La Palma: Wanderparadies im Atlantik

Die Kanareninsel La Palma begeistert mit ihrer landschaftlichen Schönheit. Foto: Simone Eber

Eine gigantische Felsarena, Strände aus schwarzem Lava-Sand und tropische Früchte in Hülle und Fülle: Das kleine La Palma begeistert Naturfreunde mit seinen reichen Schätzen.

Eines wird schon im Flieger klar: La Palma ist ein Ziel für Aktivurlauber. Statt Flipflops dominieren schwere Wanderstiefel, statt Handtaschen geräumige Rucksäcke das Bild an Bord. Kein Wunder, denn die nordwestlichste der sieben Kanareninseln mit ihren 46 Kilometern Länge und 29 Kilometern Breite bietet auf engem Raum viele eindrucksvolle Wandertouren. Das Spannende daran: Sie führen in ganz unterschiedliche Vegetationszonen.

 

Wie etwa in die Lorbeerwälder des grünen Nordens. Ein­tauchen in dieses dschungel­artige Reich kann man z. B. am Cubo de la Galga. Im Infohäuschen gibt es das Faltblatt zum vier Kilometer langen Naturlehrpfad. Und schon geht es hinein in die dunkle Schlucht mit ihren Riesenfarnen, Weiden und dem Stinklorbeer (Til). Seine hohen Stämme und dichten Kuppeln lassen kaum Licht auf den Waldboden dringen.
Ein völlig anderes Bild liefert der Inselsüden. Die karge, steinige Landschaft wurde von immer neuen Vulkanausbrüchen geformt. Zuletzt spuckte der Teneguia in den Siebzigerjahren Feuer und hinterließ einen riesigen Krater, den auch Autotouristen nach einem kurzen Marsch von einem Aussichtspunkt aus überblicken können. Die 19 Kilometer lange Vulkanroute von El Pilar nach Los Canarios dagegen bleibt ausdauernden Wanderern vorbehalten. Sie werden mit Blicken auf Teneriffa und La Gomera sowie auf die Südspitze La Palmas mit ihren zwei Leuchttürmen belohnt. Eine Saline hebt sich hier mit ihren blendendweißen Salzhäufchen dramatisch vom blauen Atlantik ab und sorgt für einen zusätzlichen Kontrast zum schwarzen Vulkangestein.

 

Königsgebiet Caldera

Das Königsgebiet für Wanderer auf La Palma ist und bleibt aber die Caldera de Taburiente in der Inselmitte. Eine Tour am größten Erosionskrater der Welt, der vom 2426 Meter hohen Roque de los Muchachos überragt wird, ist Pflicht. Besonders beliebt ist die 16-Kilometer-Wanderung vom Rand des Kraters hinab ins Flussbett des Taburiente bis zum einzigen schmalen Ausgang über die Schlucht der Todesängste (Barranco de Las Angustías).
Wie der Name schon suggeriert, ist die Tour nicht ganz ungefährlich. Sie beinhaltet Klettereien, Flussüberquerungen und ist abhängig vom Stand des Taburiente-Stroms. Für Caldera-Neulinge empfiehlt sich deshalb die Teilnahme an einer geführten Wanderung, wie sie
z. B. Natour (www.natour.travel/de) anbietet. Der Veranstalter holt die Teilnehmer mit Bussen in Los Cancajos oder Los Llanos ab und bringt sie zum Barranco de Las Angustías. Von hier geht es mit alten Militärbussen zum Startpunkt Los Brecitos. Bei der Abfahrt zeigt Guide Benjamin auf die zwei Felsbrocken, die das Ziel der Tour markieren. „Ihr werdet froh sein, sie zu sehen“, prophezeit er.
Vorerst aber sind wir froh, die Fahrt zu überstehen. Über zehn quälende Kilometer schraubt sich der Militärbus extrem enge und kurvige Straßen steil hinauf und hinab, ehe der 900 Meter höher gelegene Aussichtspunkt Los Brecitos erreicht ist. Der Vorteil der Gewalttour: Wir müssen nun fast keine Höhenmeter nach oben mehr überwinden.

