selbst dann ist der Höhen­unterschied eine echte He­rausforderung. „Das hier ist
eine hohe Wüste, die Leute haben gar keine Ahnung, wie schnell sie de­hydrieren.“

Viele Elche

Der Weg führt mitten durch den Wald über Geröll und Wurzeln. Außer Es­pen wachsen kaum Laubbäume, dafür schlanke hohe Pinien. „Da kannst du ein Haus draus bauen“, erklärt Abe. Der National Forest bietet vielen Tieren eine Heimat: Füchsen, Schwarz­bären, Rotwild. „Wenn wir Glück haben, sehen wir einen Elch.“ Als er vor 13 Jahren in die Gegend gezogen ist, habe er keinen einzigen Elch gesehen, und jetzt sehe er jede Woche einen. Seine Erklärung dafür ist der Klimawandel. „Ich glaube daran, aber Wissenschaft ist ja ‚fake news‘“, sagt der 36-Jährige und lacht. Ein kleiner Seitenhieb Richtung US-Präsident Donald Trump.
Kurz vor dem Ziel unterbricht ein Gebirgsbach den Weg. Abe hilft jedem einzeln bei dem Balanceakt über einen Baumstamm. Lilafarbene Astern säumen auf der anderen Seite den Pfad auf dem Endspurt zu Francie’s Cabin. Versteckt zwischen hohen Bäumen liegt dieses Häuschen, das aus dicken, massiven Stämmen gebaut ist. Es ist eine von vier Hütten, die Wanderer auch im Sommer als Nachtquartier nutzen können. Wenn sie nicht anspruchsvoll sind. Fließend Wasser gibt es nur aus dem Bach nebenan, Strom nur bedingt dank einer Solaranlage. Geheizt wird mit einem klassischen Holzofen. Für Abe Pacharz ist das schon fast Luxus. Bis er sieben Jahre alt war, ist er in einer Hütte ohne Strom und fließend Wasser im Norden des Bundesstaates New York aufgewachsen.

Im Winter hat seine Familie Schnee geschmolzen, um Trink­wasser zu bekommen. „Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich zum ersten Mal eine Dusche gesehen habe“, erzählt Abe. Versteht sich von selbst, dass er viele Dinge ganz anders zu schätzen weiß. Francie’s Cabin, die zu Ehren von Francie Lockwood Bailey erbaut wurde, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, ist verhältnismäßig leicht zu erreichen. „Das Hüttensystem ist echt gut“, sagt der Tourguide. Im Winter sind die rustikalen Unterkünfte bei Skifahrern sehr beliebt und monatelang im Voraus ausgebucht.

Von der Hütte aus führt ein steiler, steiniger Weg hinauf zum Grat von Peak Ten. Weiter unten schlängelt sich ein Pfad zum Lower Crystal Lake, der von den Bergen Crystal und Father Dyer bewacht wird. Schnee schmiegt sich in die Felsspalten der Ten Miles Range. Obwohl es schon Mitte August ist. Auf der anderen Seite entschädigt die Aussicht für die Strapazen des Aufstiegs auf 3780 Meter. Ganz friedlich liegt Breckenridge im Tal. Als wäre es ein ganz gewöhnlicher Ort.

Gold in den Saloons

Einst teilte die Main Street die Stadt. Auf der einen Seite wohnten die einfachen Minenarbeiter, auf der anderen die gehobene Gesellschaft. Es gab 19 Saloons und Tanzlokale. ­„Saloonbesitzer waren wichtige Leute“, erzählt Ronnie, der eine Lederweste und einen ­Vokuhila-Haarschnitt trägt. Vorne Business, hinten Party, sagt man hier. In den Saloons wurden Ehen geschlossen und das Gold verwahrt. „Die Goldgräber haben den Banken nicht vertraut.“ Im Gold Pan ­Saloon steht noch der Tresor von damals – nur wird er heute als Ablage für Ketchup-Flaschen genutzt. Um das Gold ­sicher durch die Stadt zu transportieren, soll es einen Tunnel gegeben haben, der die Saloons mit dem Haus des Goldwäschers und der Bank verbunden hat. Auf diesem Wege könnte Tom’s Baby, das 13 Pfund schwere Goldstück, das Tom Groves 1887 gefunden hat, vom Gold Pan Saloon zur Bank gelangt sein. Wo es eine Woche später verschwand.

