Audi A5 vs. Kia Stinger: Blickfang mit Seltenheitswert

Diesel gegen Benziner und Allrad gegen Heckantrieb – ein ungewöhnlicher Vergleich mit überraschenden Ergebnissen.

Zwei Autos – zwei Meinungen. Der deutsche Platzhirsch Audi A5 Sportback trifft auf den aufstrebenden koreanischen Herausforderer Kia Stinger. Erstmals stehen sich bei uns Benziner mit Allrad sowie Diesel und Heckantrieb gegenüber. Ein ungewöhnlicher Vergleich auf Augenhöhe.

Maserati, Tesla oder ­Jaguar?“ Gespannte Gesichter erwarten eine Antwort auf das Rätsel des roten Mittelklasse-Schlittens auf dem Parkplatz gegenüber. Dass es sich bei dem fünftürigen Coupé nicht um eine abgehobene Luxuslimousine, sondern um einen eher „günstigen“ Koreaner handelt, ruft ungläubiges Staunen hervor. Reaktionen dieser Art begleiten uns in der Testphase des Kia Stinger häufig. Anders schaut es bei dem anthrazitfarbenen Audi A5 Sportback aus, den wir als Pendant zum Test geladen haben. Nicht dass er auf Straßen und Plätzen unbeachtet bliebe, aber er existiert einfach schon zu häufig, um noch für Verwirrung zu sorgen. 

Im Design gehen beide Marken getrennte Wege: Audi mit eleganter Front, aber biederem Heck, Kia polarisiert, ist aber kaum als Vertreter der Marke erkennbar. Und doch eint sie der Trend zu strenger Optik und einer coupéhaften Linie des bis zum Heck abfallenden Daches. Technisch könnten die Unterschiede kaum größer sein: Im Audi steckt der stärkste verfügbare Turbodiesel für den A5 Sportback, ein 3,0-Liter-TDI. Er leistet wuchtige 210 kW/286 PS und treibt alle vier Räder an. Kia setzt auf einen 2,0-Liter-Turbo-benziner mit 188 kW/255 PS, die, untypisch für den Hersteller, nicht die Vorder-, sondern die Hinterräder bewegen.     

Kernig kontra sonor

So viel zur Theorie. In der Praxis räumt der Koreaner gleich mit dem Vorurteil auf, dass sich ein Benziner nur zum Cruisen eigne. Beim Tritt auf das Gaspedal beschleunigt der Stinger bereits aus niedrigen Drehzahlen vehement, wenn auch kernig röhrend, nach vorne. Die Achtgang-Wandlerautomatik schaltet sauber durch die Gänge, fünf Fahrmodi verkürzen die Schaltzeiten nach Wunsch. Ähnlich verhält es sich auch beim A5. Doch während der Kia auf der linken Spur in vernehmbare Drehzahlhöhen klettert, kontert der großvolumige Turbodiesel mit dezentem Blubbern aus dem Drehzahlkeller. 

Machen wir uns nichts vor: Limousinen in dieser Preis- und Leistungsklasse finden sich in der Regel nicht nur sanftmütig rollend auf der rechten Spur wieder. Wer nun glaubt, dass schnelle Autobahnetappen automatisch mit horrenden Verbräuchen einhergehen müssen, irrt. Im Alltag genehmigte sich der Kia Stinger mit 7,4 Liter Superbenzin nur unwesentlich mehr Sprit auf 100 Kilometer als der Audi A5 mit genügsamen 6,9 Liter Diesel. Herausragend überdies ist das stabile Fahrverhalten des Stinger. Noch einen Tick besser kann es der A5, der auf unebener Fahrbahn äußerst stoisch seinen Kurs verfolgt. Mit verantwortlich dafür ist das aufpreispflichtige Fahrwerk mit Dämpferregelung (980 Euro), bei dem sensorisch die Bewegung aller Räder gemessen und die Dämpfer der Fahrsituation angepasst werden. Kia verwendet ein adaptives Fahrwerk mit sportlicher Abstimmung, bei dem Querfugen spür- und hörbarer im Innenraum hervortreten. 

In Sachen Komfort schenken sich beide ansonsten kaum etwas, müssen aber beim Spurhalteassistenten Federn lassen. Ausgerechnet beim mit elektrischen Helferlein üppig versehenen A5 vermissen wir einen stärkeren Lenkeingriff. Ohne Vorwarnung kann der im Stinger gänzlich ausfallen, weil sich der Assistent je nach Lust und Laune zwischen den Kurven einfach abschaltet.     

