Montpellier

in bisschen Paris, ein bisschen Antike, dazu jede Menge Lebensfreude und ein Anschluss zum Strand: Die hippe Mittelmeer-Metropole Montpellier ist ein ­lohnendes Ziel für einen Kurztrip in den Süden.

Das also soll das Zentrum einer südfran­zösischen Stadt sein? Wir blicken uns auf der weitläufigen Place de la Comédie um: Das klassizistische Theater, der monumentale Brunnen, die hohen Gebäudekomplexe aus weißem Sandstein mit schmiedeeisernen Balkonen – all das wirkt nicht gerade mediterran. Stadtführerin Sophie Glachant lächelt fast entschuldigend: „Die Place de la Comédie ist nicht typisch für Montpellier. Sie ist mehr ein Pariser Platz – aber das Zentrum.“ Tatsächlich lässt hier, im „Wohnzimmer“ von Montpellier, die Pariser Architektur des 19. Jahrhunderts grüßen, als Stadtplaner Haussmann im Auftrag Napoleons III. die großen Straßenachsen, Plätze und Parks schuf und so das Kleinteilige, Verwinkelte zunehmend aus dem Bild der Metropole verschwand. Dazu passt in Montpellier die vom Platz abzweigende, schnur­gerade Esplanade Charles de Gaulle: Ihre sym­metrisch aufgereihten Platanen, die Brunnen und Kioske im Art-Déco-Stil erinnern stark an eine Pariser Park-Allee.

Postmoderne im Osten

Architekturinteressierte Besucher der Hauptstadt des Hérault werden weitere spannende Parallelen zu Paris entdecken, wenn sie sich zunächst nicht der Altstadt, sondern dem Osten Montpelliers zuwenden. Hier entstand vor etwa 30 Jahren unter Georges Frèche das Viertel Antigone. Der Langzeitbürgermeister (1977 bis 2004) wollte die Stadt nach Osten in Richtung Fluss, Autobahn und Meer erweitern – und zugleich einen Gegenentwurf zum 1965 eröffneten Einkaufszentrum Polygone schaffen, das eines der ersten seiner Art in Südfrankreich war. Offen und klar strukturiert statt geschlossen und verschachtelt war die Devise des Bauprojekts, das mit Architekt Ricardo Boffil verwirklicht wurde. Entlang einer Straßenachse vom Einkaufszentrum bis zum Fluss Lez entstanden Geschäfte, Restaurants und Wohnungen im postmodernen Stil mit griechischem Akzent. Massive Säulen – am Eingang des Viertels im Halbrund wie bei einem ­Kolosseum – und Fontänenbrunnen gehören zu diesem durchaus reizvollen Konzept. „Als Ausgehviertel“, so Stadtführerin Sophie, „ist Antigone allerdings weniger akzeptiert“. Richtig voll wird es am Wochenende nur beim Bauernmarkt am Sonntagvormittag, bei dem alles, was Südfrankreich an kulinarischen Genüssen zu bieten hat, auf den Verkaufstisch kommt.

Das Viertel endet mit einem modernen Triumphbogen am Fluss Lez, der Paris-Kenner unweigerlich an den „großen Bogen“ im Pariser Stadtteil La Défense denken lässt. Wie Fran­cois Mitterand, der etwa zur selben Zeit eine Achse vom zentralen Arc de Triomphe bis zu diesem modernen Tor legen ließ, hatte auch Georges Frèche eine Verbindung von Ost nach West im Blick. Das sehen wir, als wir am nächsten Tag auf dem Dach des historischen Triumphbogens aus dem 17. Jahrhundert am Rand der Altstadt von Montpellier stehen: Vom imposanten Aquädukt entlang des Boulevard des Arceaux, dem Wasserschloss und der Ludwig-Statue (alle 18. Jahrhundert) im Westen über die zentrale Rue Foch im Haussmann-Stil zieht sich die Achse fast ohne Unterbrechung bis nach Antigone.

Vom Triumphbogen aus sehen wir aber endlich auch das mittelalterliche Montpellier. 985 gegründet, wird die Altstadt wegen ihres an ein Wappen erinnernden Grundrisses gern „ecusson“ genannt. Exemplarisch für die „Vieille Ville“ ist das im Süden gelegene Viertel St. Roch.

