Elektrokleinstfahrzeuge im Straßenverkehr

Elektrokleinstfahrzeuge gibt es in vielen Varianten. Um eine Betriebserlaubnis zu erhalten und für den Straßenverkehr zugelassen zu sein, müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Foto: DEKRA

Diesen Begriff wird man sich nun merken müssen: Elektrokleinstfahrzeuge (eKF). Was sperrig klingt, soll in Wahrheit sexy und modern wirken und den Verkehr wenigstens im urbanen Umfeld revolutionieren. Eine entsprechende Verordnung hat nun den Weg dafür geebnet. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Den Deutschen eilt ein Vorurteil voraus: das der Regulierungswut. Während andere Länder einfach machen, muss bei uns erst einmal eine Verordnung her. Schnelle Entwicklungen würden dadurch gehemmt, heißt es. Häufig nicht zu Unrecht. Bei der Verkehrswende geht es aber oftmals sehr schnell. Beispiel: Mikromobilität.

Worum geht es?

Im Kern handelt es sich dabei um die Fortbewegung auf kleineren Fahrzeugen, die mit einem elektrischen Antrieb ausgerüstet sind. Der Variantenreichtum ist groß, die Hersteller solcher Fahrzeuge werfen ein vielfältiges Angebot auf den Markt – selbstbalancierende Segways, Hoverboards, E-Skateboards oder E-Scooter, also elektrisch betriebene Tretroller. Sie alle werden unter dem Begriff der Elektrokleinstfahrzeuge (eKF) zusammengefasst, verfügen über zwei, drei oder vier Räder, manche haben gar nur eines. Wer anfängt, sich mit den eKF zu beschäftigen, wird von der Fülle der Möglichkeiten schier erschlagen. Dazu kommen Dienstleister, die solche Gefährte an Nutzer vermieten wollen.

Während in einigen Ländern diese eKF mehr oder weniger schon zum Alltag gehören, war die Nutzung der meisten Modelle im Straßenverkehr hierzulande illegal. Dies hat sich für einige Varianten nun geändert. Die Politik hat auf die Entwicklung reagiert und mit der „Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr“ – kurz: eKFV – den Rahmen dafür geschaffen, neue Formen der Mobilität zu ermöglichen.

Warum eine Regelung?

Seit Januar 2016 gilt auf europäischer Ebene die Typgenehmigungsverordnung Nr. 168/2013 für Fahrzeuge mit zwei, drei oder vier Rädern. Selbstbalancierende Fahrzeuge und Fahrzeuge ohne Sitz sind darin explizit ausgeschlossen. In Deutschland war es indes möglich, über die Mobilitätshilfeverordnung dennoch bestimmte Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr zu nutzen. Bekannt sind die so genannten Segways, die vereinzelt privat, häufig im Rahmen von Verleihsystemen oder touristischen Angeboten zum Einsatz kommen. Mit der Mitte Mai 2019 vom Bundesrat beschlossenen und am 15. Juni 2019 n Kraft getretenen eKFV sollen nun weitere elektrisch betriebene Fahrzeuge unter bestimmten Voraussetzungen im öffentlichen Straßenverkehr zugelassen sein (siehe Kasten unten).

Was muss ich wissen?

In den ersten Wochen nach Einführung der Gefährte kam es in Deutschland bereits zu einigen Unfällen mit schweren Verletzungsfolgen. Der ARCD empfiehlt dringend, E-Scooter stets nur mit Helm zu fahren, um sich vor möglichen Kopfverletzungen zu schützen.
Verkehrsrechtlich werden die Roller wie Fahrräder behandelt, es besteht also Radwege-Benutzungspflicht. Fehlt eine Radverkehrsanlage, muss die Straße benutzt werden. Gehwege sind tabu, dafür hatte sich der ARCD stark gemacht. Selbst ohne aktiven Motor darf dort nicht gerollert werden. Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen haben Fußgänger immer Vorrang und dürfen nicht behindert oder gefährdet werden. Auf sie muss ebenso Rücksicht genommen werden wie auf Radfahrer. Neulinge sollten sich intensiv mit den Fahreigenschaften der E-Scooter vertraut machen, bevor sie sich in den Verkehr stürzen.

Ganz wichtig außerdem: Um für den Straßenverkehr zugelassen zu werden, benötigen die Fahrzeuge eine Allgemeine Betriebserlaubnis. Auf seiner Website hat das Kraftfahrt-Bundesamte (KBA) eine Liste der erteilten Allgemeinen Betriebserlaubnisse für Elektrokleinstfahrzeuge veröffentlicht.

Eckpunkte der Regelung für eKF

❱❱❱    Müssen über Lenk- oder Haltestange verfügen

❱❱❱    Bauartbedingte Höchst­geschwindigkeit zwischen 6 km/h und 20 km/h

❱❱❱    Leistungsbegrenzung auf 500 Watt (1400 Watt bei selbstbalancierenden Fahrzeugen)

❱❱❱    Höchstgewicht 55 kg

❱❱❱    Verkehrssicherheitsrechtliche Mindestanforderungen (u. a. im Bereich der Brems- und Lichtsysteme, der Fahrdynamik und der elektrischen Sicherheit)
    ❱  Zwei voneinander getrennte Bremsen
    ❱  Lichtanlage(vorne weiß, hinten rot) und seitliche ­Reflektoren
    ❱  Glocke
    
❱❱❱    Mindestalter für die Nutzung: 14 Jahre

❱❱❱    Sollen auf vorhandenen baulich angelegten Radwegen oder Radfahrstreifen fahren. Nur wenn diese fehlen, darf auch die Fahrbahn genutzt werden.

❱❱❱    Keine Helmpflicht, aber Helm wird empfohlen

❱❱❱    Keine Mofa-Prüfbescheinigung nötig

❱❱❱    Versicherungspflicht mit Versicherungsplakette

Quelle: BMVI
Notruf
Ihre ARCD Notfall Rufnummer:

Aus dem Inland:

0 98 41 / 4 09 49

Aus dem Ausland:

+49 98 41 / 4 09 49

24 Stunden erreichbar.

Für Sie erreichbar

Für alle Fragen rund um die ARCD Mitgliedschaft steht Ihnen unser Service-Team in der ARCD Clubzentrale (Montag bis Freitag von 08.00 bis 19.00 Uhr und an Samstagen von 09.00 bis 14.00 Uhr) gerne zur Verfügung.

0 98 41 / 4 09 500

Fax: 0 98 41 / 4 09 264
E-Mail: info@arcd.de