 

Vorbei am Opferfelsen

Die ersten zwei Stunden laufen wir entspannt im schattigen Kiefernwald. Immer wieder führen Holzbrücken über kleine, steinige Schluchten. Benjamin erklärt die Besonderheit der kanarischen Kiefer: „Sie hat eine extrem dicke, feuerbeständige Rinde und ist so vor Waldbränden geschützt.“
Am Lomo de Tagasaste ist ein erster Blick in den Krater möglich. Die Caldera de Taburiente ist eine aus Vulkanausbrüchen hervorgegangene Felsarena von neun Kilometern Durchmesser, deren Basaltwände über 1500 Meter in die Tiefe stürzen. Gigantisch.
Zur Mittagszeit machen wir Station am Taburiente, dem einzigen ganzjährig fließenden Fluss des kanarischen Archipels. Das klare Wasser sammelt sich einladend in einzelnen Basaltbecken. Eine gute Gelegenheit, um die Füße abzukühlen. Am schattigen Campingplatz auf der anderen Flussseite gibt es saubere Toiletten und frisches Wasser für die leeren Trinkflaschen. Die Erfrischung war nötig, denn nun beginnt der lange Abstieg in die Schlucht der Todesängste. Dass die Ureinwohner Respekt vor den Naturgewalten hatten, die sich in der Caldera austobten, zeigt auch der Idafe. „Hier brachten sie ihren Göttern Opfer dar, um sie milde zu stimmen“, erzählt Wanderführer Benjamin, als wir an der Felsnadel vorbeimarschieren.
Den nächsten Stopp legt er am Barranco del Limonero ein. Der kurze Abstecher zum Farb­wasserfall über ein steiniges Flussbett dauert nur zehn Minuten, dennoch warnt Benjamin: „Von hier aus sind es noch drei Stunden bis zum Ziel. Überlegt euch also gut, ob ihr eine Pause braucht.“ Am Ende ruht sich nur eine Teilnehmerin aus, während die anderen in die Schlucht mar­­schieren. Die grün-gelb-röt­lichen Farbauswaschungen im Vulkangestein, für die das kohlensäurehaltige Wasser sorgt, sind ein tolles Fotomotiv.
Ab jetzt folgen wir dem Flussbett des Taburiente. Das ist einerseits spaßig, weil uns das Wasser immer wieder den Weg abschneidet und uns zu kleinen Überquerungen des meist seich­ten Stroms zwingt. Andererseits strengt das ständige Gehen auf dem groben Kies auch an. Wenn der Taburiente höher steht, zeigt uns Benjamin sichere Wege über große Steine und reicht uns die Hand. Manche Wanderer stapfen aber auch einfach gleichmütig durch das Wasser. Die Füße dampfen sowieso und können eine Abkühlung vertragen.

 

 

Sportliches Finale

Im allerletzten Abschnitt der Caldera-Tour wird es noch einmal sportlich. Wir klettern über riesige Felsbrocken, rutschen Steine hinunter und zwängen uns durch enge Schluchten. Erd­rutsche haben für dieses Chaos gesorgt; die geschliffenen Stei­ne zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Wasserhöhen im Taburiente-Flussbett sein können.
Als wir am frühen Abend die an­fangs von Benjamin erwähnten Felsbrocken erreichen, warten dahinter schon die Militärbusse, um uns in wenigen Minuten zu einer Bar zu bringen. Benjamin empfiehlt Rosado de Verano, eine Art Rotweinschorle, und Barraquito, einen Mix aus starkem Kaffee, Milchschaum, Likör, Zitronenschale und Kondensmilch. Den Namen Balcón de Taburiente trägt das Lokal zu Recht – wegen seines wunderbaren Ausblicks auf das Tal des Flusses und seine Mündung im Badeort Tazacorte.
Denn natürlich gehören zu La Palma auch seine Strände. Einer der schönsten an der Westküste ist der von Tazacorte. Die Urlauber liegen windgeschützt im feinen, schwarzen Lavasand und können in den bunt angestrichenen Cafés und Restaurants des Fischerorts einkehren. Auf der anderen Seite der Bucht gibt es einen Hafen.
Zwei Reedereien (z. B. Fancy, https://fancy2.com) bieten hier Bootstouren zu Schluchten und alten Fischersiedlungen im Fels an. Delfine sind dabei fast immer zu sehen, mit etwas Glück auch Wale.

