Auf Abwegen: Im VW Touareg durch das Atlas-Gebirge

Auto&Reise hat sich mit dem VW Touareg auf die staubigen Pisten der Bergwelt Marokkos gewagt. Foto: Volkswagen/Ingo Barenschee

Die meisten SUV und auch allradgetriebenen Fahrzeuge müssen sich im Alltag eher geringen Herausforderungen stellen. Was aber, wenn es doch mal härter kommt? Das wollten wir ­genauer wissen, und waren mit dem VW-Flaggschiff Touareg dort, wo Infotainment und Klavierlack keine Rolle mehr spielen: auf den staubigen Pisten der Bergwelt Marokkos.

„Helmut Kohl, president almania!“, ruft der Mann im hellen Kaftan von der gegenüberliegenden Seite des Flusslaufs. So ganz auf dem aktuellen Stand scheint er nicht zu sein. Zwar führen die Menschen hier im Tal, am nördlichen Fuß des Hohen Atlas, ein ganz anderes Leben als in der etwa eine Autostunde entfernten Königsstadt Marrakesch, von der Außenwelt abgeschnitten scheinen sie dennoch nicht zu sein. Die charakteristischen flachen Dächer der Häuser sind gespickt mit Satellitenschüsseln.

Wahrscheinlich aber hat er einfach nur die deutschen Kennzeichen auf unseren Autos erkannt, und wollte, bevor es Abend wird, unsere Aufmerksamkeit. Mit Erfolg. Hellwach blitzen seine Augen aus dem sonnengegerbten Gesicht, als er uns seine Amethyst-Drusen feilbietet: „Very cheap!“ Wie so viele, denen wir im Verlauf unserer Tour begegnen, will auch er sich ein bisschen was dazuverdienen.

Eine andere Welt

Gut sechs Stunden zuvor sind wir mit unserer Karawane aus sechzehn, zu diesem Zeitpunkt noch blitzsauber silbern glänzenden VW Touareg der Volkswagen Driving Experience aus Marrakesch hinausgerollt. Schnurgerade und topfeben führt die R203 ein Stück in Richtung Süden, bis uns die Scouts des VW-eigenen Abenteuertouren-Veranstalters, Heike Hecht und Peter „Weilo“ Weil, vom glatten Asphalt auf eine marode Piste lotsen.

Durch die Schlaglöcher rumpelt uns fern der Heimat ein Wohnmobil aus Deggendorf ent­gegen. Einem ARCD-Mitglied würden wir sogar hier den platten Reifen wechseln, ist der erste Gedanke. Ja, noch ist Zeit, abzuschweifen, aber bald werden wir volle Konzentration brauchen. Unser Ziel ist das Hochplateau von Oukaïmeden, ein Skigebiet – auch das gibt es in Marokko – auf rund 2.700 Metern Höhe.

Rasch nähern wir uns dem Hohen Atlas, der höchsten Gebirgskette Nordafrikas; durch ursprüngliche Dörfer hindurch, vorbei an Kamelrastplätzen und kaum mehr zu zählenden Händlern, die ihre Waren anbieten. Riesige bunte Teppiche hängen an Stangen, und bergeweise stehen Tajine in den Ständen, traditionelle, aus Lehm gebrannte Schmorgefäße, glasiert und unglasiert, in denen die Marokkaner deftige Gerichte gerne mit viel Fleisch und Fisch zubereiten. Dazwischen hin und wieder junge Männer, die rote Beeren in kleinen Körbchen verkaufen.

Immer steiler, schmaler und kurviger wird der Pfad, nachdem wir den vom Atlas herabströmenden Ourika-Fluss sprichwörtlich links liegen lassen. Zeit für eine kleine Stärkung: Auf halbem Weg zum Oukaïmeden-Plateau wartet an einer Zwischenstation heftig gesüßter Minztee auf eine Verkostung. Längst haben uns hier die ersten fliegenden Händler auf ihren Mopeds eingeholt, um bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Ketten, Armbänder und Kristalle zu zeigen. Ihre Mopeds haben meist keine Zulassung hier oben in den Bergen, wo die Landschaft immer schroffer und karger wird. Deshalb trauen sie sich damit auch nicht hinunter ins Tal oder gar in die Stadt, aus Furcht, von der Polizei aufgegriffen und ohne fahrbaren Untersatz wieder nach Hause gebracht zu werden.