Kameras warnen

Einen Leckerbissen der besonderen Art finden wir in den serienmäßigen Rückfahrkameras. Sie warnen visuell mit Pfeilen und Farben vor dem Querverkehr. Das Interieur ist top, die Materialanmutung beachtlich, nur könnten die Kunststoffe im Koreaner etwas wertiger ausfallen. Dafür sind dessen elektrisch einstellbare Vordersitze nicht nur beheizt, sondern auch noch belüftet. Insbesondere auf langen Strecken ein echtes Plus. 

Doch Ausstattung kostet und im Fall des Audi nicht zu knapp. Mit 78.635 Euro rangiert der Testwagen 24.885 Euro über dem Grundpreis und ist damit schon in der Liga der Oberklasse. Da ist der Kia mit 50.680 Euro fast schon ein Schnäppchen. Seine Aufpreisliste ist asketisch kurz, nur 6190 Euro trennen ihn von der Basis.

 

Thomas Schreiner

"Mein Favorit ist der Audi A5. Mag der Stinger günstiger sein, billig ist er längst nicht mehr. Der A5 verbreitet eine gewisse Kühle, glänzt aber mit perfekter Verarbeitung und Materialgüte bis ins Detail. Vom souveränen Vortrieb dank sattem Drehmoment ganz zu schweigen. Ja, mit dem A5 gibt man mehr Geld aus, um weniger aufzufallen. Aber man muss auch niemanden etwas beweisen."

Wolfgang Sievernich

"Der Kia Stinger ist für mich die bessere Wahl. Kaum ein Testwagen sorgt auf und neben der Straße für so viel Aufmerksamkeit. Fast voll ausgestattet kommt er dem Audi A5 sehr nahe, für dessen Mehrpreis schon ein Zweitwagen drin wäre. Überdies ist der Kia erstaunlich sparsam und bleibt als Benziner von Dieselfahrverboten in Innenstädten verschont."

Audi A5 3.0 TDI quattro design

Motoren: 3,0-l-Sechszylinder-Turbodiesel, 210 kW/286 PS, 620 Nm bei 3750-4000/min

Antrieb/Getriebe: Allrad, Achtgang automatisch

Getriebe: Fünfgang manuell

0–100 km/h/Spitze: 5,3 s, 250 km/h

Norm-/Testverbrauch: 5,4/6,9 l D

CO2-Ausstoß Norm/Test: 141/163 g/km

L x B x H: 4,73 x 1,84/2,03 x 1,39 m

Radstand/Wendekreis: 2,82 m, 11,70 m

Kofferraum: 480 l–1300 l 

Leergewicht**/Zuladung: 1775 kg, 510 kg

Anhängelast: 1900 kg

Stützlast/Dachlast: 90 kg/80 kg

Tankinhalt: 58 l

KH/VK/TK: 20/27/28

Grund/Testwagenpreis: 53.750 €, 78.635 €

Modell verfügbar ab: ab 38.600 €

Auswahl Basis-Serienausstattung: Sechs Airbags, elektr. Fensterheber u. Heckklappe, Berganfahrhilfe, Bi-Xenon-Scheinwerfer, City-Notbremsassistent, Klimaautomatik, Kollisionswarner, Müdigkeitswarner, Lichtsensor

 

** mit Fahrer (75 kg) und zu 90 % gefülltem Tank

Foto: Wolfgang Sievernich

Kia Stinger 2.0 T-GDI GT Line

Motoren: 2,0-l-Vierzylinder-Turbobenziner, 188 kW/255 PS, 353 Nm bei 1400-4000/min

Antrieb/Getriebe: Heck, Achtgang automatisch

0–100 km/h/Spitze: 6,0 s, 240 km/h

Norm-/Testverbrauch: 7,9/7,4 l S

CO2-Ausstoß Norm/Test: 181/176 g/km

L x B x H: 4,83 x 1,87/2,04 x 1,40 m

Radstand/Wendekreis: 2,91 m, 11,20 m

Kofferraum: 406 l–1114 l

Leergewicht**/Zuladung: 1717–1870 kg, 468-315 kg

Anhängelast: 1500 kg

Stützlast/Dachlast: 75 kg, 90 kg

Tankinhalt: 60 l

KH/VK/TK: 16/27/26

Grund/Testwagenpreis: 44.490 €, 50.680 €

Modell verfügbar ab: ab 44.490 €

Auswahl Basis-Serienausstattung: Sieben Airbags, Navi/Soundsystem, Berganfahrhilfe, City-Notbremsassistent, Head-up-Display, Klimaautomatik, Kollisions- und Müdigkeitswarner, Licht-/Regensensor, beheiztes Lenkrad, Rückfahrkamera

 

** mit Fahrer (75 kg) und zu 90 % gefülltem Tank

Foto: Wolfgang Sievernich
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