Opel: Zurück in die Zukunft

Opel erfindet sich unter PSA neu. Foto: Opel

Unter General Motors war Opel das deutsche Sorgenkind. Nach der Übernahme durch die PSA-Gruppe im vergangenen Jahr soll alles besser werden. Technisch ändert sich viel, dies könnte aber langfristig erfolgreich sein.

Mit begehrenswerten Fahrzeugen war Opel in den Sechziger- und Siebziger-Jahren mal die Nummer eins in Deutschland – vor dem ewigen Spitzenreiter VW. Das ist lange her und in der Zwischenzeit ist viel geschehen. Unter der Regie des Mutterkonzerns General Motors (GM) lief nicht immer alles nach Wunsch der deutschen Tochter. Fehler in der Modellpolitik, die Konzentration auf den europäischen Markt und amerikanisches Missmanagement warfen Opel ein ums andere Mal zurück in die roten Zahlen. Daran konnten auch Achtungserfolge mit den Modellen Astra oder Insignia wenig ändern. Als Opel im vergangenen Jahr Hals über Kopf von GM an die französische PSA-Gruppe verkauft wurde, befürchteten insbesondere die Mitarbeiter bereits das schleichende Ende des über 150 Jahre alten Automobilherstellers. Doch es kam alles ganz anders.

Anfangs skeptisch beäugt, könnte sich die neue deutsch-französische Freundschaft möglicherweise zu einer Erfolgsgeschichte mit sattem Gewinnpotenzial entwickeln. Synergien bilden Die wichtigste Aussage der Franzosen: Opel bleibt eigenständig und soll sich als vierte Marke neben Peugeot, Citroën und DS auch auf anderen Märkten etablieren. Was erfolgsversprechend klingt, beinhaltet aber verschiedene Hausaufgaben. Umstrukturierungsmaßnahmen bei Werken, Mitarbeitern und Infrastruktur sind bereits in vollem Gange. Und damit nicht genug.

Synergien im Vordergrund

Das Zauberwort aktueller und künftiger Entwicklungen lautet: Synergien. Denn Eigenentwicklungen sind aufwendig und teuer. So macht die Plattform, bestehend aus Bodengruppe, Fahrwerk, verschiedenen Antriebseinheiten sowie der Grundarchitektur für Elektrik und Elektronik satte 60 Prozent der Materialkosten eines Fahrzeugs aus. Deswegen wird Opel konsequent verschlankt. Statt neun Plattformen sollen es bis zum Jahr 2024 nur noch zwei sein (Grafik unten). Die beiden Varianten CMP (Common Modular Platform) und EMP2 (Efficient Modular Platform) sind bausteinförmig aufgebaut und bilden markenindividuell alle Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zum großen SUV ab. 

Startpunkt der CMP-Plattform war vor der Ehe von Opel mit PSA das Projekt City-SUV mit dem Opel Crossland X und seinem Pendant Citroën C3 Aircross. Und es geht noch deutlich mehr. Mit der CMP-Plattform können insgesamt drei verschiedene Radstände, zwei Spurweiten und drei unterschiedliche Fahrzeugheck-Varianten umgesetzt werden. Ähnlich sieht es bei der EMP2-Plattform aus, auf der seit dem vergangenen Jahr sowohl die beiden SUV Opel Grandland X und Peugeot 3008, als auch seit diesem September die ­Minivans Opel Combo, Citroën Berlingo und Peugeot Rifter stehen. Anders als bei VW oder Ford sollen auch die künftigen Elektromodelle auf den beiden Plattformen aufbauen. So wie beispielsweise der neue elektrische Corsa ab 2020, der analog zu den Modellen mit Verbrennungsmotoren (ab 2019) auf der CMP-Plattform steht und parallel vom gleichen Band läuft. Das reduziert Produktions- und Logistikkosten, könnte aber technische Nachteile bei der Platzierung der schweren Akkus im Fahrzeugboden bergen.

Opel Ampera-e könnte bald aus dem Programm fallen

Der aktuelle Opel Ampera-e spielt übrigens in der Zukunftsprognose des Unternehmens kaum eine Rolle. Noch unter GM entwickelt, kostet das Elektrofahrzeug teure Lizenzgebühren. Mit ein Grund, warum der Ampera-e schon jetzt ein Mauerblümchendasein fristet und ­lediglich über das Internet zu bestellen ist. Gut möglich, dass sich Opel von ihm bald trennen wird. Hybridtechnik kommt Neben der Elektrifizierung setzt der Automobilhersteller künftig auch segmentübergreifend verstärkt auf den Hybridantrieb, wie ab 2019 erstmals mit dem Grandland X  Plug-in-Hybrid. Erstaunlich, dass GM dem Hybrid bislang keinen Wert beimaß. Und so stehen beispielsweise die Modelle Adam, Mokka X und selbst der brandneue Insignia ohne da. Insbesondere dem Kleinwagen Adam könnte dieser Umstand zum Verhängnis werden. Und sollte sich das Modell künftig nicht zum trendigen SUV oder Crossover eignen, rückt ein potenzieller Nachfolger in weite Ferne. Einen Nachkömmling für die beliebte Mittelklasse-Limousine Insignia wird es dagegen spätestens ab 2024 auf der EMP2-Plattform geben. Das zerschneidet damit endgültig die Nabelschnur zwischen Rüsselsheim und Detroit.

Entwicklungshoheit über neue Benzinmotoren

Neben der Übernahme von Plattformen und vier Motorenfamilien erhält Opel auch eigene Kompetenzen. So übernehmen die Rüsselsheimer für den PSA-Konzern die Entwicklungshoheit über eine neue Benzinmotoren-Generation, bauen federführend Sitze und Schaltgetriebe und sollen ihre Erfahrung um die Brennstoffzellentechnik nutzen.   Eigenes Design Unter dem Blech präferiert der PSA-Konzern bei allen Pkw-Marken also die Gleichteilepolitik, wobei es durchaus Unterschiede  geben soll, wie beispielsweise bei der Fahrwerksabstimmung über elektronisch einstellbare Parameter. Eigenständigkeit gilt dagegen mehr denn je beim Design. Statt abgekupferter Franzosenmodelle soll sich Opel äußerlich wie auch im Interieur von der eigenen Familie unterscheiden und vor allem einen originellen Markenauftritt für viele neue Kaufinteressenten hinlegen. Der Anfang ist gemacht, im ersten Halbjahr 2018 vermelden die Rüsselsheimer bereits grünes Licht und einen kräftigen Gewinnertrag von 500 Millionen Euro – im Plus.

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