Fürst Pückler: Der Mozart unter den Landschaftsgärtner

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Bis heute beflügelt Fürst Hermann von Pückler-Muskau unsere Phantasie. Dabei ist er seit genau 150 Jahren tot. Was macht den Mythos aus? Wohl die Tatsache, dass er ein Leben führte, dass selbst Karl May nicht phantasievoller hätte beschreiben können. Ganz nebenbei schuf er dabei ein kulturelles Erbe, das in ganz Europa Spuren hinterlassen hat und bis heute Touristen begeistert.

Hermann von Pückler-Muskau ist eine der schillerndsten Figuren des preußischen Hochadels. Wobei schon diese Aussage der facettenreichen Persönlichkeit nicht ganz gerecht wird. Denn der erste Sohn der erst 15-jährigen Clementine von Callenberg kommt am 30. Oktober 1785 als sächsischer Prinz zur Welt. So erlebt er auch die Völkerschlacht bei Leipzig an der Seite Karl-August von Sachsen-Weimar-Eisenachs. Als der Wiener Kongress 1815 Europa neu ordnet, fällt die Standesherrschaft Muskau zu Preußen und Pückler versteht die Welt nicht mehr. Er zieht sich nach Bad Muskau zurück, um das Familienschloss nach englischem Vorbild auszubauen. Dabei wird er zu dem Mann der Berge versetzen kann. Pückler lässt Hügel aufschütten, wo keine sind, wo nötig werden sogar Flüsse umgeleitet und fehlende Grundstücke zu herrschaftlichen Preisen zugekauft. Doch während die legendäre Parkanlage zum heutigen UNESCO-Welterbe heranwächst, schmelzen die finanziellen Mittel dahin – Pückler muss reich heiraten. Er erwählt kurzerhand die neun Jahre ältere Lucie von Hardenberg. Die ist allerdings noch mit Reichsgraf von Pappenheim verheiratet und hält im mittelfränkischen Schloss Dennenlohe Hof. Kurzerhand lässt Lucie ihre ehe scheiden, zieht mit ihren Töchtern nach Muskau und heiratet bereits eine Woche später Hermann von Pückler. Schloss Dennenlohe wird schließlich an die 2,7 Mio. Gulden schweren Freiherrn von Süsskind verkauft, die dort bis heute einen 26 ha umfassenden Landschaftspark mit 20.000 qm großem Rhododendrongarten pflegen.

In Muskau kann Pückler dank der märchenhaften Mitgift seiner Frau fleißig weiter bauen und sein Renommee stärken. 1822 wird er in den Fürstenstand erhoben, seine Besitzung allerdings nicht als Fürstentum anerkannt. In Folge werden die finanziellen Mittel wieder knapp. So lässt er sich 1826 scheiden, um in England erneut reich zu heiraten. Lucie ist ihm deshalb nicht gram. Sie wird bis zu ihrem Tod muttergleich an seiner Seite bleiben.

Der Versuch, in den englischen Hochadel einzuheiraten, schlägt fehl – Pückler kehrt ohne Frau nach Hause zurück. Seine wortgewaltigen, detailreichen Reiseberichte werden dagegen ein voller Erfolg. In Deutschland, England und den USA reisen sich die Menschen um Pücklers Publikationen und spielen Geld in die fürstliche Schatulle. Der Lebemann hat eine neue Berufung gefunden: Reisejournalist.

Er will die Gunst der Stunde nutzen und knapp 100 Jahre vor Karl May die Welt mit Reiseberichten aus den wilden Vereinigten Staaten von Amerika beglücken. Doch wieder einmal steht sich Pückler selbst im Weg. Mehr an jungen Damen als an wirtschaftlichem Erfolg interessiert, verpasst der Fürst die Schiffsabfahrt wegen eines Duells. Er ändert daraufhin seine Pläne und reist über Algerien und Ägypten bis tief in den Sudan. Als ihn südlich von Khartum die Kräfte verlassen, tritt er eine abenteuerliche Rückreise über den Libanon, wo es zu einem tête-à-tête mit der mysterischen Wüstenlady Hester Stanhope kommt, Konstantinopel und Griechenland an.

 

 

Pücklers Versuch, Preußischer Botschafter an der Hohen Pforte in Konstantinopel zu werden, scheitert. So kehrt er schließlich nach Bad Muskau heim. Jedoch kann das Geld aus den veröffentlichten Reiseerzählungen die Schulden aus der Errichtung des Muskauer Landschaftsparks auf Dauer nicht decken. Pückler muss seine Liegenschaften in Muskau veräußern und auf das Erbschloss Branitz bei Cottbus umsiedeln. Selbiges baut er in der Folgezeit nach Ideen Gottfried Sempers um und ergänzt es um einen neuen Landschaftsgarten, den heutigen Fürst-Pückler-Park. Dort finden seine Überreste 1871 auf einer von ihm geschaffenen Insel ihre letzte Ruhe. Viele sind es allerdings nicht, denn der extravagante Fürst umging das damals geltende Verbot der Einäscherung, indem er sich in Schwefelsäure, Ätznatron und Ätzkalk betten ließ.

Geblieben sind freilich die von Pückler geplanten berühmten Gartenanlagen. Sie finden sich in Potsdam ebenso wie in Paris. Kenner sprechen von landschaftskünstlerischem Genie, dessen Elemente bis heute aus der Garten- und Parkgestaltung nicht wegzudenken sind.

Leider unterbinden die aktuellen Coronamaßnahmen das Lustwandeln in Pücklers großen Parks. Ganz verzichtet werden muss aber nicht, denn Sie haben auch virtuell die Möglichkeit, auf den Spuren eines Mannes zu wandeln, der in einer Zeit von Disziplin und Zurückhaltung vor allem eines wollte: Freiheit für sich und alle, denen das Korsett des Biedermeiers zu eng geschnürt war.

 

 

 

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