Steiler Aufstieg

Tapfer verfolgen uns die Händler auf steilem Weg weiter bis wir ankommen auf dem Oukaïmeden-Plateau, wo die erste echte Offroad-Prüfung mit steilen Geröllpassagen ansteht. Hier muss der 210 kW/286 PS starke und 3,0 Liter große Sechszylinder-Turbodiesel seine 600 Nm Drehmoment auspacken, um mehr als zwei Tonnen Touareg-Gewicht den Hang hinaufzuwuchten.

Die Skipiste hat noch Sommerpause, mit Schnee müssen wir also nicht rechnen. Dafür jedoch mit feuchtem Gras, tiefen Kuhlen und scharfkantigen Felsbrocken. In der Ferne wacht der weiß gezuckerte Gipfel des Jbel Toubkal darüber, was wir auf seinem Hoheitsgebiet anstellen – mit 4.167 Metern der höchste Berg Marokkos.

„Gefühlvoll Gas geben und auf große Gesteinsbrocken achten“, ermahnt Instruktorin Heike Hecht. Die richtige Dosis Kraft ist entscheidend, um nicht stecken zu bleiben oder ins Rutschen zu kommen. Gut, dass der Touareg auf diesem Geläuf das optionale Offroad-Paket an Bord hat, das neben einem besseren Schutz für die Fahrzeugunterseite zusätzliche Fahrprofile beinhaltet.

Den Drehregler auf der Mittelkonsole in Stellung Offroad+ gebracht, und das Luftfederungssystem drückt den Touareg um 70 Millimeter nach oben. Bodenfreiheit, die wir nun dringend brauchen. Eigentlich wären in diesem steilen Gelände Vierbeiner die richtige Wahl, wie es uns die Einheimischen mit ihren Mulis vormachen. Wir dagegen versuchen es auf vier Rädern und mit permanentem Allradantrieb. Eine Geländeuntersetzung gibt es für diese Touareg-Generation nicht. Fahrzeugelektronik und ein selbstsperrendes Mittendifferenzial, welches die verfügbare Kraft bis zu 70 Prozent an die Vorderachse und bis zu 80 Prozent an die Hinterachse verteilen kann, müssen es richten. Das grobstollige Profil der Offroad-Spezialreifen krallt sich jetzt an jede Kante. Wacker kämpft sich das VW-Flaggschiff Stück für Stück nach oben.

Behutsamer Abstieg

Eine kurze Verschnaufpause für Mensch und Maschine, dann kriechen wir über verschlungene Serpentinen auf der anderen Seite des Plateaus wieder hinab ins Tal. „Kontrolliert und langsam ist das Geheimnis“, fordert Weilo. Dabei spielt die Allradlenkung des Touareg ihre Stärken aus. Bis 37 km/h schlagen die Hinterräder automatisch im entgegengesetzten Winkel zu den Vorderrädern ein, der Wendekreis schrumpft so um einen auf 11,19 Meter. Nur einmal müssen wir in einer Kehre zurücksetzen. Auf dem schmalen Schotterweg ist Millimeterarbeit gefragt, zwischen steilen Abhängen auf der einen und gezackten Felswänden auf der anderen Seite. Entgegenkommen darf uns hier niemand, möglich aber wäre es. Immer wieder treffen wir auf versprengte Häuser und kleine Dorfgemeinschaften. Die Menschen hier sind größtenteils Selbstversorger, führen ein einfaches Leben. Zuweilen parkt ein motorisiertes Dreirad oder ein uralter Mercedes-Transporter zwischen den schlicht gemauerten Hütten. Dass die Menschen ihre Berge nicht im Hightech-SUV, sondern auch damit bewältigen, nötigt uns Respekt ab.

Derart herausgefordert, muss der Touareg noch einmal an seine Grenzen gehen. In einem abschließenden Parcous begeben wir uns mit ihm in extreme Schräglage und überwinden teils nur auf drei Rädern kletternd steile Böschungen. Nicht schlecht für ein Auto, das sonst eher in Gegenden mit vernünftiger Infrastruktur Pferde- und Bootsanhänger ziehen muss. Zu guter Letzt überqueren wir ein Flussbett fahrend, nicht schwimmend, und begegnen dort unserem Amethyst-Händler. Seine Steine wird er an diesem späten Nachmittag nicht mehr los. Seine gute Laune aber behält er auch.

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