Schlitten ohne Schnee

Vermutlich nicht auf einem bei Tierfreunden beliebten Weg: Hundeschlitten. „Hike! Let’s go!“, brüllt Sara. Zehn Hunde starten durch. Die sibirischen Huskys bellen vor Freude und ziehen das Golfcart mühelos durch den White River National Forest. An einem kleinen Bach hält die Musher – wie Schlittenhundeführer genannt werden – kurz an und lässt die Tiere trinken. Im Sommer sind die Touren viel anstrengender für die Huskys, die im Winter jedem Wetter trotzen. In der Hauptsaison läuft jeder der 160 Hunde der Snow Cap Sled Dogs zwei 16-Kilometer-Touren täglich vor dem Schlitten. Sara weiß den Namen jedes einzelnen. „Na ihr kennt doch auch 160 Leute, oder?“, sagt sie und lacht. Heute ist die anderthalb Jahre alte Eddy zum ersten Mal als Leithund eingespannt. Ihr Partner ist ein erfahrener Genosse namens Granit. „Sie ist der Enthusiasmus, er ist das Hirn“, erklärt Sara. Der Sommer ist ein guter Zeitpunkt, um junge Tiere zu trainieren. Dafür benutzen die Musher ein ausrangiertes Golfcart. Die Hunde hören auf drei Kommandos: hike – lauf los, gee – rechts, und haw – links. „Aber ganz ehrlich: Wir bringen ihnen das Ziehen nicht bei, es ist angeboren“, sagt die Frau mit den langen Dreadlocks. Außerdem könne jeder Hund in jeder Position laufen. „Für einen Leithund ist Fokus ganz wichtig. Er darf nicht jedem Streifenhörnchen hinterherjagen.“

Bei Schnee spannen die Schlittenhundeführer an der letzten Position oft die Bären unter den Huskys ein: Alaskan Malamutes. Diese großen, kräftigen Hunde sind der „Allradantrieb im Winter“, sagt Sara. Eddy macht ihren Job fürs erste Mal richtig gut. Mit bis zu 32 Kilometer pro Stunde sausen die Tiere berg­ab, als hätten sie kein Gewicht zu ziehen. Nur kurz vor dem Ziel passiert Eddy ein kleines Malheur: Beim erneuten Stopp im Bach verheddert sie sich mit den anderen, und ein riesiger Knoten entsteht. „Das nennen wir Z-Formation“, sagt Sara, steigt seufzend aus und löst das Gewirr auf.

Wo ist Tom’s Baby?

85 Jahre nachdem Tom’s Baby verschwunden war, tauchte in einer Bank in Denver eine Kiste mit der Aufschrift Colorado History Museum auf. Saurierknochen wurden darin vermutet. Es war das Goldstück aus Breckenridge. Doch fünf Pfund leichter als zuvor. „Wo also ist Tom’s Baby?“, fragt sich Ronnie. Ist es immer noch hier in der Wand des Gold Pan Saloon? Oder im Tunnel, der angeblich die ganze Stadt unterirdisch ver­netzte, aber nie gesehen wur­de? „Ich glaube, Tom’s Baby hat die Stadt niemals verlassen“, meint Ronnie. Der Großteil liegt im Museum in Denver. Doch wo ist der Rest abgeblieben? „Die Wahrheit würde die Geschichte zerstören“, sagt Ronnie. Und grinst, als hätte er das Goldnugget selbst in der Tasche.

ARCD-Reiseservice

Anreise: Mit dem Flugzeug ab Frankfurt oder München nach Denver, z. B. mit Lufthansa oder United Airlines, mit dem Mietwagen oder dem Shuttleservice Colorado Mountain Express (www.coloradomountainexpress.com) nach Breckenridge in etwa zwei Stunden.

Unterkunft: z. B. private Ferienhäuser untervermietet von Great Western Lodging, www.gwlodging.com; Residence Inn by Marriott Breckenridge, www.marriott.com;
Hütten, z. B. Francie’s Cabin, www.huts.org.

Essen und Trinken: Frühstück: z. B. bei Daylight Donuts oder Cuppa Joe, www.cuppajoebreck.com; Mittag/Abend: Relish, www.relish-
breckenridge.com; Blue River Bistro, www.blueriverbistro.com; Empire Burger, www.empireburger.com; The Hearthstone Restaurant, www.hearthstonebreck.com; Bars: Blue Stag, RMU Tavern, Gold Pan Saloon oder Broken Compass Brewing, www.brokencompassbrewing.com.

Aktivitäten: Geführte Wander-, Mountainbike- oder Klettertouren bei Colorado Adventure Guides, www.coloradoadventureguides.com Hundeschlittenfahrten bei Snow Caps Sled Dogs, www.snowcaps-sleddogs.com; Adventurepark Epic Discovery, www.breckenridge.com; historische Stadtführungen, www.breckheritage.com.

ARCD-Buchungsservice: Das ARCD Reisebüro ist Ihnen gerne bei der Buchung Ihrer USA-Reise behilflich unter Tel. 09841/409150 oder info@arcd-reisen.de.

Auskünfte: Tourism Office Breckenridge, www.gobreck.com/deutschland.

Ein Video aus Breckenridge finden Sie im ARCD-Blog.

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