Erfurt: Stollenduft und Blumenglanz

Hufgeklapper übertönt das geschäftige vorweihnachtliche Treiben in der Erfurter Fußgängerzone. Zwei Schimmel mit roten Samt-Decken tauchen zwischen prachtvollen Patrizierhäusern und liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern auf. Sie ziehen eine Kutsche mit Kutscherin und einer vierköpfigen Familie. Die Straßen sind nur mit Laternen beleuchtet, es dämmert bereits.

Vor ihnen liegt, eingebettet in die malerische Kulisse des Mariendoms und der Sankt-Severi-Kirche, der Erfurter Weihnachtsmarkt: Die Buden sind aneinandergekuschelt, als würden sie sich gegenseitig wärmen, festlich geschmückt mit funkelnden Herrenhuter Sternen, saftig grünen Tannenwedeln und leuchtenden Lichterbögen. Durch die Marktgassen zieht ein Duft von Glühwein und Thüringer Rostbratwurst. Neben der mit hunderten künstlichen Kerzen geschmückten Tanne dreht sich gemächlich eine Weihnachtspyramide aus dem nahe gelegenen Erzgebirge. Eine, wie man sie aus den warmen Stuben zu Hause kennt. Nur viel größer – nämlich zwölf Meter hoch – und mit 14 handgeschnitzten Figuren, die zum Teil Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte Erfurts darstellen: darunter Martin Luther, der im 15. Jahrhundert an der Erfurter Universität studierte, Adam Ries, der in der Stadt einige seiner Rechenbücher verfasste und der Heilige Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Auch dieses Jahr werden die stimmungsvolle Kulisse und die Stände mit Holzkunst und Handwerk aus dem Erzgebirge wieder mehr als zwei Millionen Menschen anlocken, wenn ab 25. November der Erfurter Weihnachtsmarkt zum 164. Mal seine Buden öffnet.

In einigen davon wird die Weihnachtsspezialität Erfurter Schittchen angeboten. Auf den ersten Blick sieht sie aus wie Dresdner Stollen – doch bei genauem Hinsehen sind deutliche Unterschiede zu erkennen: „Das Erfurter Schittchen enthält weniger Mehl, dafür mehr Rosinen, Orangeat und Zitronat. Dadurch ist es flacher“, erklärt Stefan Lobenstein, Konditormeister und Präsident der Handwerkskammer Erfurt. „Es wird wie ein Brot ein- mal eingeschnitten und nicht dreimal eingeschlagen wie der Dresdner Stollen.“ Rund zwei Tonnen hat Lobenstein vergangene Saison davon gebacken und ein paar Schittchen sogar bis nach Amerika exportiert. Auf dem Weihnachtsmarkt schneiden am ersten Adventswochenende übrigens Bäcker und Konditoren des Stollenschutzverbandes und die Stollenkönigin das feine Gebäck feierlich an und verteilen es unter den Besuchern.

Bis vor zwei Jahren hatte auch Jan-Henry Reiter seinen Stand auf dem Markt. Jetzt zeigt der letzte Glasbläser Erfurts die Kunst der handwerklichen Fertigung von Vasen, Karaffen und Gläsern in seiner Schauwerkstatt, die dem Markt gegenüber liegt. Ganz vorsichtig bläst er den Rohling zu einer Kugel, die vielleicht noch in diesem Jahr einen Weihnachtsbaum schmücken wird, aber auch das ganze Jahr über als Dekoration eingesetzt werden kann. Wer ein besonderes Weihnachtsgeschenk sucht, kann es bei Reiter sogar in Auftrag geben – wie einen winzigen Tropfen für die Haarlocke des Enkelkinds.

Über die ganze Stadt sind kleinere Weihnachtsmärkte verteilt. Auf dem Augustiner-Christkindlmarkt mit etwas mehr als einer Hand voll Stände hinter der bekannten Krämerbrücke, der längsten durchgehend bebauten Brücke Europas, geht es familiär und entspannt zu: Eine Miniatur-Straßenbahn zieht ihre Runden, und Kinder vergnügen sich mit einem Kettenkarussell aus Holz, das ein Vater über ein Laufrad antreibt. Ein paar Schritte weiter auf dem Mittelalterweihnachtsmarkt am Wenigemarkt bieten Händler in mittelalter­lichen Gewändern Filzpantoffeln und -taschen an. Und am Anger verkauft ein Wursthändler seine Pferdesalami auch noch gegen DM – eine originelle Geschäftsidee, die ihm rund 2000 DM in der Saison einbringt. Ein besonderer Höhepunkt in der Vorweihnachtszeit ist die Florale Ausstellung. Im mittelalterlichen Gewölbe des Felsenkellers unterhalb des Dombergs zeigen Floristen aus ­Erfurt, Thüringen und ganz Deutschland in 24 Gewölbebögen künstlerische Werke der Blumenbindekunst zu einem weihnachtlichen Thema. 2013 zeichneten sie zu deutschen Weihnachtsliedern stimungsvolle Bilder. In diesem Jahr heißt das Motto „24 kleine Weihnachtswunder“. Die Besucher dürfen gespannt sein, was sich die Floristen zu diesem Thema haben einfallen lassen. Das Beste: Schon zu Beginn der Adventszeit darf man hinter alle Türchen spitzen und sich anschließend vom Charme der Weihnachtsstadt verzaubern lassen.

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