Mekka der Medizin

Von der Comédie aus gelangt man zunächst zur Place St. Côme mit dem Hôtel St. Côme, in dem heute die Handelskammer residiert. Der markante Kuppelbau beherbergt das Anatomie-Amphitheater aus dem 18. Jahrhundert und erinnert daran, dass in Montpellier 1220 eine der ersten Medizinschulen der westlichen Welt gegründet wurde. Über die Rue de Vallat geht es zur Place St. Roch mit der gleichnamigen Kirche. Das Nachbargebäude mit seiner bemalten Fassade erzählt die Legende des Heiligen.

Zwischen den beiden Plätzen liegen zahlreiche kleine Restaurants, die mit bunten Sonnenschirmen, Stühlen und Polstern einladend ausgestattet sind. Auch die Rue de L’Ancien Courrier, die das Viertel quert, ist reich an mediterranem Flair: Entlang der gewundenen, hügeligen Straße reihen sich Geschäfte, die z. B. Stoffe, Seifen und Kräuter anbieten. Im nördlichen Abschnitt des Quartier St. Roch führt die Rue des Trésoriers de la Bourse zum Heidelberg-Haus, das mit dem Hôtel de Varennes ein paar Straßen weiter zu den schönsten Stadtpalästen Montpelliers gehört. Insgesamt finden sich rund 90 dieser Hôtels aus dem 17. bis 19. Jahrhundert in der Altstadt – Reminiszenz an die Blütezeit Montpelliers als Haupt­stadt des Bas-Languedoc.

Quartier St. Roch

Orginelle Boutiquen laden ein

Ricardo Boffil verwirklichte im Osten Postmoderne

Zwischen See und Meer: Kathedrale St. Pierre

Ein Erlebnis ist der Besuch der autofreien „Vieille Ville“ auch am Abend. Kein Wunder, denn von den gut 270000 Einwohnern der Studentenstadt sind rund 50 Prozent unter 34 Jahre alt. Wer im Juni oder Juli anreist, sollte sich eine Aufführung des Festivals „Montpellier Danse“ im Theater Agora am nördlichen Rand der Altstadt ansehen. Die Freilichtbühne im ehe­maligen Ursulinenkloster ist an Atmosphäre kaum zu überbieten.

Danach stürzt man sich am besten ins Getümmel auf der Place de la Chapelle Neuve. Je später der Abend, desto lebhafter geht es auf dem lauschigen Platz mit zahlreichen Restaurants zu. Zur prächtigen Stim­mung tragen auch die moderaten Preise bei. So kostet im „Le Grillardin“ eine Flasche Cevennen-Wein nur ca. 23 Euro; im „Le Panacée“, das im Museum für Moderne Kunst ein paar Straßen weiter zu finden ist, gibt es ein leckeres Drei-Gänge-Menü schon ab 16 Euro. Nach der Einkehr kann man über die Rue Vieille Aiguillière Richtung Süden bis zum stimmungsvoll beleuchteten Musée Fabre bummeln. Hier wird vom 16. Juni bis 23. September eine große Picasso-Ausstellung zu sehen sein. Weiter geht es auf der Esplanade Charles de Gaulle, wo mit bunten Glühbirnen und originellen Vintage-Möbeln dekorierte Lokale auf Gäste warten.

Lange Nächte

Andernorts sind zu dieser Zeit die städtischen Plätze leergefegt, doch von der Place de la Comédie schallt laute Musik herüber: Komiker, Rapper und andere Künstler unterhalten hier jeden Abend kostenlos ein großes Publikum. Am nächsten Morgen ist es Zeit für einen Ausflug ins Blaue. Schließlich liegt Montpellier nur elf Kilometer vom Mittelmeer entfernt. Zu erreichen ist der näheste Küstenort Palavas-les-Flots mit der Straßenbahn L4 und Buslinie 131 – oder mit Miet-Fahrrädern, die an ver­schie­denen Stationen angeboten werden. Die Bike-Variante hat den Vorteil, dass man gleich noch die Kathedrale St. Pierre de Maguelone mitbesuchen kann, die wunderschön in einer Lagune zwischen Seen und Meer gelegen ist. Der ehemalige Bischofssitz aus dem 12. Jahrhundert wird heute von Menschen mit Handicap bewirtschaftet, die u. a. in den Weinbergen und Austernbänken der Domäne arbeiten. Ihre Produkte werden im angeschlossenen Laden verkauft oder im Bistro serviert. Auf dem kurzen Rückweg nach Palavas (ca. fünf Kilometer) empfiehlt sich ein Stopp im Strandrestaurant Carré Mer. Mit den Füßen im weichen Sand gegrillte Gambas und Weißwein genießen – das ist Luxus pur. Und da kann selbst Paris nicht mithalten.    

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