Achtung Falschfahrer! App meldet Gefahren

Eine App für Smartphones soll im Sendegebiet von Antenne Bayern vor Falschfahrern schützen. Foto: stock.adobe.com/Petair

Geisterfahrer sorgten in den ­vergangenen Jahren für zahlreiche Unfälle. Um Autofahrer effizienter vor diesen Risiken zu warnen, hat Bosch eine App für das Smartphone entwickelt.

„Vorsicht, auf der A3 kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen!“ Viele Autofahrer haben diese Meldung schon häufig im Radio gehört und spitzen meist nur kurz die Ohren, welche Strecke betroffen ist. Für die Verkehrsteilnehmer im unmittelbaren Umkreis des Falschfahrers aber ist es geradezu der blanke Horror, direkt in die schwer einzuschätzende Gefahr zu steuern. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei in Deutschland fast 3500 Falschfahrermeldungen. Eine erschreckende Zahl, die aber nicht die tatsächlichen Fälle in der Praxis abbildet. 

Das Problem sind Mehrfachmeldungen. Insbesondere in der Nähe von Autobahnkreuzen und Autobahndreiecken geben die Verkehrsleitstellen der Polizei mehrere Warnungen in alle Richtungen und für alle betroffenen Autobahnen durch. Aus gutem Grund: „Der Mitteiler des Falschfahrers am Notruf ist in der Regel sehr ­aufgeregt, und es kann bei 

der Aufnahme der Örtlichkeit durch den Disponenten in der Einsatzzentrale zu Missverständnissen kommen“, erklärt Michael Bungert, Polizeihauptkommissar beim Verkehrswarndienst Bayern. „Bedenkt man die Zeit, in der die Falschfahrermeldung erfasst und an Institutionen, wie beispielsweise den Rundfunk, weitergeleitet wird, vergeht Zeit, in der der Falschfahrer eine entsprechende Strecke zurücklegt“, sagt Bungert weiter. Und dabei die Autobahn wechseln könnte, weswegen die Polizei immer einen großzügig bemessenen Streckenabschnitt vorgibt. Das verfälscht allerdings die tatsächlichen Zahlen. Dazu kommen Doppelerfassungen, wenn mehrere Notrufe zum gleichen Falschfahrer eingehen und von unterschiedlichen Leitstellendisponenten zeitgleich jeweils eine Meldung erstellt wird. 

Statistisch korrekt nachvollziehbar sind dagegen die Unglückszahlen. Laut der Straßenverkehrsunfallstatistik registrierten die Behörden im Jahr 2016 in Deutschland ­genau 200 Unfälle durch Geisterfahrer. Dabei wurden 288 ­Menschen verletzt, 57 davon schwer, 12 kamen zu Tode. Konzepte, diese drastischen ­Zahlen auf deutschen Autobahnen einzuschränken, gibt es viele. Beispielsweise Asphalt­krallen und Warntafeln an Autobahn­auffahrten, Assistenzsyteme zur Verkehrszeichen­erkennung und mehr. Eine individuelle Warn­meldung – unabhängig von der tech­nischen Fahrzeugausstattung – existierte aber bislang nicht. 

Nun hat Bosch in Zusammenarbeit mit dem Radiosender Antenne Bayern erstmals eine Software entwickelt, die mittels einer kostenfreien Applikation (App) für Smartphones vor Falschfahrern warnen soll. Und das funktioniert so: Die Bewegungsdaten von zurzeit rund 250000 aktiven Nutzern werden per GPS über die mobilen Daten des Smart­phones an die Bosch-Cloud ­(Datenwolke) gesendet und dort mit der erlaubten Fahrtrichtung der Straßendaten verglichen. 

Datentransfer begrenzt

Registriert die Software eine unzulässige Abweichung, werden neben dem irrgeleiteten Autofahrer zeitgleich alle anderen Fahrzeuge in einem zehn Kilometer großen Umkreis auf der Autobahn gewarnt, allerdings nicht die Polizei- und der Rettungsdienst. Da sich 46 Prozent der Unfälle durch Geisterfahrer auf der Strecke zwischen Auffahrt und den ersten 500 Metern der Autobahn ereignen, hat Bosch Autobahnkreuze, -dreiecke und -auffahrten in GPS-­Boxen unterteilt. In diesen Bereichen übermitteln die Smart­phones automatisiert und über eine Identifikationsnummer anonymisiert GPS-Daten an die Cloud. Um den Datentransfer zu reduzieren und den Datenschutz des Einzelnen zu wahren, entfällt das Signal außerhalb der GPS-Box wieder. Wird ein Falschfahrer registriert, poppt auf dem Smartphone der Nutzer eine visuelle Warnmeldung auf, zusätzlich ertönt ein lautes Audiosignal – unabhängig von der eingestellten Lautstärke. Verhaltensempfehlungen auf den Displays sollen helfen, gefahrlos am entgegenkommenden Auto, Motorrad oder Lastkraftwagen vorbeizusteuern (siehe Bild S. 26). 

Bei allen Vorteilen der so genannten Schwarmintelligenz hat die App aber auch Nachteile. Zum einen können Funklöcher den wichtigen Transport der GPS-Daten unterbrechen. Zum anderen bemängelt die Polizei, dass der Griff zum Smartphone in der Tasche oder aus Ablagen des Fahrzeugs ablenkt und zudem verboten ist – Signal hin oder her. 

Integration in Navigation

Deshalb spricht Bosch bereits mit Herstellern von Navigationssystemen und Infotainmentdiensten, um die Software künftig direkt in Fahrzeuge zu integrieren. Dann wären auch Warnungen im Head-up-Display möglich, damit die Hände am Lenkrad bleiben. In der Zwischenzeit stellt die App eine Übergangslösung dar. 

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