 

Auf Strände-Tour

Bei einer Mietwagentour zu den Stränden der Ostküste ­sorgen die grüne Landschaft sowie die schönen Orte und Aussichtspunkte (Miradores) für eine tolle Kulisse. Es empfiehlt sich, genug Zeit einzuplanen, da Kurven, Tunnels und das ständige Auf und Ab im Straßenverlauf die Fahrtgeschwindigkeit erheblich drosseln. Auch eine Jacke gehört ins Gepäck, denn Wolken und Wind können jederzeit aufziehen.
Ein guter Startpunkt ist Los Cancajos, der größte Ferienort La Palmas mit seinem schönen Strand. Von dort geht es weiter nach Santa Cruz. Die weitläufige Playa der Hauptstadt wurde kürzlich noch um eine ehemalige Parkfläche erweitert. Pflicht ist aber auch ein Bummel durch die Hauptstraße. Mit ihren schmucken Häusern und stilvoll angelegten Plätzen erinnert sie an La Palmas bedeutende Rolle in der Kolonialzeit.
Wild und rau präsentiert sich etwas weiter nördlich die Playa de Nogales. Ein steiler Pfad führt hinunter zu dem einsamen Sandstrand, hinter dem eine schroffe Felswand aufragt. Davor das ungestüme Meer mit seiner hier gefährlichen Strömung. Atlantik pur!
Für eine Einkehr am Ende der Tour bietet sich das hübsche San Andrés an. Das Restaurante San Andrés am lauschigen Kirch-
platz serviert mittags kleine Gerichte, z. B. eine Thunfisch-Tortilla mit buntem Salat. Außerdem lohnt sich der Ort wegen seines Meeres­schwimm­beckens am Atlantik. Während das Wasser an die­ ­Felsen brandet, aalen sich Badenixen im Charco Azul, der erhöht liegt und mit Pollern abgesichert ist.

Bauern und Bananen

An West-, Ostküste oder beim Blick vom Wasser auf die Insel: Überall fallen große weiße Flächen auf, die sich beim näheren Hinsehen als Treibhäuser des konventionellen Bananenanbaus entpuppen. Unter den Planen wachsen die Früchte schneller und werden größer.
Es gehört zu den Reizen La Palmas, dass es in erster Linie eine Bauerninsel ist. Avocados, Papayas, Feigen, Mandeln, auch Wein werden hier angebaut. Hauptexportartikel ist jedoch die Banane, rund 7000 Bauern auf der Insel kultivieren sie. Das klingt für uns Mitteleuropäer exotisch, ist aber unter den richtigen klimatischen Bedingungen kein Kunststück. Bei einer konstanten Temperatur von mindestens 20 Grad Celsius wachsen die Staudenpflanzen schnell und liefern eine ständige Ernte.
Wie die nahrhaften Früchte in einem „natürlichen Umfeld“ oh­ne Schädlingsbekämpfung gedeihen, lässt sich auf der Eco Finca Platanológico (www.platanologico.es) in Puerto Naos erleben. Statt einer Plantage präsentiert sich hier ein tropischer Garten, statt Monokultur Artenvielfalt. Bauer Fran führt mit Leidenschaft durch sein Paradies, das den Monarch-Schmetterling ebenso beheimatet wie Rizinus und Brokkoli.
Am Ende der zweistündigen Führung gibt es für jeden Teilnehmer eine Probe-Banane. Die kommt auf der Insel in vielen Varianten auf den Tisch: getrocknet, gebraten zum Reis, als Chips mit Zimt oder Chili, als Schnaps oder Kosmetikprodukt. Egal in welcher Form: Die Bananen gehören einfach zum Bild La Palmas – genauso wie die Urlauber in ihren schweren Wanderstiefeln.

ARCD-Reiseservice

Anreise: Direktflüge ab verschiedenen deutschen Flughäfen. Flugdauer: vier bis fünf Stunden. Zeitverschiebung: MEZ minus eine Stunde.

Beste Reisezeit: La Palma ist ein Ganzjahresziel mit Durchschnittstemperaturen von 20 bis 26 Grad Celsius an den Küsten, in höheren Lagen ist es kühler.

Pauschalreisen: bietet z. B. der Veranstalter Schauinsland Reisen (www.schauinsland-reisen.de) mit einer großen Hotelauswahl auf La Palma an. Beratung und Buchung im ARCD Reisebüro, Tel. 0 98 41 / 4 09 150 oder info@arcd-reisen.de

Auskünfte: www.visitlapalma.es/de

Fotos: Simone Eber

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